The Invisible Life of Addie LaRue

The Invisible Life of Addie LaRue

Addie wächst 1714  in einem kleinen französichen Dorf auf. Eingeengt durch den sozialen Druck der Dorfgemeinschaft schließt sie einen Pakt mit der Dunkelheit, um einer ungewollten Ehe zu entkommen.

In ihrer Verzweiflung denkt sie nicht über die Konditionen des Paktes nach und fristet die folgenden 300 Jahre ein einsames Leben. Sie ist unsterblich, aber kein Mensch, dem sie begegnet, kann sich an sie erinnern. Addie schleicht sich durch die Jahrzehnte und findet bald einen Weg Spuren in der Geschichte zu hinterlassen.

Eines Tages begegnet sie einem jungen Mann, der sich an sie erinnert und plötzlich läuft ihr die Zeit davon.

Hinweis: Uns liegt dieses Buch auf Englisch vor.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Lange aus dem Fenster geschaut
  2. beschlossen, keine Rezension zu diesem Buch zu schreiben
  3. darüber nachgedacht, wie eine Rezension aussehen könnte …

Mein Eindruck zu “The Invisible Life of Addie LaRue”:

Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangetreten. Ich habe hier ja bereits die “Shades of Magic”-Reihe von V.E. Schwab besprochen und wusste, dass Addie LaRue ganz anders sein würde. Und ich wurde poritiv überrascht. Die Geschichte steckt voller Melancholie und Schmerz, zugleich ist sie jedoch kämpferisch und voller Hoffnung, wenn auch nicht zwingend für die Protagonistin.

Es ist die ruhige und tiefe Erzählung, die ich mir gewünscht habe. Eine Geschichte, die ihren Figuren Raum lässt und sie nicht in einem Strudel epischer Ereignisse erstickt. V.E. Schwab spricht viele Themen des Seins an. was macht einen Menschen aus? Was wollen wir in unserem Leben bewirken? Was hinterlassen? Welche Gefühle tun uns gut und welche nicht? Und kann ein Mensch zu viel fühlen?

Stärken des Buchs:

Gemessen an seinem Umfang enthält das Buch vergleichsweise wenig Handlung. Wir begleiten Addie durch die Jahrhunderte, erhalten kurze Einblicke in die jeweilige historische Kulisse und begegnen verschiedenen Künstlern und Denkern. Die macht Protagonistin nicht viel, sie ist die meiste Zeit mit Überleben beschäftigt, denn es zeigt sich, dass sie es als Frau im 18. Jahrhundert deren Gesicht und Namen sich niemand merken kann, nicht leicht hat. Zwar ist sie unsterblich, aber Hunger, Schmerz und Kälte spürt sie trotzdem. Nach und nach findet sie Schlupflöcher in ihrem Fluch und nutzt sie zu ihren Gunsten. Besonders begeistert hat mich, wie es Addie gelingt, sich im Gedächtnis der Welt zu, ohne selbst ein Werk zu schaffen oder ihren Namen schreiben zu können.

Neben den weltlichen und individuellen Nöten der Protagonistin, erhält der Gott, der sie verfluchte ebenfalls eine Rolle. Zwischen ihm und Addie entspannt sich ein Kräftemessen. Luc, so tauft sie ihn in Ermangelung eines Namens, will, dass Addie aufgibt, dass sie die Unsterblichkeit satt hat, aber Addie will will dieses ewige Leben genießen. In Form von Kunst, Literatur, Musik, gutem Essen, Reisen, Männern und Frauen gelingt ihr das auch. Bittersüß sind die Momente, in denen Addie neben Menschen aufwacht, die sich nicht an sie erinnern können. Diese Leute denken, es war die erste Begegnung, die erste Nacht, doch für Addie liegen oft schon Wochen zurück, die sie mit diesen Menschen verbracht hat. Und jeden Morgen steht sie erneut vor der Entscheidung, ob sie es nun gut sein lässt oder eine neue erste Begegnung anstrebt.

Der Autorin gelingt ein Drahtseilakt zwischen der einsamen Verzweiflung, die Addie wieder und wieder überrollt und dem Sinn für die schönen und einzigartigen Momente, die ihr besonderes Leben ihr bietet. Das Kräftemessen mit der Dunkelheit und Addies eigenen Schatten steht im Vordergrund, bis sie Henry Strauss begegnet. Ein Junger Mann, der sich an sie erinnert. Mit dieser Figur erhält die Geschichte einen melancholischen Gegenpol. Henry leidet darunter, dass er von allen geliebt, aber nicht wirklich gesehen wird. Ich will nicht näher darauf eingehen, wohin diese Verstrickungen führen, das würde zu viel verraten. Aber ich würde behaupten, dass nahezu alles Lesenden sich in irgendeiner Weise in Addie oder Henry wiederfinden können. Beide leiden unter verschiedenen Nuancen von Weltschmerz und es ist absolut lesenswert, wie beide damit umgehen.

Die Figuren sind sehr gut durchdacht und bieten ein großartiges Zusammenspiel. V.E. Schwab bildet in der Vergangenheit wie in der Gegenwart einen breiten und bunten Schnitt durch die Gesellschaft ab. Addie und Henry sind als Perspektivfiguren gut inszeniert und durchweg glaubwürdig. Henry wird vor allem durch seine Freunde sympathisch.

Einige Wendungen waren vorhersehbar, aber dennoch konsequent. Addie ist so gut charakterisiert, dass ihre Entscheidungen eben nicht überraschend gefällt werden. Sie entsprechen der Frau, die über sehr viele Seiten hinweg aufgebaut wurde. Deshalb hat mich auch das Ende nicht umgehauen, aber doch zufrieden gestimmt.

Schwächen des Buchs:

Die Reise durch die Jahrhunderte war mir persönlich etwas zu ausgiebig. Zwar konnte ich jeder einzelnen Episode etwas abgewinnen, aber weniger hätten Addies Wandlung ebensogut zum Ausdruck gebracht.

Mein Fazit zu “The Invisible Life of Addie LaRue”:

“The Invisible Life of Addie LaRue” ist eine Liebeserklärung an die Kunst in all ihren Facetten. Es ist eine bittersüße Liebesgeschichte, die ein wohliges Gefühl hinterlässt. Ich wollte ursprünglich keine Rezension schreiben, weil ich nicht wirklich den Finger drarauf legen kann, was mich begeistert hat. Vielleicht die Verbindung aus History, Mystery und Lovestory, vielleicht die philosophischen Gedanken über Kunst und Erinnerungskultur, vielleicht aber auch die heimelige Stimmung, die beim Lesen aufkam.

Es ist ein Buch für Regentage, die man auf dem Sofa verbringt mit sehr viel Tee und Keksen. Ich weiß nicht, wem ich die Lektüre empfehlen kann, weil ich denke, dass für jeden etwas in der Geschichte zu finden ist.

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Das unsichtbare Leben der Addie LaRue

V. E. Schwab

Fantasy
Softcover, 592 Seiten

erschienen bei FISCHER Tor

26. Mai 2021

ISBN 978-3-596705818

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