Bizarre, traurig-witzige Welt des intellektuellen Missverstandenen – Sorck

Bizarre, traurig-witzige Welt des intellektuellen Missverstandenen – Sorck

Martin Sorck steht an der Straße und betrachtet seine brennende Wohnung.
Nur zwei Koffer und ein Kreuzfahrtticket bleiben ihm.
Doch spätestens, als sich der erste Landgang als paramilitärische Übung entpuppt, droht auch der Urlaub zur Katastrophe zu werden… 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Froh sein, dass ich es gelesen habe.
  2. Froh sein, dass es fertig ist.
  3. Eine Folge Rosaroter Panther geguckt, weil ich die Erzählstimme beim  Lesen im Kopf hatte.

Mein Eindruck zu Sorck:

„Sorck“ klingt geil. Es könnte alles sein, aber Hauptsache skurril, und genau deswegen war ich sofort angefixt. Ich ging ja davon aus, dass Sorck der Name eines Sturms ist. Dabei ist Sorck ein Mensch, Martin Sorck. Zumindest ist das kein Titel, den man vergisst, was bei mir häufig der Fall ist. Sorck bleibt.

Stärken des Buchs:

Der Einstieg ins Buch ist fantastisch. Das Ende ist noch besser. Damit sind schon mal die zwei besten Faktoren gegeben. Viele Sätze sind dazu da, markiert und rausgeschrieben zu werden. Über die muss man nachdenken, die muss man auf sein eigenes Leben beziehen.

Die Kombination von Charlie-Chaplin-Humor und dunkle Seelenkrise ist gewagt und absolut glorreich gelungen. Ich hab an vielen Stellen gelacht, weil ich nicht glauben konnte, was da passiert. Oft weiß man auch nicht, ob etwas ernst gemeint ist und schließlich kam ich zu folgender Übereinkunft mit mir: Das Buch meint alles und nichts ernst. Und das hilft, sich selbst ernst und nicht ernst zu nehmen.

Der Autor traut sich was. Er will schockieren, er will amüsieren, er will über diesen einen kleinen Punkt hinausgehen, den jeder erwartet. Das Ergebnis ist interessant und anders. Und „anders“ ist ja genau das, was ich in der Literatur suche.

Sorck als E-Book. Foto: Magret Kindermann

Schwächen des Buchs:

Oft geht mir Sorck ein wenig zu weit. Ein blutiger Witz wird immer wieder über Seiten gezogen, was das erste Mal cool war, mir dann aber doch etwas zu viel wurde. Aber mit Witz tue ich mir oft schwer, weswegen ich die meisten Komödien meide.

Sorck ist das Debüt des Autors und ab und zu bildete ich mir ein, dass ich das merke. Als wolle er zeigen, was er kann, manchmal auf Kosten der Verständlichkeit. Ich musste einige lange Sätze mehrmals lesen, das Pensum an Fremdwörtern erledigte den Rest. Ich bin ein Fan von leichter Sprache, das findet man hier nicht. Für dieses Buch muss man Konzentration und ein Fremdwörterbuch mitbrinngen.

Mein Fazit zu Sorck:

Aber es lohnt sich. Was eine Perle im Sumpf des Buchmarktes! Ich bin froh, es gefunden zu haben, aber nun auch froh, als nächstes irgendwas leicht-süffiges zu lesen. Mein Plan, James Joyce im Anschluss zu lesen, wird erst mal verschoben. Ich denke, Sorck könnte trotz der vorhandenen Kürze von 252 als Kurzgeschichte oder Kurzroman mehr glänzen. Ich bin gespannt – nein, hungrig! – was der Autor als nächstes bringt. Lebenslanges Abo, bitte!

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Sorck

Matthias Thurau

Satire Entwicklungsroman
Softcover, 252 Seiten

erschienen bei TWENTYSIX

27. Mai 2019

ISBN 978-3-740705909

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Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

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