Ein echter Silberstreif am Horizont – Silver Linings

Ein echter Silberstreif am Horizont – Silver Linings

Als Pat Peoples die Psychoklinik verlässt, will er eigentlich nur eines: das Herz seiner Frau Nikki zurückgewinnen. Warum er überhaupt an dem schlimmen Ort war, weiß er nicht mehr so genau. Aber er ist ziemlich froh, wieder zuhause zu sein, bei seiner fürsorglichen Mum, seinem grimmigem Dad, seinem erfolgreichen Bruder. Die freuen sich zwar auch über Pats Rückkehr, weniger aber über seine Pläne. Immer, wenn die Sprache auf Nikki kommt, wechseln alle das Thema. Alle außer Tiffany. Aber die ist selbst ein bisschen verrückt und verfolgt ihn beim Laufen. Trotzdem scheint sie die einzige zu sein, die genau wie er an den Silberstreifen am Horizont glaubt. Und Pat langsam den Glauben verliert, ist es ausgerechnet sie, die ihm einen vielversprechenden Deal anbietet…

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Den gesamten Anhang gelesen.
  2. Meine Sachen gepackt.
  3. In der Pause von der Uni nach Hause gefahren und wieder zurück, weil ich das Buch so schnell ausgelesen hatte, dass ich Nachschub holen musste für den Nachmittag.

Mein Eindruck zu Silver Linings:

Frustriert, weil ich keinen Weihnachtsroman im Regal hatte und mir ja selbst ein Buchkaufverbot auferlegt habe, dachte ich mir: Na gut, dann nehm ich mal Silver Linings, das steht da jetzt schon seit einer halben Ewigkeit. Und schwupps – es war zufällig ein Weihnachtsroman. Kein ganz klassischer, mit Christbäumen und einer Liebesgeschichte unterm Mistelzweig, heißem Kakao und Plätzchen. Dafür ein ziemlich abgedrehter, Herz erwärmender ohne Kitsch, dafür mit Vollkornmüsli, Football und umso mehr Mitgefühl.

Stärken des Buchs:

Ich liebe die Gedankenzeichnung in diesem Buch. Pat, der Ich-Erzähler, wächst einem schon auf den ersten Seiten irgendwie ans Herz, auch wenn er total schräg ist und gerne mehr von seinen Tätigkeiten erzählt, als ein normaler Mensch das machen würde. Aber das ist okay, weil Pat ist kein normaler Mensch. Er hat psychische Probleme und die hat Matt Quick so überzeugend dargestellt, dass ich ihn wirklich dafür bewundere. Diese leichte Naivität, diesen ungebrochenen Optimismus, gewisse Gedankengänge – ich kann mir wirklich vorstellen, dass jemand in Pats Lage sich so fühlt.

Noch besser ist die indirekte Zeichnung Pats durch seine Umwelt. Wie bringt man einen Leser dazu, etwas zu wissen, was nicht einmal der Protagnoist weiß? Indem man so gekonnt Hinweise in die Gesichter seiner Umgebung legt, in ihre Worte und Handlungen, dass der Leser automatisch ein Bild vor sich hat, auch wenn Pat es nicht wahrhaben will. Ganz grundsätzlich sind die Charaktere auch wunderschön und deutlich gezeichnet, die Familie, der Therapeut, Tiffany, Nikki – man sieht sie alle ganz genau vor sich.

Sie passen sich perfekt in die Handlung ein, kennen alle ihren Platz und führen den Leser behutsam durch die Geschichte. Psychische Erkrankungen werden sensibel, aber unterhaltsam thematisiert und lassen den Leser wirklich mitfühlen. Freude, Mitleid, Verständnis, Begeisterung, Optimismus – dieses Buch ist alles andere als depressiv. Dazu kommt eine gewisse Spannung – was hat Pat denn nun wirklich getan, dass er an dem schlimmen Ort gelandet ist? Und wird er Nikki endlich wiedersehen? Und auch eine gewisse Erzählkust: wer schafft es denn bitte, eine Filmmontage in einem Buch umzusetzen?

Schwächen des Buchs:

Trotzdem glaube ich, dass gerade die Erzählkunst vielleicht für manche ein bisschen ermüdend wirken könnte. Gewisse Wiederholungen und sich wiederholende Sequenzen zum Beispiel sind bestimmt nicht für jedermann, auch, wenn ich sie an den entsprechenden Stellen wirklich passend fand, weil sie Pats Denken entsprechen. Man muss als Leser also auf jeden Fall bereit sein, sich auf ihn einzulassen, auf seine manchmal ermüdende Liebe zu Nikki und die zum Football.

Außerdem fand ich das Ende ein bisschen verwirrend, an manchen Stellen sogar unlogisch (alles, was mit einem gewissen Treffen in Zusammenhang steht) – da bin ich dann zwar noch mitgekommen, aber ganz verstanden hab ich nicht alles. Lektoratsfehler? Man weiß es nicht.

Silver Linings. Foto: M. D. Grand

Mein Fazit zu Silver Linings:

Um in diesem Zusammenhang den Film “Joker” zu zitieren: Das lustige an psychischen Krankheiten ist, dass die Leute von einem erwarten, sich normal zu verhalten – und diese Diskrepanz hat Matthew Quick in Silver Linings wunderschön umgesetzt. Wer also bereit ist, zu akzeptieren, dass Pat nicht “normal” ist, wird mit diesem Buch viel Freude und auch Spaß haben. Durch sein Setting, das zu einem Großteil um Weihnachten spielt, ist es meiner Meinung nach auch perfekt als Weihnachtsroman geeignet, vor allem für alle, für die Liebe nicht immer nur klassisch sein muss. Liebe und Akzeptanz, in der Familie, mit den Mitmenschen und ganz allgemein, als Gefühl der Geborgenheit – darum geht es in diesem Buch. Deshalb 4,5 von 5 Sternen für diesen außergewöhnlichen, auch gesellschaftssensiblen Ein-Bisschen-Weihnachtsroman, mit dem leicht verwirrenden Ende!

PS: Dieser Roman wurde auch verfilmt. Hat den jemand gesehen und kann mir sagen, ob der auch so gut ist?

Diese Rezension von M. D. Grand hat dir gefallen? Hier gibt’s mehr davon!

Silver Linings

Matthew Quick

Gegenwartsliteratur
Softcover, 368 Seiten

erschienen bei Rowohlt

28. November 2014

ISBN 978-3-499230356


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