Streut Salz in alte Wunden – King of Scars

Streut Salz in alte Wunden – King of Scars

Ravka hat sich vom Bürgerkrieg noch nicht wieder erholt. Nicht nur seine Bevölkerung leidet unter den Folgen des Krieges, sondern auch die Grisha, die kurz vor der Vernichtung standen, erholen sich nur langsam. Da ist es wenig hilfreich, dass ausgerechnet der König, der das Land wieder zusammenführen soll, selbst eine Bürde zu tragen hat. Während Nikolai Lantsov mit seinen Dämonen kämpft, muss er nach außen um jeden Preis die Fassade aufrecht erhalten. Ravka braucht einen starken König, um gegen die aufkeimende Magie im Land und die erstarkende Feinde an den Grenzen bestehen zu können.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Kaffee ausgetrunken
  2. Maske und Haarnetz aufgesetzt
  3. Zurück an die Arbeit

Mein Eindruck zu “King of Scars”:

“King of Scars” ist eine gute Fortsetzung der Grisha-Reihe, die das Wiedersehen mit einigen liebgewonnene Figuren garantiert. Leigh Bardugos Geschichte besticht wieder einmal mit gut durchdachtem Weltenbau und einem mitreißenden Schreibstil.

Die Welt der Grisha wächst und gewinnt an Tiefe. Was an dem Auftakt zur King-of-Scars-Dilogie neu und meiner Ansicht nach, sehr überzeugend ist, verrate ich euch im Folgenden.

Stärken des Buchs:

Wie in den vorigen Büchern auch, wartet Leigh Bardugo mit einem exzellenten Weltenbau sowie Figurenensemble auf. Was in diesem Teil allerdings noch besser und detaillierter gelingt. Sicherlich auch, weil sie auf ein solides Vorwissen der Lesenden bauen kann. Der Fokus liegt weniger auf Ravka und seinen Nöten, sondern es wird ein weiterer Blick auf die Machtstrukturen und die Kultur in Fjerda und Shu Han geworfen.

Die wechselnden Perspektivfiguren bieten einen differenzierten Blick auf die Konflikte im engeren Kreis um König Nikolai und den heraufziehenden Krieg im Land. Wer in der Krähendilogie ebenso sein Herz an Nina verloren hat, wie ich, kommt hier auf seine Kosten. Mit Nina und Zoya hat die Autorin zwei Figuren ausgewählt, die genug Ecken und Kanten für einen ganzen Bauklotz-Kasten haben. Neben den beiden wimmelt das Buch nur so vor Frauen, die für ihre Ziele einstehen und kämpfen und zwar jede auf ihre ganz eigene Art. Die vielschichtige und gut durchdachte Figurengestaltung zieht sich durch alle Bücher der Grisha-Reihe und gipfelt in “King of Scars” in Hanne, der Nina auf ihrer Mission in Fjerda begegnet. Hier stoppe ich, weil sonst gibts Spoiler.

Außerdem tauchen wir in “King of Scars” ein wenig tiefer in die religiösen Konstrukte Ravkas, aber auch Fjerdas ein. Die Heiligen Ravkas mischen ordentlich mit und machen König Nikolai und Zoya das Leben noch ein bisschen schwerer. Hier gelingt der Geschichte ein fast schon märchenhafter Zug, den ich so nicht erwartet hätte, der mir jedoch gut gefallen hat.

Neben Krieg, Intrigen, Maskeraden und gut überlegten Strategien gibt es die übliche gut dosierte Prise Romantik.

Schwächen des Buchs:

Einige der Handlungsabschnitte zogen sich für mein Empfinden unnötig lang. Besonders Nikolais und Zoyas Abstecher in die einstigen Schattenflur hätte deutlich kürzer ausfallen können, aber das mag rein subjektiv sein.

Mein Fazit zu “King of Scars”:

Ich liebe die Grisha-Reihe mit jedem Buch ein bisschen mehr. Mit jeder Fortsetzung wächst die Autorin mit ihrer Welt ein bisschen mehr. “King of Scars” schafft es gleich drei interessante Figuren in den Fokus zu rücken und eine weitere lesenswerte Geschichte zu spinnen. Im Gegensatz zu anderen Reihen scheinen weder Handlung noch Figuren zu verschleißen. Ich kann “King of Scars” nachdrücklich weiterempfehlen. Es ist auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesbar. Allerdings macht es mehr Spaß, wenn die Figuren bereits bekannt sind, da sich doch der ein oder andere Hinweis auf vorangegangene Situationen versteckt.

Von mir gibt es eine Handvoll Sterne!

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Leigh Bardugo

Fantasy
Softcover, 512 Seiten

erschienen bei Knaur HC

20. August 2019

ISBN 978-3-426227008

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