Denkbar einfach, doch nichts Neues – Die 1%-Methode

Denkbar einfach, doch nichts Neues – Die 1%-Methode

In “die 1-%-Methode” geht es um einen ganz einfachen Effekt: Wenn du jeden Tag um 1 % besser wirst, bist du nach 365 Tagen ganze 377,8 % besser als heute. Man rechnet 1,01³⁶⁵ = 3.778 %. Das war’s auch schon mit dem mathematischen Teil. Es geht in diesem tollen Buch um konkrete Beispiele, wie winzig kleine Verbesserungen durch Kontinuität gigantische Ergebnisse erzielen können und richtet sich ganz praktisch an die Leserinnen und Leser. Ein Buch zum Nachmachen, Impulse zum Umsetzen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ab Seite 190 nochmal gelesen
  2. Mich über britische Rennradfahrer informiert
  3. Einen Podcast zu Atomic Habits gehört

Mein Eindruck zu “Die 1-%-Methode”:

James Clear hat mich mit “Die 1-%-Methode” (Englisch: Atomic Habits) in diversen Buchhandlungen gecatcht. Immer, wenn ich irgendwo ohne etwas zu suchen durch die Bücherregale gestöbert bin, bin ich an diesem Buch hängen geblieben. Beim vierten Mal, dass mir dieses Buch ins Auge gesprungen ist, habe ich es mir dann endlich geholt. Und ich bereue nichts. Ein fantastisches Buch, sowohl für Anfängerinnen und Anfänger, als auch für Fortgeschrittene rund um die Themen Gewohnheit, Zeitmanagement, Selbstoptimierung und Persönlichkeitsentwicklung. Natürlich kommen viele Inhalte auch in tausend anderen Büchern vor und “Die 1-%-Methode” enthält keine Geheimformel zur Weltherrschaft … Aber eines muss gesagt sein: Dieses Buch bringt dich keinen Millimeter weiter, wenn du nicht in die Umsetzung kommst.

Stärken des Buchs:

Als Verlagsdienstleisterin und Buchsetzerin möchte ich den deutschen Buchsatz loben. Zu Beginn eines neuen Kapitels wird die Thematik der goldenen Punkte auf dem deutschen Buchcover aufgenommen, und durch diese sehr simple Gestaltung gewinnt das Buch an Einzigartigkeit. Ich mag das wirklich sehr und finde, dass man das auch mal hervorheben kann!

Nun aber zum Inhalt. Stark finde ich, dass “Die 1-%-Methode” nicht nur darauf ausgerichtet ist, wie ich als Leserin und als Bestandteil einer bestimmten Zielgruppe erfolgreich werden kann, sondern dass der Autor die Leserinnen und Leser dort abholt, wo sie sind. Beim Lesen habe ich mich weder unter- noch überfordert, in jedem Fall aber angesprochen gefühlt. Es gibt neben zahlreichen Beispielen, die in diesem Ratgeber tatsächlich angebracht und sinnvoll platziert und nicht nur aufblähend und nervig sind wie in vielen anderen Büchern, auch Erklärungen auf Fragen rund um “Wieso bin ich, wie ich bin?”. Bevor es um die Zukunft und Aktionspläne geht, geht es erstmal ganz entspannt um das Prinzip, den Ist-Zustand und ein bisschen Theorie. Das ist sehr angenehm und fühlt sich unoberflächlich an.

Schwächen des Buchs:

Als Schwächen möchte ich zu “Die 1-%-Methode” sagen, dass es mir ein wenig an Praxis fehlt. Ich funktioniere und arbeite am besten mit konkreten Aufforderungen/Übungen. Zwar habe ich beim Lesen immer wieder pausiert, Notizen gemacht und auch einen gewissen Plan für mich entwickelt, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich das ansatzweise mühelos umsetzen kann, sondern immer noch in die Gefahr laufe, mich zu überfordern, falsche Prioritäten zu setzen oder mich zu verzetteln. Ist aber zum größten Teil mein Problem, nicht das des Autors.

Was zu gleichen Teilen mein Problem und das des Autors ist, ist, dass Ziele glorifiziert werden. Wir brauchen Ziele, sollen auf diese hinarbeiten, blablabla. Ich weiß schon seit etwas mehr als einem Jahr, dass Ziele nur das sind, was man auf dem Weg – auf dem richtigen Weg – aufsammelt. Viel wichtiger ist eine Grundhaltung. Werte. Eine Richtung. Der Kompass muss in die richtige Richtung zeigen, und dann kann man sich auch Ziele setzen. Ich schätze, dass dieses Thema kaum oder sogar gar nicht angesprochen wurde, obwohl es so wichtig ist. Denn keine 1-%-Umsetzungsaktion der Welt macht dich erfolgreicher, wenn sie in die falsche Richtung zielt.

Einen weiteren Gedanken, den ich hier in den Schwächen nennen möchte, ist das Thema Gewohnheit. Der Begriff wird inflationär benutzt und zumindest in meinen Kreisen sind die Leute wahre Gewohnheitsfanatiker. Liegt vielleicht auch daran, dass ich selbst eine bin, haha. Isabelle Prophet schreibt in ihrem Buch “Wie gut soll ich denn noch werden?!”, dass wir routinierte Verhaltensweisen mit Gewohnheiten verwechseln (können). Wenn du im Linksverkehr Auto fährst und dir die Hand an der Tür andotzt, weil du schalten wolltest, wo kein Schaltknüppel ist, ist das eine Gewohnheit. Es ist keine Gewohnheit, eine mehrstündige Morgenroutine einzuhalten und dabei etwa die 6 SAVERS nach Hal Elrod abzuarbeiten. Ein Impuls, den ich in dieser Rezension zum Nachdenken platzieren wollte – ich schätze, an der Stelle gibt es Diskussionspotential für echt tolle Gespräche.

Mein Fazit zu “Die 1-%-Methode”:

“Die 1-%-Methode” von James Clear ist ein tolles Buch. Damit es aber nicht das hunderste Buch mit ähnlicher Thematik ist, die sich Ratgeber-Nerds einverleiben und dann das nächste Buch herbeischaffen, muss man tatsächlich in die Umsetzung kommen. Eine klare Kauf- und Leseempfehlung für alle, die auch mal ein Klebi zum Später-Zurückkommen im Buch platzieren und sich das Gelernte in umsetzbare Pläne umarbeiten.

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Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung

James Clear

Ratgeber
Softcover, 368 Seiten

erschienen bei Goldmann Verlag

27. April 2020

ISBN 978-3-442178582

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