BÄM, der Killermodus für’s BUzíNe$$! – Dein nächstes großes Ding

BÄM, der Killermodus für’s BUzíNe$$! – Dein nächstes großes Ding

Willst du endlich das nächste große Ding starten? Bereit für den laserscharfen Fokus auf das, was richtig viel Kohle bringt und die Jungs, die dein Team am besten aufmotzen, damit du ein richtig n1ces Business starten kannst? Dann lies “Dein nächstes großes Ding” von Matthew Mockridge. Oder: Vorher diese Rezension. Der Autor Mockridge hat scheinbar die Zielgruppe angesprochen, die ungenau überlegen möchte, vielleicht irgendwann mal irgendwas in die Tat umzusetzen, das einem “Business” nahekommt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich habe das Buch nach der Sache mit dem Killer-Team abgebrochen
  2. Habe mich darab erinnert, wie furchtbar schlecht “das 4 stunden start up” von felix plötz ist und Vergleiche gezogen
  3. Mich dann gezwungen, es doch noch zu Enee zu lesen

Mein Eindruck zu “Dein nächstes großes Ding”:

In diesem Buch erfährst du grundsätzlich die kompletten Basics. Wenn du schon einmal selbst etwas getan hast, um – womöglich sogar mithilfe des Internets – an Bekanntheit und Geld zu kommen, dann könnte dieses Buch für dich unterfordernd sein. Es ist eher unpräzise. Und damit, und auch mit dem Gedankengang, dass es ganz nett ist, wie man beim Lesen des Buches an Themen herangeführt wird wie Ideen, Kreativität, übers Denken nachdenken und die Geschichte vom Geistesblitz – damit lobe ich dieses Buch bereits in den Himmel. Denn ja, es hat tatsächlich einige (wenige) Stärken.

Stärken des Buchs:

Einige Tipps nennt Matthew Mockridge im Laufe seines Buches, die ich wirklich nett finde. Zum Beispiel schreibt der Gründer von Neon Splash Parties, dass man Kreativität lernen kann und gibt den ein oder anderen ermunternden Satz zu Themen rund um Mindset, Komportzone und anderen sehr wichtigen Aspekten/Buzzwords ab. Das ist ganz nett und sicherlich für diejenigen, die sich noch nie mit Persönlichkeitsentwicklung, Unternehmensführung oder das Selbstständigenleben befasst haben, etwas Neues.

Der Tipp, dass man mit Skype telefonieren und somit effizienter arbeiten und noch besser aufs Smartphone verzichten kann, hat auch irgendwie etwas. Skype scheint eine gute Idee, vor allem für diejenigen, die heutzutage keine Festnetznummer mehr haben – vielleicht kann man da irgendwas organisieren, damit habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt, bin aber inspiriert.

Zudem gibt es in “Dein nächstes großes Ding” ein paar Beispiele und Anekdoten anderer Unterenhmer, die keine ewig langen Exkurse sind unf für die meisten Leser*innen auch fachfremd sein müssten. Den Prothesenmarkt als Beispiel zu verwenden, halte ich für eine frische Idee, eine gute Herangehensweise und das hat im speziellen Kontext auch etwas mit meiner Perspektive gemacht. Angenehm.

Matthew Mockridge schreibt zudem schonungslos über Ausreden und darüber, wie wir uns selbst runter- oder rausreden. An den Stellen, an denen es um so etwas geht oder darum, effizienter zu werden, ist das Buch völlig in Ordnung.

Schwächen des Buchs:

Aber jetzt kommt das Aber. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich lasse es mal klein starten und ende auf dem Höhepunkt, der mich wütend gemacht hat.

Selbstbeweihräucherung und immer wieder dasselbe

Zunächst feiert sich der Autor mit seiner eigenen Idee viel zu sehr. Das Buch trieft nur so vor Selbstbeweihräucherung. Es gibt eine große Menge Wiederholung dessen, was in jedem Ratgeber steht. Ich und meine das durchaus ernst: In jedem Ratgeber zur Unternehmensführung steht etwas zur Persönlichkeitsentwicklung. In jedem Ratgeber zur Persönlichkeitsentwicklung steht etwas über Meditation. Wo Meditation steht, steht auch Fitness, wo Fitness steht, steht auch Konzentration, und wo das steht, steht auch Mitarbeiterführung. Und wo das steht, geht es auch um Selbst- und Unternehmensführung, also Persönlichkeitsentwicklung, Meditation, Fitness … Boah! Wieso muss heutzutage jeder Ratgeber bei den absoluten Basics anfangen? Als jemand, der sicher mehr als dreißig Bücher dieser Themengebung gelesen hat, fällt es mir natürlich sehr stark auf.

Es geht natürlich auch um Gewohnheiten. Körper. Gesundheit. Ablenkungen. Wo-hoo, hättet ihr’s gewusst? Matthew Mockridge gibt euch den Tipp, den Fernseher auszuschalten und das Smartphone stumm zu stellen, wenn ihr euch auf etwas konzentrieren wollt! Wahnsinn. Stattdessen sagt er, du musst das tun, und das, und das auch noch – ohne ein Wort darüber, was für eine Gefahr es darstellt, wenn man als (angehender) Unternehmer oder Selbstständiger zu viele Eisen im Feuer hat. Wie man sich überfordern kann: Keine Info dazu.

Dann käut er Bekanntes wider wie etwa dass wir fünf Verbündete brauchen. Fünf Personen, ja, irgendwas war da – man wird so wie die fünf nächsten Menschen, da war was mit Spiegelneuronen … aber dann spricht er eine Mastermind-Gruppe an. Eine MASTERMIND-Gruppe! Auf Facebook. Seine Gruppe. Ob das sein Ernst ist, habe ich gefragt! In diesen Gruppen sind seltenst Minds und noch seltener Master. Dir wird einfach irgendwas verkauft, man wirft sich mit #erfolgsmensch-Motivationssprüchen ab und muss sich ducken, bevor ein Dropshipping-, Pyramidensystem- oder Pseudocoach-Typ dir per Privatnachricht auf den Senkel geht.

Sprachliche Qualität mal anders

An der Stelle möchte ich noch die Sprache von “Dein nächstes großes Ding” kritisieren. Es geht immer um die Jungs. Kein Ding, ich fühle mich mit angesprochen. Ich bin da nicht so. Als Unternehmerin, die zudem auch noch die letzten Jahre intensiv in ihre finanzielle Bildung investiert hat, ist man eine ziemliche Henne im Korb. Aber diese möchtegern-sportliche Sprache, dieses ständige messerscharfe x hier und das laserscharfe y da und dann Killer-Team hier und mörderische Durchschlagskraft da – kein nichtweiblicher (und auf kein weiblicher) Kontakt von mir könnte so jemanden ernst nehmen. Und inhaltlich geht das dann auch ein paar Schritte zu weit. Mockridge wollte wohl noch ein paar Seiten füllen und gibt dann auch noch Rezept-Tipps, was man essen soll. So, mit Mengenangaben und allem drum und dran. Bitte was?! Nur so kann ich “mein nächstes großes Ding” auf die Beine stellen?!??

Der Höhepunkt dieses Buches ist übrigens die Anleitung, mit welchen sieben Personen (oder: Personenarten) man sich ein Killer-Team zusammenstellen soll. Es geht dabei nicht um Auftragsmörder, sondern um ein besonders tolles Team. Ein Killer-Team eben. So sagt man das, wenn man etwas besonders cool findet, “Killer-” ist das neue Präfix für unseriösen, schwachsinnigen und unfundamentierten Motivationssprech für diejenigen, die nicht einmal checken, dass man sich hier begeistert auf ein Wort stürzt, das auf Deutsch übersetzt “Mörder” heißt. Geht’s noch?

Männer haben Charakter, Frauen sind alle gleich.

Matthew Mockridge listet also auf, welche Personen für ein “Killer”-Team wichtig sind. Bei allen (männlichen) Kandidaten werden nur die im Superlativ gesteigerten Eigenschaften für Finanzierung, Marketing, Entwicklung etc. aufgeführt. So gibt es im siebenköpfigen Team, das ein Unternehmen auf die Beine stellen kann, folgende Personen:

1. Der Trendscout. Ist viel unterwegs, stöbert, hat neue Ideen.

2. Der analytische Hipster. Beherrscht Smalltalk, ist aber auch eine “Trendhure”.

3. Der Kreative. Trägt eine Hornbrille und zeichnet. Spricht in Fachvokabular und mag natürlich Museen, Bücher und Ateliers. (Ist ja eine Pflicht für Hornbrillenträger, weiß doch jeder!)

4. Der General. Kennt sich mit Finanzen und Steuern aus. Der coole “Bad Cop” in Verhandlungen. Ein Realist und Excelprofi.

5. Das Arbeitstier. Ein wahrer Leader. Ein Anpacker. Hat immer Lust auf mehr.

6. Der Marketing-Fuzzi. Natürlich ein Nerd à la Facebook.

Das waren 6 von 7. Wer errät, was die siebte Komponente eines erfolgreichen Teams ist?

Natürlich:

7. Die Frau. Bringt Liebe, Menschlichkeit und Freundlichkeit mit. (Das braucht man ja auch, wenn man nichts anderes zu tun hat, als sechs Typen morgens Kaffee und abends Bier hinzustellen und deren Persönlichkeiten zu bewundern.)

Das war alles, was Mathtew Mockridge in “Dein nächstes großes Ding” einfiel, was “das Weibliche” zum nächsten grossen Ding beitragen könnte.

Ich schrieb bereits, dass das der Höhepunkt sei. Doch ich sag’s mal so: Es könnte sich lohnen, das Fazit zu dieser Rezension zu lesen.

Mein Fazit zu “Dein nächstes großes Ding”:

Irgendwie fing das Buch nett an und war nicht richtig scheiße. Ein paar Milliliter Inspiration hatte dieses Planschbecken voller Dünnschiss definitiv. Der Autor diffamiert aber nicht nur Frauen, während er deutlich weniger unternehmerisches Know-How besitzt als eine durchschnittliche Vollzeit-Hausfrau (lern von einer Mutter mal Zeitmanagement, das grenzt an Magie!), die Rezensionen auf Amazon lassen das ganze “große Ding” noch zusätzlich suspekt wirken.

Es gibt nämlich auf Amazon sehr viele 5-Stern-Bewertungen dieses Buches. Sehr viele der 5-Stern-Rezensent*innen sind Accounts, die nichts anderes jemals bewertet haben als dieses eine Buch. Es wiederholen sich auch gewisse Wortlaute, Passagen, irgendwie, als hätten diese Rezensionen alle etwas gemeinsam. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, vielleicht war da ein Gewinnspiel dabei, eine Leserunde, ein Aufruf an Follower: Nichts, was nicht legal wäre. Alles okay. Aber die Unreflektiertheit der 5-Sterne-Fans ist im Kontrast zu den Rants derjenigen, die außer sich vor Entsetzen sind, skurril anzusehen.

Du willst mehr von Kia lesen? Hier gelangst du zu ihren Rezensionen.



Dein nächstes großes Ding

Matthew Mockridge

Ratgeber
Gebundenes Buch, 264 Seiten

erschienen bei GABAL

15. Februar 2016

ISBN 978-3-869366920

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