Ich will mehr, und das kriege ich auch – Cronos Cube [Rezension]

Ich will mehr, und das kriege ich auch – Cronos Cube [Rezension]

Der Cronos Cube ist eine kleine Box, die uns in ein Open World Abenteuer bringt, während wir liegen. Die Konsole verbindet sich mit unserem Gehirn, alles wirkt realistisch, und in Cronos Cube ist alles möglich. Du kannst im Cronos Cube nicht nur alles tun und erreichen, sofern du dich an die Spielregeln hältst, du kannst auch alles empfinden. Wenn dein Gehirn nicht weiß, wie es sich anfühlt zu sterben, greift es global auf die Erinnerungen und Empfindungen sämtlicher anderer Spieler zurück und simuliert diese Gefühle in dir.

Aber in Cronos Cube beginnt die Geschichte gar nicht. Es geht ums Irland der 30er Jahre. 2030, bitteschön!

Es geht um eine total überwachte Stadt, um den Sohn einer reichen Familie und den aufgenommenen besten Freund. Lachlan Abercrombey hat’s mit Technik und Informatik, und ihm stinkt die Überwachung gewaltig. Er möchte eine der Drohnen, die die Bürger überwachen, vom Himmel pflücken. Dabei helfen soll ihm Zachary. Zack arbeitet als Türsteher und sieht seine Zukunft beim Sicherheitspersonal. Von Gesetzeswidrigem hält er gar nichts. Dann wird Lachlan entführt, und auf Zack wird nicht nur von einer Seite massig Druck ausgeübt, um Lachlan wiederzuholen.

Es geht um etwas Großes, so viel kann ich verraten.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Versucht, herauszufinden, ob Thekla Kraußeneck am 11. Juli Geburtstag hat
  2. Mit den 21. Oktober im Kalender markiert
  3. Überlegt, mal testweise Alufolie um meinen Router zu packen
Altes Buchcover zu Cronos Cube vom liesmich Verlag, Foto: Kia Kahawa
Cronos Cube vom liesmich Verlag, Foto: Kia Kahawa

Mein Eindruck zu Cronos Cube:

Cronos Cube* hat mich mitgenommen, aber nicht mitgerissen. Es hat mich interessiert, sich aber nicht in mein Hirn gebrannt, sodass ich es nicht weglegen konnte. Ich habe mal zehn, mal hundert Seiten am Stück gelesen, was sehr untypisch ist. Das liegt nicht an Cronos Cube oder dem Stil der Autorin, denke ich. Ich habe das Gefühl, ich brauchte aus persönlichen Gründen viel Zeit, um mit der Geschichte warm zu werden. Und kaum wurde ich warm mit ihr, kam etwas im echten Leben dazwischen, ich ließ das Buch eine Weile in Ruhe, und es kühlte ab. Insgesamt sollte man dieses Buch lesen, so lange es warm ist 😉

Stärken des Buchs:

Wo soll ich bei den Stärken nur anfangen? Ich finde alles ziemlich stark. Der Schreibstil von Thekla Kraußeneck liest sich nicht, als sei Cronos Cube ihr Debüt gewesen. Man merkt, dass am Vorurteil “Journalisten sind die besten Schriftsteller” schon etwas dran ist. Die Autorin hält ihren Stil ausdauernd aufrecht, das gesamte Buch wirkt “gestrafft”, wie ein “Ei”, also wie ein großes Ganzes, das vollständig in sich zusammengehört. Es wirkt, als habe die Autorin Cronos Cube in einem Atemzug geschrieben.

Die Charaktere haben mich erreicht, aber nicht überwältigt. Ich denke, das ist auch gut, wenn man eine so lange Strecke mit ihnen zurücklegen möchte. Man erfährt Wichtiges aus der Vergangenheit, wird aber nicht mit Hintergründen zugeballert. Beziehungen sind vorhanden, werden aber nie in den Vordergrund gerückt. Das sorgt dafür, dass man als Leserin seine eigenen Gedanken beim Lesen hat und sich wünscht, dass bestimmte Charaktere mehr miteinander zu tun haben – oder wenigstens auf der richtigen Seite stehen.

Ich habe mitgefiebert, ich habe gebangt, ich wollte selbst in den Cronos Cube abtauchen und habe mir Gedanken gemacht, wie die Welt um die Geschichte von Cronos Cube herum aussieht. Alle Andeutungen und Hints, die Thekla dem Leser über das Irland aus dem Jahr 2030 gibt, wirken schlüssig und, dystopisch gesehen, realistisch.

Zuletzt möchte ich das Ende nennen. Es ist, wie der gesamte Plot, weder vorhersehbar noch klischeemäßig. Zwar empfand ich es als etwas langgezogen, nachdem der Klimax abgeflacht war, aber ich habe es dennoch genossen. Da wir beim Buchensemble weitestgehend spoilerfrei rezensieren, kann ich nichts verraten. Aber damit wirst du nicht gerechnet haben!

Cronos Cube und die Signatur von Thekla Kraußeneck. Foto: Kia Kahawa

Schwächen des Buchs:

Gerade in rasanten Momenten, die Spannung aufbauen und die Handlung Schlag auf Schlag aufeinander abfolgen lassen sollen, schweift die Autorin zu sehr aus. Kapitel 21 hatte locker zehn Seiten, die eigentlich schnell, rasant und spannend sein sollten, aber in der Handlung, die ich Staccato und mit einem klaren Fokus erwartet habe, wird dann plötzlich noch die Umgebung beschrieben. Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um eine echte Schwäche handelt, die schriftstellerisch beurteilbar ist, oder einfach nur meine Ungeduld. Ich wollte, dass es endlich weitergeht, und war in der Stimmung, dass das Ding sich in einen Pageturner verwandelt, wie schon an massig Stellen davor. Aber das kam nicht, und teilweise empfand ich Cronos Cube an dieser Stelle als langweilig.

Diese langweiligen Stellen, die vermutlich eher alle anderen als langweilig empfinden würden, fand ich wiederum super. Also: Schnelle Handlung, viel Langeweile, langsame Handlung, wenig Langeweile. So ist meine Empfindung, aber ich muss auch daran hinweisen, dass ich auch in Split Second Langeweile empfunden habe, gerade als die Protagonisten verfolgt wurden, sie sich schnell irgendwohin bewegen mussten oder so. Ich bin vielleicht einfach nicht der Verfolgungsjagd-Typ. Ich bin eher der Verstecken-und-nicht-Atmen-Typ, was Spannung angeht.

Mimimi bei Cronos Cube vom LiesMich-Verlag

Etwas schade, aber nicht schwach fand ich, dass es in meiner Version von Cronos Cube zu wenig Illustationen gab. Sie waren mal da, mal nicht, da gab es kein Muster und auch wenn man sich auf eine Zeichnung gefreut hat, wurde das nicht befriedigt. Da würde ich doch eher sagen: Ganz oder gar nicht, was den Buchblock angeht.

In der Version des LiesMich-Verlags haben mich außerdem einige Kommafehler gestört und dass das hochwertige Paperback nichts für die hohe Seitenzahl war. Ich denke, ein lockeres Taschenbuch lässt sich leichter lesen, vor allem am Ende oder am Anfang. Aber das ist keinen Abzug in der Gesamtwertung wert, ich wollte es nur anmerken.

Eine Schwäche habe ich noch: Der Anfang! Er enthält so viele Namen und wirkt beim Lesen wie ein perfekter Einstieg, ein super Blick in das, was vorher im Hintergrund geschah. Aber er eignet sich nicht zum Vorlesen. Das ist die Schwäche, die ich an dieser Stelle vorbringen möchte. Zum Vorlesen bitte bei Kapitel 2 beginnen, oder vorher üben (?) 😉

Die Illustrationen in Cronos Cube: Ich will mehr! Foto: Kia Kahawa
Die Illustrationen in Cronos Cube: Ich will mehr! Foto: Kia Kahawa

Mein Fazit zu Cronos Cube:

Ich weiß, ich weiß, meine Schwächen-Auflistung ist wieder mal länger als die Stärken-Liste. Aber das ist ein gutes Zeichen: Ich muss mir zu “Cronos Cube* keine Stärken aus den Fingern saugen. Es ist ein starkes Buch, dessen zweiten Band ich am 21. Oktober ASAP besorgen und lesen werde. Ich will Teil 2, ich will Teil 3, ich will alles wissen, ich will mich in den Cronos Cube einloggen, auch wenn das gar keine so gute Idee will. Thekla, mach’ das Buch auf, ich hüpf rein und bleib drin, okay?

Absolute Leseempfehlung.

Du willst mehr unserer Rezensentin Kia lesen? Hier geht’s zu all ihren Rezensionen.

Cronos Cube

Thekla Kraußeneck

Science Fiction LitRPG Utopie
Softcover, 560 Seiten

erschienen bei Oetinger

24. Juni 2019

ISBN 978-3-841505880

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Kia über Kurzgeschichten

Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Beim Buchensemble gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.

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