Des einen Leid, des anderen Freud: Wo wir Bücher kaufen

Des einen Leid, des anderen Freud: Wo wir Bücher kaufen

Der Bücherkauf – ein leidiges Thema, besonders für mich. Denn in meiner Stadt ist der Buchhandel ausgestorben. Um ein Buch zu kaufen, kann ich entweder zu Morawa gehen, oder zu diesem sonderbaren esoterischen Buchladen, der ausschließlich Bücher über Gott und Reinkarnation verkauft. Will ich eine Alternative, muss ich wirklich in die Peripherie fahren, in eines der großen Shoppingcenter. Dort erwartet mich dann aber natürlich auch kein kleiner, romantischer Buchladen, sondern eine andere Kette, wie Thalia zum Beispiel. Die besten Buchläden haben alle in den letzten zwanzig Jahren zugemacht und uns Leseratten hilflos zurückgelassen. Gott sei dank scheint dieses Problem aber noch nicht in allen Orten Europas Überhand genommen zu haben. Zum Beispiel in Eisenach und bei Curly zuhause ist die Welt noch in Ordnung:

Magret sagt: „Ich  kaufe sehr gerne in einer kleinen Buchhandlung bei mir in der Stadt. Sie heißt LeseLust, falls mal jemand Eisenach besucht. Ich habe noch nie so schöne und ausgewählte Bücher in einem Laden gesehen. Da entdecke ich immer wieder wahre Kunstwerke. Manchmal gehe ich nur rein, um zu gucken. Der Besitzer erzählte mir, er biete nur Bücher an, die er selbst toll findet. Das merkt man und zeugt von einem unglaublichen Mut in der heutigen Geschäftswelt.“

Curly über Antagonisten

Curly: „[Ich kaufe meine Bücher] in der Buchhandlung am Rathausplatz meiner Kleinstadt, unterwegs in feinen Buchläden, im Zeitschriftenshop am Bahnhof und auch mal online. Es ist ganz unterschiedlich und kommt auf die Situation an.“

Die Modernisierung des Buchmarktes

Auch andere kleine Buchläden haben inzwischen Geschäftskonzepte aufgebaut, die den (modernen) Leser glücklich machen und zum Kauf im regionalen Buchmarkt einladen.

Kia über Kurzgeschichten

Kia sagt: „Ich kaufe die meisten meiner Bücher in einer unabhängigen Buchhandlung bei mir um die Ecke. Da bestelle ich die Titel über eine Chatting-App und hole sie dann dort ab.“

Das ist wichtig, denn nicht jeder ist überzeugt von den großen Buchketten. Ich zum Beispiel finde Thalia und Co zwar sehr praktisch, aber mit meinem perfekten Bild eines verwunschenen Buchladens, der alle Sinne anspricht, können die Großen natürlich nicht mithalten.  Außerdem ergeben sich mit den Ketten auch andere Probleme.

Magret sagt: „Ich kaufe sehr ungern Bücher, lieber leihe ich sie aus. Auf meinem E-Reader bin ich mit dem Thalia-Shop verbunden, was aber erzwungen ist. Denn ich kaufte das Gerät bei Thalia und die sind natürlich schlau und wollen, dass man dann auch bei ihnen kauft. Das wurde mir übrigens nicht gesagt!“

Ungeachtet der Monopolstellung brauchen wir die großen Buchläden natürlich, vor allem bei mir zuhause, wo es keine Alternativen mehr gibt. Und sooo schlimm ist es ja auch nicht, dort zu kaufen. Thalia zum Beispiel riesige Auswahl (auch an fremdsprachigen Büchern), gutes Service und lange Öffnungszeiten. Dean kauft beispielsweise am allerliebsten bei Thalia:

Dean Wilkens

Dean sagt: „[…] ich mag den Geruch des Ladens und die Farbe und das Design des Logos. Ab und an kaufe ich die Bücher auch im Internet (Amazon). Allerdings nur wenn ich vorher schon genau weiß, was ich will.“

Welche Alternativen uns bleiben

Aber nicht nur Amazon ist eine gute Alternative, vor allem, wenn es um Selfpublisher geht:

S. M Gruber über Frauenfiguren

Sophie sagt: „Hauptsächlich [kaufe ich meine Bücher] in der Buchhandlung, direkt bei den Autoren, auf Messen oder Büchermärkten. Ich schätze den persönlichen Kontakt zu anderen buchbegeisterten Menschen.“

Kia über Kurzgeschichten

Kia sagt: „Bücher von Selfpublishern kaufe ich am liebsten bei den Autorinnen selbst und lasse sie mir signieren und persönlich zuschicken. Derzeit teste ich Mojoreads aus, was eine schöne Alternative zu den beiden etwas aufwändigeren Methoden ist.“

Wiebke über Trilogien

Wiebke sagt: „Das ist unterschiedlich. Gerne gehe ich in Buchhandlungen, das endet meist in ungeplanten Spontankäufen. Meine Buchwünsche bestelle ich meist über Amazon. Und Selfpublisher-Werke kaufe ich am liebsten von den Autor*innen selbst.“

Das große A

Und ich? Ich kaufe ich meine Bücher überhaupt am liebsten gezielt auf Amazon.  Das große A hat einfach eine großartige Auswahl an Büchern. Es gibt kaum ein Buch, das man nicht bekommt – und dann auch noch in genau der Ausgabe, die man sich gewünscht hat. Dies gilt für deutschsprachige Bücher und auch für Bücher in anderen Sprachen, die ich sehr gerne kaufe und lese. Außerdem ist die Plattform auch für Bücher aus dem Selfpublishing großartig und ein Kauf bei Amazon statt beim Autor hebt immerhin den Verkaufsrang und sorgt für einen authentifizierten Kauf, wenn ich dann meine Rezension verfasse. Und signieren kann ich mir die Bücher später immer noch lassen…

Also ja, wenn ich Bücher kaufe, die meistens nicht in normalen Buchhandlungen einfach herumliegen und im Falle englischer Bücher dort auch um ein vielfaches teurer wären, bestelle ich meistens über Amazon. Dies bietet den Vorteil, dass die Bestellung mit Prime auch noch wesentlich schneller kommt, als wenn der Buchhändler es (ebenfalls über Amazon meistens) bestellt und ich dann extra noch hinlaufen muss, statt es einfach beim Heimkommen aus dem Briefkasten zu heben und mit in die Wohnung zu nehmen. Außerdem kann ich auch am Abend in Ruhe schmökern und rund um die Uhr einkaufen. Also ja, ich mag Amazon. Und dabei bin ich nicht die einzige, die sich der Versuchung hingibt.

Dean Wilkens

Dean sagt: „Ich finde es praktisch.“

Wiebke über Trilogien

Wiebke sagt: „[Ich halte] nicht viel [davon], allerdings muss ich gestehen, dass ich mich viel zu gerne beliefern lasse.“

Die Gegenstimmen zu Amazon

Dennoch ist Kritik auf jeden Fall angebracht.

Curly über Antagonisten

Curly sagt: „Es ist „leider“ so praktisch wie auch kritisch. Der Versand ist schnell und deswegen kaufe ich dort hin und wieder ein.

Kia über Kurzgeschichten

Kia sagt: „Amazon macht den Buchmarkt kaputt.“

S. M Gruber über Frauenfiguren

Sophie sagt: „[Davon halte ich] nichts, um ehrlich zu sein. Ich muss mich regelmäßig ärgern mit falschen Genre-Zuordnungen, total bescheuerter Rezensionspolitik und überhaupt der überproportionalen Machtposition dieser Plattform.“

Magret sagt: „Amazon hat in der Buchwelt (nicht nur dort) eine Stellung, die einem Monopol gleicht. Solch ein Ungleichgewicht ist immer ungesund für einen Markt. Sie stellen sich wie alle riesigen Firmen nicht doof an und ich will da auch niemanden verteufeln. Jeder will sein Abendbrot verdienen. Jedoch versuche ich, Amazon so wenig wie möglich zu unterstützen und auf andere Bestellmöglichkeiten auszuweichen.“

Fazit: Wo wir Bücher kaufen

Das Fehlen des Buchkauf-Erlebnisses, der Untergang des Buchmarktes, überschießende Machtpolitik, die das Gleichgewicht nachhaltig zerstört, sprechen alle für den Kauf beim regionalen Buchhändler oder auch beim Großbuchhandel bzw. beim Autor selbst. Und natürlich das einzigartige Erlebnis!

Curly über Antagonisten

Curly sagt: Ich würde Amazon nicht der wunderschönen Lünebuchhandlung am Lüneburger Marktplatz vorziehen. Der Bücher-Spaziergang über drei Etagen ist doch ein anderes Erleben als der Scroll über Buch-Amazon-Listen. Selbst, wenn ich genau weiß, welches Buch in den Einkaufswagen wandert.“

Das alles eintauschen… und wofür? Für ein bisschen Bequemlichkeit, große Auswahl und die Möglichkeit, Selfpublisherbücher zu kaufen. Und nicht Mal das ist so schön, wie alle es gerne sehen würden.

Magret sagt: „Besonders schädlich finde ich Amazon für die SP-Szene, weil die Autor*innen, die dort veröffentlichen, natürlich nirgendwo sonst zu finden sind. Für mich fühlte sich mein Debüt übrigens erst wie ein „richtiges“ Buch an, als ich von dort zu TwentySix gewechselt habe. Vorher war es nur ein Amazon-Buch. Irgendwie nichts Ganzes und nichts Halbes.“

Auch wenn ich das Selfpublisher-Problem so nicht sehe, so bin ich – ungeachtet meiner vorherigen Lobeshymne – auch nicht restlos überzeugt von Amazon. Warum mich allerdings all diese Kritikpunkte, die unser Rezensententeam gegen Amazon ausbringt, sehr wohl vom Buchkauf abhalten, wenn es um Morawa/Thalia und Co geht, aber nicht, wenn es um den Online-Kauf geht, weiß ich nicht.

Vermutlich ist es – und damit schließe ich den Kreis zum Anfang – der Situation in meiner Heimatstadt geschuldet. Denn dort sind die kleinen Buchläden bereits eingegangen, bevor Amazon allen ein Begriff geworden ist und sich zum Meister des Buchhandels aufgeschwungen hat. Ob es allerdings schlauer ist, die restlichen Läden deshalb zu bekriegen und stattdessen bei Amazon zu kaufen…? Ich glaube nicht. Vielleicht sollte ich meine Rache-Methode also  noch einmal überdenken und in Zukunft doch wieder bei Morawa kaufen. Oder vielleicht gehe ich auch einmal in den kleinen Esoterikbuchladen und informiere mich ein bisschen über Gott – kann ja eigentlich auch nicht schaden, oder?

Wie ist das bei dir? Wo kaufst du deine Bücher? Und wie stehst du zu Großbuchhandlungen und Amazon? Lass uns in den Kommentaren wissen, ob du auch einen Kampf zu führen hast – oder einfach nur Bücher kaufst!

M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

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