In Schlangenlinien ums Thema rum – Willenskraft

In Schlangenlinien ums Thema rum – Willenskraft

“Willenskraft”von Christian Bischoff ist ein Ratgeber zum Thema Erfolg, Willenskraft, persönliche Entwicklung und Zielsetzung. Es geht darum, sich selbst für die Erfolge vorzubereiten, die richtigen Strategien anzuwenden und schließlich mit maximaler Willenskraft die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. In dieser Rezension verrät Kia Kahawa, was sie von dem Buch hält und welche Tipps sie mit in ihren Alltag nimmt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich habe mich auf den Heimweg gemacht (War im Park)
  2. Habe lang und warm geduscht
  3. Über Willenskraft nachgedacht

Mein Eindruck zu Willenskraft von Christian Bischoff:

Willenskraft ist ein Muskel, den man trainieren kann. Das weiß ich nicht aus dem gleichnamigen Buch von Christian Bischoff, sondern durch zahlreiche andere Ratgeber und Sachbücher zur persönlichen Entwicklung, die ich bisher gelesen habe. Irgendwie habe ich beim Lesen von “Willenskraft” die ganze Zeit darauf gelauert, diese Information zu bekommen (die ich vorher ja schon hatte!) und mehr darüber zu erfahren, wie das ist, mit der Willenskraft, die wie ein Speicher ist, den man leeren und wieder auffüllen kann. Von der Sache mit der Entscheidungsmüdigkeit und Steve Jobs schwarzen Rollkragenpullovern und Mark Zuckerbergs Uniform – doch all das kam in diesem Buch nicht vor.

In “Willenskraft” von Christian Bischoff kommen vielmehr persönliche Erfahrungen vor, ein paar Namen, die ich noch nie gehört habe, die für Sportler*innen sicher aber eindrucksvoll sind, ein bisschen Grundwissen hier, ein bisschen was da – aber lest weiter, in den Stärken gehe ich auf Inhalte ein. In den Schwächen … nun, auf alles andere.

Stärken des Buchs:

Grundsätzlich sit “Willenskraft” von Christian Bischoff motivierend. Das kann ich sagen. Es geht um den Unterschied von Volition und Motivation, um Ziele und wie man sie sich setzt, visualisiert und fest an sich glaubt. Das Ganze ist angenehm zu lesen, aber nicht super gehaltvoll. Es geht darum, dass Talent überschätzt wird, dass die meisten Menschen im “Gesellschaftsspiel” spielen und ins “Bewusstseinsspiel” übergehen sollten.

Das Gesellschaftsspiel meint diese Laufbahn von Kindergarten bis Rentenalter. Schule, Studium, dem System gerecht werden, Kredit aufnehmen, Haus bauen, mindestens einen Sohn (keine Tochter! Warum eigentlich nicht?) zeugen und fremdbestimmt irgendwie funktionieren. Das ist ein wichtiges Thema und abgesehen davon, dass Christian Bischoff an einigen Sellen einen ziemlich feindlichen Ton anschlägt und Menschen, die diesem System verfallen sind, zum Teil auch als “dumm” bezeichnet, ist das eine gute Thematik. Aber allgemein empfinde ich Christian Bischoff als ziemlich feindlich denjenigen gegenüber eingestellt, die nicht so denken und sind wie er. So ist, wenn er eine übergewichtige Person in einer seiner Geschichten erwähnt, das natürlich sofort eine faule Person, die ihr Leben nicht im Griff hat, viel isst, faul ist, Fast Food liebt – kurzum: Christian Bischoff ist ein Klischee-Sporttrainer, der Body Shaming feiert.

Aber insgesamt empfand ich die Themen als relevant und das Buch definitiv als lesbar. Es geht um Selbstbestimmung, um den Fokus auf die eigenen Ziele, um den Sinn im eigenen Tun und zuletzt auch kurz ums Thema Willenskraft. “Kurz”? Ja. Lasst uns über die Schwächen reden.

Schwächen des Buchs:

“Willenskraft” von Christian Bischoff ist eigentlich ein Ratgeber, aber er gibt keinen einzigen Rat. Man kann das in einem positiven Kontext sehen und etwas sagen vonwegen “hier ist kein erhobener Zeigefinger und kein ‘tu dies, tu das'”, aber in diesem Ratgeber gibt es wirklich keinen einzigen Rat. Keine Technik wird dir beim Lesen beigebracht, nichts gibt es, was dir eine Art Anleitung für dein eigenes Leben gibt. Stattdessen erzählt Christian Bischoff sehr gerne und sehr oft und sehr ausführlich darüber, wie er hier und da irgendeinen namhaften Basketball-Trainer, Nationalspieler getroffen hat, von wem er gelernt hat und dass er hier und da 100, 200 oder 250 Kilometer läuft. Das ist sehr schön für den Autor, wirkt aber beim Lesen wie ein wenig zu viel Selbstbeweihräucherung.

Und das Thema “Willenskraft” kommt kaum vor. Es geht, wie eingangs erwähnt, nicht um den “Muskel” der Willenskraft. Es geht nicht um Entscheidungen, um Ermüdungen, darum, woher mangelnde Willenskraft kommt. Der Autor sagt nur, dass du im Gesellschaftsspiel steckst, angestellt bist, fremdgesteuert bist und deswegen keine Willenskraft hast. Ich bin nicht angestellt, ich gestalte alles selbst. Ich dachte, ich lerne etwas über, nun ja, Willenskraft, aber für Menschen wie mich, die Bücher wie diese bevorzugt lesen, ist das Buch wohl nicht gemacht.

Mein Fazit zu Willenskraft von Christian Bischoff:

Vermutlich bin ich ziemlich streng mit dem Buch “Willenskraft” von Christian Bischoff. Aber ich habe in den letzten Wochen so viele Ratgeber gelesen und gehört und mich so sehr mit meiner persönlichen Entwicklung und der Optimierung meines Arbeits- und Alltagslebens beschäftigt, dass dieses Buch aus dem Hause Econ (Eine Marke der Ullstein Buchverlage) einfach nur im Vergleich zu den schlechteren gehört. Wenn du dich erstmals mit einem solchen Thema befasst und dazu auch noch eine persönliche Leidenschaft für Basketball-Anekdoten hast, kannst du sicher eine Menge von diesem Buch mitnehmen!

Du willst mehr von Kia lesen? Hier gelangst du zu ihren Rezensionen.

Willenskraft

Christian Bischoff

Ratgeber
Hardcover, 224 Seiten

erschienen bei Econ

13. Oktober 2010

ISBN 978-3-430201025


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