Skurrile Traumwelten – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Skurrile Traumwelten – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Was denkt sich Walter Moers, wenn er die Bilder des Malers Gustave Doré betrachtet? Offensichtlich eine ganze Menge! Auf 217 Seiten erfindet Moers die Geschichte des zwölfjährigen Künstlers, der in der Nacht in ein Phantasiereich gerät und sich dort jeder Menge skurrilen Abenteuern stellen muss. Eine Jungfrau retten? Den Wald der Gespenster durchqueren? Das schlimmste alles Monster besiegen? Kinderbuch und Erwachsenenbuch, dieses Buch ist alles in einem und irgendwie doch keins davon.

 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Gustave Doré googeln.
  2. Feststellen, dass ich dieses Buch, das ich eigentlich aus Versehen angefangen hatte, an einem Tag ausgelesen habe.
  3. Mir eingestehen, dass Walter Moers doch eigentlich ganz lustig ist (eine Tatsache, gegen die ich mich bisher aus unerfindlichen Gründen eher gewehrt hatte).

Mein Eindruck zu Wilde Reise durch die Nacht:

Ich weiß nicht, wie lange “Wilde Reise durch die Nacht” schon in meinem Regal gestanden hat. Weil ich ein dünnes Büchlein für Zwischendruch brauchte, da meine eigentliche Lektüre irgendwo verschwunden war, dachte ich mir, ich gebe ihm einmal eine Chance … und habe es nicht bereut. Eine kurzweilige Lektüre, sogar ein paar Lacher meinerseits (was, wie ich nur immer wieder betonen kann, bei mir wirklich selten ist) und schöne Bilder dazu, um die die Handlung aufgebaut wurde. Eine solide Zwischendurchlektüre eben – und mein erster Moers!

Stärken des Buchs:

Was ich an dem Buch sehr geschätzt habe, war der Einfallsreichtum, für den Walter Moers (offensichtlich zurecht) immer wieder gelobt wird. Mit wenigen Worten schilder der Autor ein einprägsames Abenteuer, das durch viele lustig-skurrile Schauplätze führt und durch die Illustrationen Gustave Dorés lange im Gedächtnis bleibt. Der Leser begegnet vielen aberwitzigen Figuren wie dem Tod, seiner senilen Schwester Dementia, dem schrecklichsten aller Monster und einem mürrischen, sprechenden Pferd, das den Protagonisten in seiner Traumwelt begleitet. Während der Lektüre wird mit wirklich lustigen Sprüchen bei Laune gehalten und kann sich einfach zurücklehnen, während die angenehme Sprache des Autors Bild um Bild heraufbeschwört. Dabei bleibt der Stil so fesselnd, dass man das kleine Werk – schwupps! – sofort ausgelesen hat.

Schwächen des Buchs:

Was man vielleicht als Schwäche des Buches bezeichnen kann ist, dass man tatsächlich nicht viel dazu sagen kann. Es ist kein weltbewegender Roman, keine unglaubliche Denkaufgabe, keine emotionale Achterbahn. Es ist einfach ein unterhaltsames Märchen, das man zwischendurch mal schnell lesen kann.

Wilde Reise durch die Nacht, Foto: M. D. Grand

Mein Fazit:

Als lustige und auch intelligent-anspruchsvolle Zwischendurchlektüre erfüllt “Wilde Reise durch die Nacht” also eigentlich genau seinen Zweck. Trotzdem hat mir irgendwie das “Mehr” gefehlt, das ein Buch zum faszinierenden Meisterwerk macht. Deshalb gibt es einen halben Punkt Abzug, ich verbleibe daher mit 4,5 Sternen und einer ausnahmsweise außerordentlich kurzen Rezension!

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Wilde Reise durch die Nacht

Walter Moers

Fantasy Märchen[/ms_label]
Softcover, 217 Seiten
erschienen bei Goldmann
01. Oktober 2003
ISBN 978-3442452910

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M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

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