Zwischen Aaww und Augenrollen – What If It’s Us [Rezension]

Zwischen Aaww und Augenrollen – What If It’s Us [Rezension]

Arthur ist für ein Praktikum in New York und vermisst seine beiden Freunde, die sich seit seinem Outing, dass er schwul ist, komisch verhalten. Er trifft auf einen attraktiven, witzigen Typen an der Post, doch er bevor er nach dem Namen oder Nummer fragen kann, ist dieser verschwunden. Er nennt ihn „Post-Office-Boy“ und sucht auf verschiedenen Wegen nach ihm. Ben, wie der andere wirklich heißt, sucht ebenfalls nach ihm und oft verpassen sie sich nur knapp.

Dieses Buch liegt uns auf Englisch vor.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. „Endlich!“ gerufen
  2. An die Rezension gedacht, in der es hieß, das ganze Buch sei toll, aber das Ende blöd
  3. Zum Wiederholsten Mal gedacht: Irgendwo muss es doch ein gutes Romance-Buch geben!

Mein Eindruck zu What If It’s Us:

Direkt zu Beginn muss ich erwähnen, dass es dieses Buch (noch) nicht auf Deutsch gibt. Die Originalsprache ist Spanisch. Gerade wer sich nicht so sicher mit Englisch ist, kann mit diesem Buch aber gut einsteigen, da die Sprache locker und leicht ist.

Ich habe das Buch wegen des Titels gewählt. Der hat einfach was, finde ich. Auch das Cover ist angenehm im schlichten Comicstil, der anscheinend bei Gay-Romance dieses Verlags typisch ist. Leider konnte das Buch dann nicht überzeugen.

Stärken des Buchs:

Der Anfang ist der Hammer. Arthur hatte noch nie einen Freund und ist unheimlich verknallt. Ich mag die übertriebene Handlung, alles zu geben, um den Fremden zu finden. Das und die Tatsache, dass sie sich so oft verfehlen und dann doch finden, kann nur funktionieren, weil sie sich zu Beginn vor der Post über das Universum unterhalten, das einen Plan für sie hat. Und genau darum geht es: Gibt es das Schicksal? Sind sie füreinander bestimmt? Dabei wird das Buch zu keinem Moment kitschig. Das erste Drittel des Buches hörte ich fast am Stück, weil es mich so reinzog. Es war ein wunderbares Kribbelgefühl.

Die Homosexualität wurde gut dargestellt. Ich als Hetero-Frau hatte das Gefühl, dass es realistisch war. Die Sexualität und das damit vorhandene Anderssein war präsent und wurde thematisiert, wurde aber nicht für überspitztes Drama benutzt oder nur negativ dargestellt. Arthur und Ben sind echte Menschen, die nicht nur in die Schwulenschublade gesteckt werden. Sie hatten jeweils ganz viele verschiedene Schubladen.

Hörbuch "What if it's us", Foto: Magret Kindermann
Hörbuch “What if it’s us”, Foto: Magret Kindermann

Schwächen des Buchs:

Ab dem ersten Date, das etwa nach einem Drittel des Buches kommt, wird es leidlich. Jedes zweite Gespräch der beiden lautet so:

  • Oh Mann, es tut mir voll leid.
  • Nein, mir tut’s leid.
  • Nein, mir!
  • Nein, echt, mir tut es leid.

Arthur stellt sich an wie ein absoluter Trottel und ist erst total eifersüchtig, nach der üblichen Entschuldigungsüberschüttung hat er aber nie wieder ein Problem damit. Als sei Eifersucht nicht auf der emotionalen Ebene. Dadurch wirkt es wie eingepflanzt für ein bisschen Mimimimi, um dann nach einer Kurve der Ich-liebe-dich-ja-so-sehrs wieder zu einem neuen Mimimimi zu finden. Hätte ich das Buch lesen müssen, hätte ich es abgebrochen. Aber da es ein Hörbuch war und das weniger anstrengend ist (man kann auch mal abschweifen, es ist ja egal, zu welchem Mimimimi man zurückkommt), habe ich es durchgehalten.

Mein Fazit zu What If It’s Us:

Das Ende ist dann nämlich überhaupt nicht blöd. Sondern süß, nicht übertrieben und damit realistisch. Die beiden gehen noch zur Schule und dass dieses Buch deswegen nicht in einer Hochzeit endet, sollte klar sein. Rückblickend mag ich das Buch, weil ich den ätzenden Teil in der Mitte einfach ausblende. Wem ich es empfehlen würde? Ach. Vielleicht jemanden, den ständige Streitereien wegen heißer Luft nicht nerven.

What It It’s Us

Becky Albertalli & Adam Silvera

Liebesroman LGTBQ+
Softcover, 448 Seiten

erschienen bei HarperTeen

09. Oktober 2018

ISBN 978-0-062868671


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Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

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