The Read Pack

The Read Pack

Die Buchbloggerin Alexandra veröffentlicht auf ihrem Buchblog “The Read Pack” Rezensionen über Gegenwartsliteratur. In dieser Blogvorstellung erfährst du mehr über Alexandras Arbeit, und wir durften ihr ein paar Fragen stellen.

Alexandra ist 32, lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Frankfurt am Main. Seit 2013 betreibt sie den Blog The Read Pack, auf dem sie ein breites Spektrum der Gegenwartsliteratur bespricht. Vom Familienroman bis zum Krimi wird beinahe alles im Rattenbau vorgestellt. Literatur ist einfach ihre große Leidenschaft. Auf ihrem Blog und Instagram-Kanal schreibt sie außerdem über alltägliche #Behindernisse und analysiert Bücher auf die klischeehafte und diskriminierende Darstellung von Menschen mit Behinderungen. Sie setzt sich für mehr Diversität im Alltag und der Literatur ein.

 

Warum betreibst du deinen Buchblog?

Ich habe schon immer gern und viel gelesen, in die Sache mit dem Blog bin ich dann aber zufällig reingerutscht. Während meines Studiums hatte ich absolut keine Zeit fürs Lesen und es unsäglich vermisst. Nachdem ich dann so richtig im Job angekommen war, hatte ich wieder Zeit mich mit Literatur zu beschäftigen und war begeistert, was da online entstanden ist. Ich habe sehr gern Blogs gelesen, denn diese Form des Austauschs über Literatur kannte ich so noch nicht. Zunächst habe ich aber noch gezweifelt, ob ich so etwas wohl auch könnte.

Dann kam ganz viel zusammen: Ich hatte mal wieder ein Buch gelesen, über das ich unbedingt sprechen und das ich allen empfehlen wollte (das war „Shotgun Lovesongs“ von Nickolas Butler) und gerade eine Freundin kennengelernt, die auch eine echte Leseratte ist. Mehr als Schnapsidee beim Mittagessen beschlossen wir, einen Literaturblog zu gründen … und haben ohne Plan und Konzept einfach losgelegt. Mittlerweile musste meine Freundin krankheitsbedingt mit dem Bloggen aufhören, aber das Read Pack gibt’s weiterhin. Ich kann nicht mehr ohne meine digitale Spielwiese und die spannenden Gespräche über Bücher. Der Blog ist meine Möglichkeit, mich kreativ auszutoben, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen und, okay, auch ein bisschen, um mein Mitteilungsbedürfnis zu befriedigen.

Seit einiger Zeit nutze ich meine Stimme und Reichweite zudem, um über die Repräsentation von Menschen mit Behinderungen in der Literatur zu sprechen. Ich habe mich jahrelang nicht getraut etwas dazu zu sagen, weil ich nicht in „diese“ Schublade gesteckt werden wollte. Aber nun freut es mich unheimlich, dass ich die Möglichkeit habe, Bewusstsein für ein Thema zu schaffen, das mir am Herzen liegt.

Was magst du an Büchern?

Bücher sind für mich wie Nahrung, ich kann nicht ohne. Meine Mama hat mir schon als ich ein Kind immer Bücher gekauft. Auch wenn das Geld gerade knapp war, gehörte das einfach zu unserem Alltag. Auf Urlaub, schick Essen gehen und teure Klamotten kann man verzichten, auf Bücher nicht. Wir haben die winzige Bibliothek unserer  Kleinstadt nahezu durchgelesen und stapelweise Bücher mit Freund*innen getauscht. Ich kenne es nicht, dass man Bücher nur zum Geburtstag oder Weihnachten geschenkt bekommt (dann natürlich auch, klar), sondern sie waren immer Teil meines Lebens.

In Büchern kann ich mich verstecken, wenn die Welt zu anstrengend und laut ist, sie haben mich in allen schwierigen und schönen Phasen meines Lebens begleitet, aus Büchern kann ich lernen und finde Projektionsflächen. Was kann man daran nicht lieben?

Welche sind deine liebsten Genres und warum?

Das ist bei mir leider gar nicht so leicht zu beantworten. Ich lese querbeet je nach Stimmung so ziemlich alles. Okay, außer Fantasy, da komm ich irgendwie nicht mehr ran. Aber ich kann wohl sagen, dass Bücher für mich eine gewisse Tiefe, ungewöhnliche Ideen und besondere Protagonisten haben müssen, um mich zu begeistern.

Ganz besonders mag ich Geschichten, die auf wahren Begebenheiten basieren oder diese zumindest zum Thema haben. Außerdem begeistern mich Romane, die mir authentisch fremde Länder und Kulturen näherbringen oder mich mit bestimmten moralischen Fragen zum Nachdenken bewegen. Ich lerne unheimlich gern etwas Neues und mag es, wenn ich noch tage- und wochenlang an einem Buch gedanklich „herumkauen“ kann.

Zuletzt ist mir das übrigens zum Beispiel bei „Die Optimisten“ von Rebecca Makkai passiert, in dem die Aids-Welle in den 1980ern in Chicago beschrieben wird. Eine Thematik, über die ich vorher so noch nichts gehört hatte und die mich wahnsinnig beschäftigt hat. Oder auch „Das zweitbeste Leben“ von Tayari Jones, in dem Rassismus, Colorismus und die alltäglichen Kämpfe zweier Women of Color thematisiert werden.

Wie wichtig sind Buchblogger*innen deiner Meinung nach für die Buchbranche?

Ich blogge jetzt seit 2013 und finde es spannend, welcher Wandel sich schon in diesem Zeitraum vollzogen hat. Wir Blogger*innen werden mittlerweile einerseits als wichtige Partner und andererseits (leider) Werbeplattform gesehen. Selbst Verlage, die zu Beginn sehr kritisch waren, schicken nun eigene Newsletter nur für Blogger*innen, es gibt Bloggertreffen und Events auf den Messen.

Ich persönlich glaube, wir Blogger*innen ergänzen in der Buchbranche online die Empfehlungen von Buchhandel und Feuilleton perfekt. Wir können die Lücke schließen, zu Leser*innen, die diese anderen Medien nicht erreichen.
Blogger*innen haben außerdem die Freiheit ganz spezielle Themen zu behandeln und sind daher einfach Fundgruben für Menschen, deren Interessen sonst vielleicht nur wenig besprochen werden.

Irgendwo habe ich mal den Begriff der Demokratisierung der Literatur durch Buchblogs gehört und fand das eine sehr schöne Deutung. Als Bloggende können zum Beispiel auch marginalisierte Menschen, deren Stimmen sonst nur selten gehört werden, Leser*innen erreichen und zu einem differenzierten Meinungsbild beitragen.

Was sind deine Top 10 Bücher aller Zeiten?

Die Reihenfolge stellt kein Ranking untereinander dar. Überhaupt Lieblingsbücher zu nennen ist schon ein absoluter Alptraum für mich. Ich vergesse nämlich garantiert 100 Titel, die ich dann doch auch am liebsten genannt hätte.

  1. „Der Dunkle Turm: Drei“ (Band 2 der Dunklen Turm Reihe) von Stephen King, Heyne Verlag – das Buch steht hier stellvertretend für die gesamte Reihe, war aber einfach mein Lieblingsband.
  2. „Eine exklusive Liebe“ von Johanna Adorján, btb Verlag – eine traurig dramatische Liebesgeschichte, von einem Paar dass sich fast schon zu sehr liebt
  3. „Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten“ von Nicholas Shakespeare, Hoffmann und Campe – eine wunderbar authentische, romanhaft erzählte Biografie
  4. „Oryx und Crake“ von Margaret Atwood, Berlin Verlag – auch dieses Buch steht stellvertretend für die Trilogie, die einfach so absurd und realistisch gleichzeitig ist, dass es mich immer noch schüttelt wenn ich darüber nachdenke
  5. „Vincent“ von Joey Goebel, Diogenes Verlag – ein Buch, das ich gar nicht oft genug empfehlen kann, es geht Kunst und das Klischee vom gequälten Künstler, es ist voll Popkultur und bösem Humor.
  6. „Blumen für Algernon“ von Daniel Keyes, Klett-Cotta Verlag – das Buch ist ein Klassiker der SciFi-Literatur (keine Angst, ganz ohne Roboter und Raumschiffe) in dem sich Form und Inhalt perfekt verbinden. Und so bewegend!
  7. „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl, S. Fischer Verlag – ein spannender Roman (fast ein Krimi) über ein großes Mysterium, der so authentisch wirkt, dass ich mehrmals recherchieren musste, ob es vielleicht doch eine wahre Geschichte ist.
  8. „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng, dtv Verlag – eine mitreißende, düstere Geschichte einer unglaublich guten Erzählerin
  9. Ganz neu „Writers & Lovers“ von Lily King, C.H. Beck – ein Buch über schreibende Frauen und das Verfolgen der eigenen Träume, genau mein Buch!
  10. „1Q84“ von Haruki Murakami, btb Verlag – zwei Monde, eine Heldin, eine leicht verschobene Welt, damit begann meine Murakami-Liebe und es fesselt mich nach wie vor am meisten (Band 1 ist perfekt, Band 2 muss man nicht lesen).

Was wünscht du dir für die Zukunft im Umgang zwischen Verlagen und Bloggenden?

Vor Kurzem gab es einen schönen Artikel von Isabella Caldart über den Wunsch von uns Blogger*innen nach mehr Interaktion und Feedback von den Verlagen. Damit hat sie einen Nerv getroffen und ein Problem beschrieben, das auch ich zum Teil so kenne.

Allerdings gibt es da große Unterschiede! Es gibt Verlage, da werden gut geschriebene (nicht zu verwechseln mit positive!) Rezensionen wertgeschätzt, besonders schöne Instagram-Fotos mit Begeisterung aufgenommen und auch kritische Fragen beantwortet. Ich habe einige Lieblingsverlage, da ist der Umgang mit uns Blogger*innen schon sehr professionell und auf Augenhöhe. Ich muss nicht erwähnen, dass die Zusammenarbeit da viel mehr Spaß macht?!

Bei manchen Verlagen bekommt man allerdings auf Anfragen keine Reaktion, es werden vielleicht sogar wortlos Rezensionsexemplare versendet, aber weiter findet keine Kommunikation statt. Das finde ich wirklich schade und würde mir wünschen, dass man besser zusammenarbeitet. Ich brauche auch wirklich keine Goodies und großen Events, aber eine direkte Kommunikation ist mir wahnsinnig viel wert.

Welche Erfahrung hast du mit Büchern von Selfpublisher*innen gemacht?

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich nur sehr wenige Bücher von Selfpublisher*innen lese. Nicht weil ich glaube, dass die nicht so gut sind, wie Bücher von Verlagsautor*innen, sondern weil ich in der Vielfalt einfach noch keine Übersicht habe.

In den Fällen, in denen ich Bücher von Selfpublisher*innen gelesen habe, sind oft spannende Gespräche und richtig tolle Kontakte entstanden. Also ein wesentlich direkterer Kontakt als beim Verlag in der Regel möglich.

Aber es gibt eben auch die „Schattenseite“, ich habe dazu vor längerem schon mal diesen Beitrag verfasst. Viel zu oft erreichen mich nämlich leider Mails von Selfpublisher*innen, die allein dadurch dass sie so unpersönlich und unpassend formuliert sind, dazu führen, dass man dem Buch keine große Chance geben mag.

Was wünscht du dir für die Zukunft im Umgang zwischen Selfpublisher*innen und Bloggenden?

Da wären einerseits die Dinge, die ich in meinem Blogartikel schon erwähnte und sich mit „Höflichkeit und passende Kommunikation“ zusammenfassen lassen. Ich wünsche mir keine Gießkannen-Massenmails sondern echte Vernetzung. Für mich wäre es aber andererseits auch ein echter Gewinn, wenn ich eine Stelle hätte, an der ich Informationen über anstehende Erscheinungen von Selfpublisher*innen finden kann. Vielleicht gibt es das schon und ich weiß es nur nicht? Im Moment bin ich sehr darauf angewiesen, dass die Autor*innen auf mich aufmerksam werden, ich würde aber auch gern auf interessante Projekte und Themen stoßen können und sie von mir aus ansprechen bzw. unterstützen können.

Wo siehst du deinen Buchblog in fünf Jahren?

Das kann ich gar nicht genau sagen, aber ich hoffe, dass ich dann einfach wieder neue Themen, Plattformen und Projekte gefunden habe, um mich auszuprobieren. Der Blog (und die dazugehörenden Social Media Kanäle) sind meine Spielwiese. Da möchte ich immer neue Dinge lernen, an mir und meinen Fähigkeiten arbeiten und vielleicht auch ein bisschen was bewegen.

Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass ich dann noch mit Leser*innen, Autor*innen und Blogger*innen in Kontakt bin und mich über eine der schönsten Dinge der Welt austauschen darf: die Literatur!

 

Wenn du mehr  über Alexandra und ihren Rattenbau lesen möchtest, besuche den Buchblog und hinterlasse liebe Grüße vom Buchensemble!

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