Schicksal oder selber Schuld? – Die Unsterblichen [Rezension]

Schicksal oder selber Schuld? – Die Unsterblichen [Rezension]

Eine Wahrsagerin prophezeit vier Geschwistern im New York der 60er Jahre, an welchem Tag sie sterben werden. Angeblich glaubt keiner von ihnen an diesen Unsinn, aber dennoch fließt das Wissen von diesem Tag an in jede ihre Entscheidungen mit ein. Als sie ihrem Datum einer nach dem anderen näher kommen, stellt sich die große Frage: wird die alte Frau mit ihren Behauptungen Recht behalten?

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M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Kämpfen und nicht kämpfen mit dem Krebs – Als ich dem Tod in die Eier trat [Rezension]

Kämpfen und nicht kämpfen mit dem Krebs – Als ich dem Tod in die Eier trat [Rezension]

Alexander Greiner ist kerngesund. Glaubt er. Bis ihn aus heiterem Himmel die Diagnose Hodenkrebs erwischt. Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war. Doch Greiner geht die Krankheit an, wie er alles angeht: systematisch, zupackend, Sterben ist keine Option. Nach der Operation schaltet er keinen Gang herunter, plant seine Selbstständigkeit, treibt exzessiv Sport. Bis sich Schmerzen einstellen – und es zwei Jahre nach der Erstdiagnose heißt: Tumor im rechten Oberarmknochen. Ihm ist klar, dass er nicht mehr so weitermachen kann, wie bisher. Mit entwaffnender Ehrlichkeit beschreibt Alexander Greiner, was es heißt, eine lebensbedrohliche Krankheit anzunehmen und sich komplett neu auszurichten. Er berichtet, wie unterschiedlich Familie und Freunde reagieren;er klopft sein Leben auf Leerstellen ab und probiert alles aus, was im Verdacht steht, ihm zu helfen – sei es Energetik, Meditation oder TCM. Greiner nimmt die Leser mit auf die Odyssee durch Krankenhäuser und schildert die emotionale Achterbahn zwischen Hoffen, Warten und Gewissheit, ohne jemals den Optimismus zu verlieren. 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Traditionelle Chinesische Medizin recherchiert
  2. Versucht, nachzuvollziehen, wie oft ich mich an eine bestimmte Kindheitserinnerung zurückerinnert habe, und festgestellt, dass es verdammt wenige Male waren
  3. Meditiert

Mein Eindruck zu “Als ich dem Tod in die Eier trat”:

Der Titel ist bewusst provokant. „Als ich dem Tod in die Eier trat“ pflanzt Bilder eines kickboxenden Autors in die Köpfe der Lesenden. Er drückt Stärke und Witz aus, aber auch Aggression. Mit letzterem scheint der Autor allerdings seine Probleme mit zu haben. 

Stärken des Buchs:

Beeindruckend ist direkt zu Beginn die absolute Ehrlichkeit. Bevor der Hodenkrebs des Autors entdeckt wird, hat er richtig dicke Eier und das lässt ihn richtig gut fühlen. Nach der Operation hat er aber nur noch ein Ei und das findet er im ersten Augenblick unmännlich. Diese Sichtweise kann ich mir selbst als Frau gut vorstellen und direkt kann ich mich mit dem Autor identifizieren. Denn fühle ich mich nicht extrem weiblich durch meine extra-großen Brüste seit der Schwangerschaft? Die Milchproduktion ist zum Glück kein Krebs, deswegen darf ich meinen sexy Höhenflug noch etwas genießen. Alexander Greiner nicht, sein Krebs kommt zurück. Mit der Metastase in der Schulter kommt die wahre Auseinandersetzung mit der Krankheit. Und er taucht tiefer in die Welt ein, wie wahrscheinlich kaum ein zweiter Erkrankter zuvor.

Denn er ist wissbegierig. Wissen heißt Kontrolle, was Sicherheit bedeutet. Wenn es so etwas überhaupt gibt. Er holt sich nicht nur eine Zweitmeinung, sondern auch eine dritte und vierte und fünfte. Er spricht mit Alternativmedizinern und Freunden, mit zig Onkologen, mit Beratern und Experten. Während ich mich zur Vorbereitung auf die Chemo wohl nur den Kopf rasieren würde, geht er darüber hinaus und macht sich selbst zum Krebsexperten. Damit ist das Buch eine gute Übersicht und vermittelt viel Wissen, ohne anzuöden. Niemals wird das Thema kompliziert, obwohl Krebs genau das ist.

Das Buch ist ein Krebsbuch, aber nicht nur. Es handelt auch davon, wie der Autor seinen im bis dahin unbekannten Vater in Kroatien ausfindig macht und trifft. Darüber hinaus will er sich in der Kaffee-Branche selbstständig machen, obwohl er schon zuvor viel Erfolg als Unternehmensberater hatte. An beides geht er ähnlich akribisch wie an den Krebs heran. Er recherchiert viel und spricht mit Menschen. Diese Themenvielfalt macht das Buch zu einem Feuerwerk an Lebensinhalt. Es enthält Perspektive und Freude, Warums und Deshalbs. Und trotz der drei Geschichten – Krebs, Beruf und Vatersuche – hält sich immer die Balance und nichts wirkt konstruiert.

Es gibt zig Anekdoten, die mir besonders im Kopf beblieben sind. Da ist etwa das belauschte Gespräch der 81-Jährigen, der es leid tut, so alt geworden zu sein. Da ist der weitere Krebspatient, der schnell wieder gesund werden will, damit er wieder arbeiten gehen kann. Da ist der Moment, in dem Greiner seine Wurzel und seine Flügel findet. Das Buch ist voller kleiner Weisheiten und daher ein wertvoller Begleiter, um das eigene Leben mal so richtig durchzurütteln. Obwohl das Buch nämlich immer wieder auf den Tod zu sprechen kommt, geht es eigentlich um das Leben.

Schwächen des Buchs:

Der Autor ist manchmal etwas verkopft. Was einerseits dazu führt, dass er so sauber alles in Erinnerung hat und nun so viel Wissen weitergeben kann, bedeutet auch, dass er sich einige Male in Zerreden verzettelt. So spricht er etwa seitenlang über Veränderungen, was ihm offensichtlich wichtig ist, wiederholt sich jedoch auch häufig. Eine Stelle sticht besonders heraus: Er fordert, dass der Krebs nicht mehr mit Kampf begegnet wäre, dieses Wort sei völlig falsch und man müsse eher Geduld beweisen und müsse ruhen. Dabei vergisst er, dass er nicht nur eine mentale Identität hat, sondern eben auch eine körperliche. Und sein Körper kämpft sehr wohl, nicht nur gegen den Krebs, sondern auch gegen die Chemo. Dazu kommt der Buchtitel “Als ich dem Tod in die Eier trat”, der ja sehr wohl ein kämpferisches Bild erschafft. Hier kommt mir der Gedankendank unausgereift vor.

Dieses Verkopfte führt zu einem kleinen Loch in der Mitte des Buches. Mich warf vor allem das Thema Ernährung raus. Zuerst war ich hooked, denn Essen interessiert mich immer. Während Greiner seine frühere Art zu Essen bis ins Kleinste beschreibt und seinen Weg zur Traditionellen Chinesischen Medizin ausführlich erläutert, lässt er seinen neuen Ernährungsplan komplett im Dunkeln, obwohl er laut ihm half. Vielleicht 50 Seiten später erfährt man schließlich wenigstens vom Frühstück und dass er auf Zucker verzichtet, aber da war ich schon zu lange gefrustet. Auch die drei Geschichten verzetteln sich hier etwas, die Absätze werden sehr kurz und alles flutscht nicht mehr gut. Sobald sich Greiner wieder den Erlebnissen widmet, fließt alles wieder und der verkopfte Mittelteil ist vorrüber.

Mein Fazit zu “Als ich dem Tod in die Eier trat”:

Das Buch ist nicht nur etwas für Krebspatienten oder Angehörige, es ist für jeden etwas, der interessante Lebensgeschichten und –ansichten mag. Ich habe das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen, doch hätte es auch so gelesen. Es gehört zu den Büchern, die mit mehr Inhalt und Weisheit überraschen, als man anfangs denkt. Ich werde einiges daraus mitnehmen und in meine zukünftigen Entscheidungen einfließen lassen.

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Als ich dem Tod in die Eier trat

Alexander Greiner

Sachbuch biografisch
Hardcover, 240 Seiten

erschienen bei Kremayr & Scheriau

21. August 2019

ISBN 978-3-218011884


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Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

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M. D. Grand

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Ich will mehr, und das kriege ich auch – Cronos Cube [Rezension]

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Der Cronos Cube ist eine kleine Box, die uns in ein Open World Abenteuer bringt, während wir liegen. Die Konsole verbindet sich mit unserem Gehirn, alles wirkt realistisch, und in Cronos Cube ist alles möglich. Du kannst im Cronos Cube nicht nur alles tun und erreichen, sofern du dich an die Spielregeln hältst, du kannst auch alles empfinden. Wenn dein Gehirn nicht weiß, wie es sich anfühlt zu sterben, greift es global auf die Erinnerungen und Empfindungen sämtlicher anderer Spieler zurück und simuliert diese Gefühle in dir.

Aber in Cronos Cube beginnt die Geschichte gar nicht. Es geht ums Irland der 30er Jahre. 2030, bitteschön!

Es geht um eine total überwachte Stadt, um den Sohn einer reichen Familie und den aufgenommenen besten Freund. Lachlan Abercrombey hat’s mit Technik und Informatik, und ihm stinkt die Überwachung gewaltig. Er möchte eine der Drohnen, die die Bürger überwachen, vom Himmel pflücken. Dabei helfen soll ihm Zachary. Zack arbeitet als Türsteher und sieht seine Zukunft beim Sicherheitspersonal. Von Gesetzeswidrigem hält er gar nichts. Dann wird Lachlan entführt, und auf Zack wird nicht nur von einer Seite massig Druck ausgeübt, um Lachlan wiederzuholen.

Es geht um etwas Großes, so viel kann ich verraten.

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Kia über Kurzgeschichten

Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Beim Buchensemble gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.

Reiner Wein – Lange Beine, kurze Lügen [Rezension]

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Michael Buchinger nimmt uns in “Lange Beine, kurze Lügen” wieder mit in sein Leben. Ein Buch voller Anekdoten und Erzählungen, die immer mit Lügen zu tun haben. Kleine Notlügen, verschleierte Wahrheiten, Übertreibungen oder ein komplexes Lügennetz, das sich sonst nur ein Geheimagent aufbauen muss, der undercover ein Zivilistenleben vortäuscht, um näher an ein zu observierendes Objekt zu kommen. Doch Michael Buchinger will den Menschen in der Regel nicht näher kommen, sondern vor ihnen fliehen – durch geschickte Flunkereien und großartige Ausreden. Ist doch klar, dass dabei die ein oder andere lustige Geschichte herauskommt, die eigentlich nur zur Verschwiegenheit verpflichtete Therapeuten zu hören bekommen.

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Schauermärchen für Erwachsene – Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

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Ein namenloser Ich-Erzähler fährt zu einer Beerdigung. Auf dem Weg dorthin biegt er plötzlich ab, in die Gegend, in der er aufgewachsen ist. Wie magisch zieht es ihn zum Elternhaus und noch mehr zum Bauernhof der Hempstocks und dem Teich dahinter. Ein Teich, den Lettie Hempstock immer einen Ozean nannte. Lettie Hempstock, die er beinahe schon vergessen hatte. Er setzt sich auf die Bank beim Teich und nach und nach beginnt er  sich zu erinnern: an seine Kindheit, an Lettie Hempstock, an den Opalschürfer, das Land hinter unserem mit dem orangen Himmel und dem uralten Wesen, das sich Ursula Monkton nannte. An Kätzchen mit Saphiraugen und  grauenhafte Gestalten, an Magie und Monster, die älter sind als die Welt.

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M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Perfekt ist es ja eigentlich nie, oder? – Dein perfektes Jahr [Rezension]

Perfekt ist es ja eigentlich nie, oder? – Dein perfektes Jahr [Rezension]

Was auf den ersten Blick nach einem Lebensratgeber klingt, ist in Wahrheit ein liebevoller Roman, der zwei sehr unterschiedliche Menschen miteinander verbindet. Auch der Leser wird dabei auf eine Reise zwischen Leichtigkeit und Tragik, Optimismus und festgefahrenen Vorstellungen entführt.

Zum Inhalt: Der hochrangige, aber gelangweilte Verleger Jonathan Grief und die enthusiastische Erzieherin Hannah könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihre Leben haben keinerlei Berührungspunkte, bis ein Kalender die beiden auf schon fast magische Weise mit einander verbindet. Ein Kalender, der für Hannah Hoffnung und Kummer zugleich bedeutet, während er Jonathans Leben Stück für Stück in Frage und auf den Kopf stellt. Doch auch die so selbstsichere, optimistische Hannah hat im Verlauf der Geschichte eine Lektion zu lernen.

 

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Dean Wilkens

Geschichten mochte Dean schon immer. Am liebsten vertieft er sich in solche, die seiner Welt nahekommen, aber doch in ihrer Form freier und unkonventioneller sind. Dass dabei so manches Mal fragwürdige Moralvorstellungen, Magisches oder Morbides vorkommt, ist ganz nach seinem Geschmack. Wenn er nicht gerade selbst mit Schreiben, Zeichnen oder Musizieren beschäftigt ist, liest Dean viel und teilt diesbezüglich auch gerne seine Leseerfahrungen. So wie hier im Buchensemble.

Badass Girlpower – Aria, die Dämonenjägerin [Rezension]

Badass Girlpower – Aria, die Dämonenjägerin [Rezension]

Aria ist Dämonenjägerin aus Leidenschaft. Ob Iradämon, Ghul oder Gelbäugler, keine Höllenbrut ist vor ihr sicher. Vor allem auf Schattendämonen hat sie es abgesehen, denn diese haben vor Jahren ihren geliebten Bruder entführt. Doch ihre Arbeit ist nicht ganz legal: sie hat keine offizielle Ausbildung. Als sie deshalb wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt gerät, findet sie sich plötzlich dem gutaussehenden Officer Dan Howard gegenüber.

Er unterbreitet ihr ein verführerisches Angebot: wenn sie ihm bei verdeckten Ermittlungen mit möglicher dämonischer Beteiligung hilft, sorgt er dafür, dass ihre Ausbildung endlich offiziell anerkannt wird. Blöd nur, dass Dan Howard ein arroganter, eingebildeter Schönling ist, der Aria für eine reiche Partygöre ohne Hirn hält. Und auch blöd, dass die beiden schon bald enger zusammenarbeiten müssen, als ihnen beiden lieb ist, denn eine Verschwörung ist im Gange. Um herauszufinden, was vor sich geht und wer dahinter steckt, riskieren die beiden bald alles – allen voran ihr Leben.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Endlich gefrühstückt, obwohl die Brötchen inzwischen ausgekühlt waren („Nur eine Seite noch“)
  2. Endlich zum Lernen begonnen, was ich am Vorabend statt zu lesen eigentlich auch schon hätte machen sollen („Die Prüfung ist eh erst am Freitag“)
  3. Mir einen grünen Tee gemacht, um den Schlafmangel vom Vortag auszugleichen („Was? Mitternacht ist doch keine Zeit zum Schlafengehen. Nur ein Kapitel…“)

Mein Eindruck zu Aria, die Dämonenjägerin:

Badass, spannend, unterhaltsam: Aria, die Dämonenjägerin* ist definitiv ein Buch, mit dem man Langeweile vertreiben kann. Obwohl er am Anfang noch ein bisschen holprig ist, fesselt einen der Schreibstil der Autorin Alena Coal und entführt uns in eine Welt, in der Dämonenangriffe zum täglichen Leben gehören. Eine Geschichte ohne Kitsch, dafür mit bissigen Kommentaren, einem Haufen Fluchwörtern und gelungenen Kampfszenen – genau das richtige für jene unter uns, die nicht ganz so zart besaitet sind.

Stärken des Buchs:

Beginnen wir mit der Welt. Das Buch spielt in einer Welt ähnlich der unseren, in der Dämonenangriffe allgegenwärtig sind. Das Gute ist irgendwo zwischen Schmutz und Trümmern vergraben, überall herrscht Verfall und Korruption. Es wird nicht viel erklärt (In welchem Land sind wir überhaupt? Ist es die Zukunft? Oder eine Parallelwelt? Wie ist es dazu gekommen, dass Satans Horden durch die Straßen ziehen?), doch das macht nichts. Alles, was wir über die Welt erfahren, erfahren wir aus der Sicht von Aria Wenfield oder Dan Howard. Deren Gedankengänge binden den Leser subtil in die Welt ein und verraten ihm zwar nicht alles, aber auf jeden Fall alles Relevante, und das sehr gekonnt und unauffällig.

Das Setting wirkt sehr lebendig und regt zum Nachdenken an, genauso wie die beiden Hauptcharaktere. Vor allem Aria Wenfield ist ein sehr intensiver Charakter, wenn auch nicht immer ganz sympathisch (was aber gut ist, denn warum müssen die Helden immer strahlend und ohne Makel sein?). Sie und Dan sind als Charaktere gut gewählt und die Liebesgeschichte zwischen ihnen fällt nicht all zu kitschig aus, was ich sehr schätze. Schön ausgestaltet sind auch die Nebencharaktere, die nicht nur sinnlos immer mal wieder vorkommen, sondern essentiell an der Handlung und dem Ausgang derselben beteiligt sind. Vor allem ab der zweiten Hälfte wurde das Buch sehr spannend und hat mich schließlich sogar so gefesselt, dass ich schlafen, lernen und sogar Frühstück dafür hinausgezögert hab.

Aria die Dämonenjägerin, Foto: M. D. Grand
Aria die Dämonenjägerin, Foto: M. D. Grand

Schwächen des Buchs:

An Schwächen sind mir vor allem zwei Dinge aufgefallen. Zuerst das Unwichtigere: manche Formulierungen in diesem Buch haben mich mit Fragen zurückgelassen. Warum knackt der Kiefer, wenn man fest zusammen beißt? Das würde ich mal mit einem Kieferorthopäden abklären lassen. Und seit wann flackert die Iris? Aus medizinischer Sicht auch eher bedenklich. Normalerweise zeigen sich Reaktionen an der Pupille, nicht an der Iris. Aber ja, ihr seht, das fällt eher unter „Jammern auf hohem Niveau“.

Nun zum wichtigeren Teil: die Charaktere. Aria und Dan sind zwar ansich gut ausgearbeitet, aber in ihrem Zusammenspiel doch ein wenig klischeebehaftet. Vielleicht habe ich einfach zu viele dieser Bücher gelesen, aber das ständige Anmeckern und Streiten geht mir inzwischen richtig auf die Nerven. Man kann sich ja auch mal nicht leiden, aber normalerweise kriegt man sich doch wieder ein, wenn man merkt, dass man nicht recht hat, oder? Wie wäre es denn mal, wenn Charaktere einfach miteinander reden, statt sich gegenseitig anzuschreien und dann sehr nahtlos von Hass zu Kuss zu wechseln? Soll das die intensive Leidenschaft reflektieren oder das Buch spannender machen?

Aria und Dan wirken so auf jeden Fall nicht anziehender, sondern nervig und auch unreif, was zugegebenermaßen dazu passt, dass die beiden erst achtzehn und einundzwanzig sind. Das allerdings passt wiederum nicht mit ihrem ansonsten sehr erwachsenen, abgeklärten Verhalten zusammen, denn so, wie die Charaktere sonst beschrieben werden, würde ich sie mindestens für Mitte zwanzig halten. Zur Verteidigung von Autorin und Charakteren stelle ich an dieser Stelle die These auf, dass diese korrupte, sterbende Welt für diesen Bruch verantwortlich ist, da die Charaktere zwar schnell erwachsen werden müssen, aber gleichzeitig keine Gelegenheit haben, emotional mit ihren Aufgaben mitzureifen. Falls diese These stimmt, hätte ich dafür gerne eine Erklärung im Buch gelesen, so bleibt es als Minuspunkt für Aria, die Dämonenjägerin anzumerken.

Mein Fazit:

Alles in allem hat mir das Buch aber trotzdem sehr gut gefallen. Aria und Dan kriegen sich im letzten Drittel ganz gut wieder ein und auch die Handlung nimmt noch einmal rasant Fahrt auf, was Aria, die Dämonenjägerin* vor allem gegen Ende hin zu einem richtigen Page-Turner macht. Mit dem spannenden Erzählstil, der gut ausgearbeiteten Welt und der gut durchdachten Handlung vergebe ich daher guten Gewissens 4 von 5 Sternen an Aria und Dan. Ich bin gespannt auf weitere Werke der Autorin!

Marlens Rezension hat dir gefallen? Hier findest du eine Übersicht über all ihre Beiträge!

Aria, die Dämonenjägerin

Alena Coal

Fantasy Romantasy
Softcover, 368 Seiten
erschienen bei Forever by Ullstein
17.November 2017
ISBN 978-3-958189324
16,00 € bei Amazon*

 

M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Unabhängig vereint – Hier treffen sich fünf Flüsse [Rezension]

Unabhängig vereint – Hier treffen sich fünf Flüsse [Rezension]

In “Hier treffen sich fünf Flüsse” von Barney Norris geht es um fünf Geschichten, die sich zart an einigen Stellen berühren. Das Buch beginnt ganz unscheinbar mit der Geschichte “Ein Turm wie ein brennender Pfeil”, der die Entstehungsgeschichte Englands und Salisburys beschreibt und weitestgehend geheimnisvoll bleibt. Fahrt nimmt die Geschichte auf mit “Die andere Stadt”. Rita ist alt, Blumenhändlerin, Grasdealerin und leidet unter ihrem Leben. Die Vergangenheit holt sie ein, davon erzählt sie dem Leser, und ihre Familie hat den Glauben an sie verloren und verstößt sie. Sie entschließt sich, ihr Leben hinter sich zu lassen und fährt mit dem Moped weg. Hauptsache weg, was zum Henker sie mit ihrer Zukunft anstellen wolle, würde sie schon noch merken.

Dann kommt es zum Unfall. Ein Auto fährt seitlich in das Moped, und einige Menschen beobachten den Unfall. In “Ein Fluss, der sich kräuselt wie Rauch” geht es um einen Jungen, der auf einer Jungsschule ist. Sein Vater hat Krebs und liegt im Krankenhaus, aber gleichzeitig versucht er, sein jugendliches Leben zu handlen, die Chorproben zu überstehen und endlich das Mädchen anzusprechen, das ihm gefällt.

Die vierte Geschichte, “Den Sternen so nah wie möglich”, handelt von einem Farmer, der von der Polizei verhört wird. Er erzählt von seiner Liebe und wie es zu diesem furchtbaren Unfall mit dem Moped kommen konnte.

Die fünfte Geschichte, “Tief mitten im Nirgendwo” besteht aus Tagebucheinträgen. Eine Mutter und Ehefrau spricht darin zu ihrem Mann, der in der Armee dient. Sie hat einen Unfall beobachtet und versickert in ihrer Depression. Dann kommt ihr Sohn zu Besuch, und sie weiß nichts mit ihm anzufangen, wie sie schon nichts mit sich anfangen kann.

Am Schluss entführt uns “Hier treffen sich fünf Flüsse” wieder zu “Ein Turm wie ein brennender Pfeil”, und all die unabhängigen Geschichten kommen zusammen.

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Kia über Kurzgeschichten

Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Beim Buchensemble gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.