Mit Wortwitz und Fersehglamour – Bluescreen

Mit Wortwitz und Fersehglamour – Bluescreen

Elizabeth Bennet ist die zweitälteste Tochter der fünf Bennet-Schwestern. Entgegen der Erwartungen ihrer fürsorglichen Mutter, zieht es Lizzy gleich nach dem Schulabschluss fort aus dem Elternhaus und auf die eigenen Füße. Kurz vor dem Abschluss ihrer Ausblidung zur Medientechnikerin bringt der unausstehliche Schlipsträger William Darcy sie jedoch gehörig aus dem Gleichgwicht. Die stets resolute und bodenständige Elizabeth strauchelt zwischen einem Wirrwarr aus Stolz, Vorurteilen und scheinbar unüberbrückbaren Missverständnissen in die verzwickteste Liebesgeschichte seit der Romanvorlage aus dem 19. Jahrhundert.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Meinen e-Reader geküsst
  2. die Fortsetzung gekauft
  3. erneut bis weit nach Mitternacht gelesen

Mein Eindruck zu Schlips und Vorurteil –Blucscreen:

Ich bin ein wirklich großer Fan von “Stolz und Vorurteil”, ich liebe die relativ neue Verfilmung mit Keira Knightley und habe das Original mehr als einmal gelesen und war neugierig, als mir “Schlips und Vorurteil – Bluescreen” zur Rezension angeboten wurde. Ich startete die Lektüre zugegebenermaßen ohne große Erwartungen. Denn mal ehrlich: Jane Austen im 21. Jahrhundert? Beziehungskisten funktionieren zwar immer noch ganz hervorragend in Büchern, aber ich hatte trotzdem so meine Zweifel, ob sich derart verkappte Geflechte auf die heutige Zeit übertragen lassen. Leider deutete das Cover auch keine allzu großen Überraschungen an und ich war voller … Vorurteile.

Ich lag so falsch.

Kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, hatten mich die einnehmenden Figuren, der flüssige Schreibstil und vor allem die wortstarken und dennoch flotten Dialoge gefangen. Und nicht nur das. Das vergleichweise spröde Familienkonstrukt rund um das Heiratsdrama aus dem 19. Jahrhundert wurde feinfühlig und überzeugend in die Fernsehwelt des 21. Jahrhunderts übertragen. Die aufgefrischte Handlung erhält zusätzlichen Unterhaltungs- und auch Informationswert durch die sehr gut beschriebene Welt der Fernsehstudios, die tiefe Einblicke der Autorin vermuten lassen. Fachliche Details und Begriffe fließen elegant und unbemerkt in die Handlung ein, ohne belehrend oder mit dem Holzhammer eingetrichtert zu wirken.

Stärken des Buchs:

Wie oben bereits angedeutet, liegt die Stärke des Buches eindeutig im Schreibstil der Autorin. Die flüssige und zugleich ausgefeilte Sprache trägt die Lesenden buchstäblich durch die Seiten. Jeder Dialog wirkt wie eine gut gesetzte Spitze, die bevorzugt natürlich durch Elizabeth Bennet verteilt werden. Ihre zahlreichen Schlagabtausche mit Mr. Darcy machen einfach Freude zu lesen und schafften es, Reaktionen auf dem gesamten verfügbaren Gefühlsspektrum bei mir auszulösen.

Neben den großartig geschriebenen und in ihrem Drehbuchstil wunderbar zum Setting passenden Dialogen, sind es die gut austarierten Szenen, die das Buch zum Pageturner werden lassen. Wortgefechte und Studiohektik wechseln sich mit ausgewogenen Ruheelementen ab. Elizabeths Vorliebe für lange Spaziergänge lassen auch ihren Hang zur (Selbst-)Reflexion zur Geltung kommen. So liest sich die Geschichte angenehm ohne durch die teils ausartenden Streitszenen  zu anstrengend zu werden. Die Perspektiven und Szenen wechseln derart gekonnt, dass keine Leseflaute aufkommt und treiben das Bauchkribbeln voran, bis die Schmetterlinge im Bauch durchdrehen als seien sie auf Speed.

Besonders gut hat mir gefallen, wie die jeweiligen Charaktereigenschaften der Figuren aus der Romanvorlage auf ihr modernes Pendant übertragen wurden. Bei Jane und Elizabeth schien mir dies noch vergleichsweise leicht, doch vor allem die jüngeren Bennet-Schwestern gewinnen in dieser Adaption ganz eindeutig an Nachvollziehbarkeit sowie Glaubwürdigkeit. Auch die absolut verkorkste, aufdringliche und nervige Mrs. Bennet ist so gut getroffen und passt perfekt in das Bild der unterforderten Vorstadtmutter. Hier ist auch zu erwähnen, dass sie damit einem Klischeecharakter entspricht, doch findet das Buch ein ganz wunderbares Gleichgewicht zwischen Klischee und aufgefeilten Individuen, sodass der Vorlage entsprochen und zugleich viel Neues und Besseres geschaffen wird.

Schwächen des Buchs:

Schwächen- puh! So mag ich das nicht nennen, zumal ich wirklich danach suchen musste. Doch lässt sich der Handlung wohl vorwerfen, dass sie sich in einigen Missverständnissen weniger hätte erzählen lassen. Mir ist klar, dass die unendliche Verstrickung aus Streit und Ungesagtem bereits die literarische Vorlage durchzieht, dennoch hatte ich auch bei der Adaption den Drang, mir stellenweise in die Fingerknöchel zu beißen, weil die Wortgefechte sich häufen. (Was mich allerdings nicht davon abgehalten hat, sie mit Feuereifer zu verfolgen.)

Mein Fazit:

“Schlips und Vorurteil – Bluescreen” ist eine überaus unterhaltende und fesselnde Lektüre, ein Buch, das einfach Spaß macht und dennoch keine Tiefe vermissen lässt. Es eignet sich für gemütliche Lesetage mit einer Tasse Tee im Lesesessel bis spät in die Nacht. Die Geschichte steckt voller liebevoller Figuren und wartet trotz des bekannten Ausgangs mit einigen Überraschungen auf. Wer glaubt, die Geschichte aus “Stolz und Vorurteil” benötigt keinen neuen Aufwasch, wird hier eines Besseren belehrt.
Das Ende lässt die Lesenden mit einem wohligen Lächeln und dem dringlichen Wunsch nach mehr zurück – wie gut, dass es eine Fortsetzung gibt!

Du willst mehr von Wiebke lesen? Hier gelangst du zu all ihren Rezensionen!

Bluescreen (Schlips und Vorurteil Band 1)

Julia K. Hilgenberg

Liebesroman
Softcover, 348 Seiten

erschienen bei TWENTYSIX

07. Juli 2020

ISBN 978-3-740766016

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