Lieber Mau-Mau spielen – Schachnovelle [Rezension]

Lieber Mau-Mau spielen – Schachnovelle [Rezension]

Auf einem Dampfer lernen der Erzähler und sein Begleiter den Schachweltmeister Czentovic kennen, der sich für viel Geld zu einer Partie herausfordern lässt. Ein Zuschauer, Dr. B., mischt sich ein und dadurch kann der Weltmeister doch noch geschlagen werden. Der Erzähler überredet ihn, ein weiteres Mal gegen den Profi anzutreten und bekommt erzählt, woher Dr. B. Schach kann. Er war ein Gefangener der Gestapo und hatte zur Unterhaltung nur ein Buch über Schach.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Mich gefragt, ob ich dumm bin, weil ich die Kunst des Buches nicht erkenne.
  2. Das Buch schnell in das öffentliche Bücherregal gestellt.
  3. Laut gesagt: „Klassiker können auch echt überbewertet sein.“ Die Antwort war ein Schulterzucken.

Mein Eindruck zur Schachnovelle:

Es geht tatsächlich um Schach. Nachdem ich vor ein paar Jahren mehrmals gegen einen Neunjährigen verloren habe, dachte ich ja, dass Schach witzig sein kann. Das Buch hat meine Meinung geändert, Schach ist furchtbar langweilig.

Stärken des Buchs:

Das Buch ist kurz, sehr kurz. Damit läuft man nicht in Gefahr, über zwei Stunden hinaus belästigt zu werden. Dazu ist der Schreibstil in Ordnung. Ich fand zwar keine Lieblingssätze, aber auch nichts, worüber ich mich aufregen könnte.

Schwächen des Buchs:

Der Anfang der Schachnovelle* ist lahm und ich glaube, selbst wenn man sich für Schach interessiert, amüsiert da nichts. Mit Dr. B.s Auftritt kommt eine kurze Spannung rein, weil man denkt, jetzt kommt etwas Gutes. Das verläuft sich dann aber schnell.

Die Symbolik ist eindeutig und nicht kreativ. Die Schachpartie steht natürlich für den Krieg. Dr. B erläutert dann auch freimütig von seiner monatelangen Folter der Gestapo. Mehr passiert auch nicht. Das Ende kann nicht überraschen. Stellt euch einen Roman über ein Kind mit schlechten Noten vor und am Schluss hat es noch immer schlechte Noten. Überraschung! Nicht.

Die Figuren überzeugen mich auch nicht. Sie bleiben blass und klischeehaft.

Mein Fazit:

Ich bin froh, dass diese Schachpartie endlich beendet ist.

Wenn du noch andere Rezensionen von Magret lesen möchtest, findest du hier einen Überblick.

 

Schachnovelle

Stefan Zweig

Gegenwartsliteratur
Softcover, 46 Seiten

erschienen bei CreateSpace

17. November 2017

ISBN 978-3-596296590
3,46 € bei Amazon*
Stand 18. Dezember 2018

 

Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

One Reply to “Lieber Mau-Mau spielen – Schachnovelle [Rezension]”

  1. Huhu,

    huch, da bin ich jetzt ein wenig überrascht. Für mich ist die Schachnovelle eines der besten Bücher, das je geschrieben wurde – dabei spiele ich kein Schach und finde es als Sport langweilig.
    Aber die Schicksalsgeschichte dahinter und das Treibende in der Folter, hat mich schon gepackt, als wir das in der neunten Klasse in der Schule gelesen haben und seit damals lese ich die Geschichte gerne und immer wieder. Für mich ist es auch das einzig erträgliche Buch über den Nationalsozialismus und die Folter damals.
    (Und ich gebe zu, es hat mir schon bei vielen Argumenten geholfen. Zu wissen, dass flackerndes Licht als Foltermethode genutzt wurde, hat mir schon viele Diskussionen gewonnen, weil ich selbst da verdammt empfindlich bin.)

    Gleichzeitig verstehe ich deine Meinung. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass die gängigen Erzählstile auf dem Markt mich immer mehr verlieren, mich immer weiter von Büchern wegtreiben, weil sie für mich als Autistin immer weniger zugänglich werden. Ich brauche besonders viel Tell und möglichst langsames Pacing, aber ohne sich dabei nur in Beschreibungen von allen fünf Sinnen zu verlieren oder unwichtige Kleinigkeiten wie das Kratzen von Holz auf Holz beim Bewegen eines Stuhls von einem Tisch zu fixieren. (Das Beispiel aus einem Buch, das ich vor einigen Monaten gelesen habe, ist irgendwie als Worst Case bei mir hängen geblieben.) Ich hab das Gefühl, dass der Buchmarkt Menschen wie mich vergessen hat. Vielleicht sogar bewusst ausschließt? Weil sich die Wünsche der Leser gewandelt haben, und alles, was mir in Büchern Halt und Verständnis ermöglicht, heute als schlechter Stil gilt.

    Das ist schade. Aber ich verstehe es. Ich bin eine Minderheit, mit mir macht man kein Geld. Und ich selbst bin immer noch erst dabei, zu erkunden, wo dieser Unterschied zwischen mir und normalen Menschen genau liegt. Ihn für mich und damit für Andere greifbar zu machen.

    Dank deiner Rezi bin ich da ein kleines Stück weiter. Denn für mich war dieses Büchlein gerade emotional greifbarer, intensiver und bewegender als die meisten heutigen Bestseller. Also scheint irgendwas wohl mit mir entweder nicht richtig zu sein, oder zumindest diametral anders zu laufen, als bei anderen Menschen.

    Danke dafür. 🙂

    Liebe Grüße
    Taaya

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