Hör auf, mich anzumotzen – Nichts mehr wie es war

Hör auf, mich anzumotzen – Nichts mehr wie es war

Cedric ist neu in Cottbus und wird direkt von den anderen fertig gemacht. Denn er war mal das Kind reicher Eltern aus Hamburg und das merkt man ihm noch an. Vor allem Kevin wird sein Feind, zwei Meter groß und Neonazi.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich habe das Buch nicht beendet
  2. Ich wollte mich vor der Rezension drücken
  3. Ich gebe mich damit zufrieden, dass ich wohl nie wissen werde, was für Juwelen in dem Buch womöglich versteckt sind

Mein Eindruck zu „Nichts mehr wie es war“:

Ich finde Ich-Erzähler toll, rotzige Sprache auch und Tiefgang ist bei mir ein Muss, also habe ich gleich ja gesagt, als mir das Buch „Nichts mehr wie es war“ als Rezensionsexemplar angeboten wurde. Leider stellte ich nach einigen Seiten fest, dass ich damit nicht warm werden kann.

Stärken des Buchs:

Das Buch ist im Selfpublishing erschienen und man sieht sofort, dass viel Arbeit reingesteckt wurde. Es ist recht gut lektoriert und das Cover ist toll. In der E-Book-Version, die ich habe, ist auch der Satz sehr gut. Es gibt einige schicke Zitate vorneweg und alles sieht hübsch aus. Sowas finde ich sehr toll und gerade beim Selfpublishing weiß man ja, dass da alles durch die Hand der Autorin ging. Als Leserin gehe ich da mit einer Extra-Portion Freude an die Lektüre.

Der Geschichtenaufbau wirkt gut durchdacht und soweit ich das einschätzen kann, gibt es kein Chaos und keine Löcher in der Handlung. Die Figuren ziehen klar Stellung und ihre Charakterisierung ist recht schnell klar.

Ich vermute, dass das Buch eine starke Wucht hat und lehrreich ist, vor allem auf einer moralischen und empathischen Schiene. Die sonstigen Rezensionen bestätigen diesen Verdacht.

Schwächen des Buchs:

Leider werde ich nie herausfinden, was dieses Buch so wertvoll macht, denn ich kam nicht mit der Sprache und der Hauptfigur klar. Die Sprache war nicht nur rotzig, sondern vor allem plump. Mir fehlte noch, dass nach jedem Satz Digger oder Alter stand. Da fehlten mir die sprachlichen Spielereien und der Witz, um bei der Stange zu bleiben.

Die Hauptfigur ist ein seltsamer Fatzke mit einem Genervtheitslevel, der meine Toleranz übersteigt. In der ersten Szene hockt er mit einem anderen Jungen im Klo fest, der sich mit ihm normal unterhalten will und der Erzähler rastet vollkommen aus, weil er nicht drauf klar kommt, wie unheiiiiiimlich blöde der andere doch sei und kein Wunder, dass der so unbeliebt sei. Man muss sich das so vorstellen, dass der jugendliche Erzähler sogar genervt wäre und überreizt reagiert, wenn jemand Hallo sagt. Dabei kam keine Feinfühligkeit durch wie etwa bei dem Fänger in Roggen, weswegen dieses Buch ja so grandios ist. Stattdessen hab ich das Buch abgebrochen, bevor ich meinen E-Reader angebrüllt hab. Versteht mich nicht falsch, ich muss die Figuren nicht leiden können. Aber irgendetwas, das auf mehrere Ebenen der Geschichte hinweist, brauche ich schon, sonst werde ich halt ausschließlich pausenlos angemotzt.

Mein Fazit zu “Nichts mehr wie es war”:

Das Buch ist nicht schlecht, es ist nur nichts für mich. Ich empfehle es Menschen, die Ironie mögen, die darüber lachen können, wenn jemand unwissend etwas Peinliches gemacht hat, und einen Rotzlöffel als Erzähler ertragen, der völlig weltfremd ist und jeden anderen für blöd hält. (Am blödesten sind natürlich die Erwachsenen.) Meine Sterne vergebe ich mit Vorbehalt, da ich finde, als Buchabbrecherin nicht wirklich mitreden zu können. Ein Stern für die liebevolle, interessante Gestaltung und ein weiterer für das Potenzial.

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Nichts mehr wie es war

Abigail Rook

Jugendbuch
Softcover, 228 Seiten

erschienen bei Books on Demand

07. November 2019

ISBN 978-3-750404915


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2 Replies to “Hör auf, mich anzumotzen – Nichts mehr wie es war”

  1. Liebe Magret,
    danke, dass du dir ein wenig Zeit für “Nichts mehr wie es war” genommen hast und der Geschichte eine gewisse Plattform bietest. Natürlich bin ich etwas enttäuscht, dass es dir nicht zugesagt hat, aber ich kann damit leben.
    Hättest du meinem Erzähler und Hauptprotagonisten Cedric gegenüber etwas mehr Geduld aufgebracht, wäre vielleicht eine substanziellere Kritik herausgekommen, die eurem eigenen Anspruch der “Rezensionen mit einer gewissen Tiefe” besser entspräche. So lernt der Leser leider wenig über das Buch, dagegen viel über Magret Kindermanns zwischenmenschliche und stilistische Vorlieben und Abneigungen. Ja, pubertierende Jungs haben oft noch eine etwas naive und oberflächliche Gedankenwelt. Hättest du Cedric weiter begleitet, wäre dir aufgefallen, dass seine Entwicklung zu einem erwachseneren, weniger selbstverliebten Menschen der Kern dieser Geschichte ist.
    Ich danke dir, dass du deiner Kritik trotz allem eine freundliche und im Grunde positive Konnotation verliehen hast. Du hast richtig erkannt: man muss nicht alles mögen. Ich hätte vermutlich auch meine Probleme mit einer Liebesgeschichte in einer Zombiewelt. Da ich sowas aber nicht lesen werde, bleibt mir auch verborgen, was du deinen Lesern vermitteln willst.
    Zum Abschluss noch ein Kommentar zu “Der Fänger im Roggen”. Lies es noch mal, am Besten im Original und nicht in der weichgespülten Böll-Übersetzung. Dann wirst du vielleicht erkennen, dass Salinger eine sehr direkte, oft plumpe Sprache benutzt hat und Holden alles andere als sympathisch rüberkommt. Und trotzdem hat Salinger mit diesem Buch eine ganze Generation beeinflusst, denn er hat der Literatur etwas geschenkt, was sie vorher vermissen ließ: den authentischen Jugendroman.
    Für alle, die bis hierher gelesen haben: Ich lade jeden ein, sich selbst ein Bild von meiner Geschichte zu machen. Besucht die “Über uns” Seite auf http://www.abigailrook.de und schreibt mir etwas mit dem Kennwort “Buchensemble”, dann erhaltet ihre kostenlos ein eBook in gewünschtem Format. Wenn ihr ganz lieb fragt, vielleicht sogar eine Printversion 😊
    Abigail Rook

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