Klischees in Japan – Mokusei!

Klischees in Japan – Mokusei!

Der Fotograf Arnold Pessers reist nach Japan, um Aufnahmen für Reiseprospekte zu machen. Vor Ort verliebt er sich in sein Fotomodell, das er nach einer der wenigen duftenden Blumen Japans Mokusei nennt. Es geht um eine Liebesgeschichte und die Sicht der Europäer auf Japan.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Sachen gepackt und meine Eltern besucht.
  2. Mit der Familie zu Mittag gegessen.
  3. Das nächste Buch gelesen.

Mein Eindruck zu „Mokusei!“:

„Mokusei!“ von Cees Nooteboom ist in mancher Hinsicht ein typisches Werk für diesen Autor. Es ist kurz, es ist poetisch, ist als melancholischer Rückblick, der von vornherein einen traurigen Ausgang prophezeit, geschrieben und ist voller subtilem Witz. Aber es ist nicht sein bestes Werk.

Stärken des Buchs:

Nooteboom schafft es, ironisch zärtlich und intelligent behämmert zu schreiben. Die Liebesgeschichte in „Mokusei!“ ist schön und melancholisch, aber dient nur als Rahmen für ein anderes Thema: Klischees. Pessers, der „von sehr holländischem Aussehen“ ist, reist mit einem klaren (und völlig unrealistischen) Bild von Japan ins Land, möchte ein Fotomodell, das noch japanischer aussieht als die anderen japanischen Frauen und lichtet sie dann im Kimono vor dem Berg Fuji ab. Immer wieder werden Illusion und Enttäuschung ironisch aufgegriffen.

„Wer sich entschlossen hat zu genießen, wird dies meist auch tun. Er hatte hier schon zuviel investiert“, heißt es beispielsweise. Das Fotomodell selbst, mit dem sich Pessers kaum verständigen kann, bleibt am Ende ein Leinwand, auf die er seine Illusionen projezieren kann, wobei er völlig zu vergessen scheint, dass sie eine Person mit eigenem Leben ist. Diese Kritik am westlichen Blick auf „fremde“ Kulturen (und des Blickes mancher Männer auf Frauen?) hat mir gut gefallen.

Schwächen des Buchs:

Vielleicht ist es der Kürze von „Mokusei!“ geschuldet, aber für ein Nooteboom-Werk fehlt es mir ein wenig an Tiefe. Die Figuren, die dieser Autor gerne etwas unsymathisch zeichnet, könnten manchen Leser*innen übel aufstoßen: Der naive Protagonist, der in der Verfolgung der oberflächlichen Klischees fast dümmlich (und definitiv beleidigend) wirkt in manchen Szenen, das Fotomodell, das keine Persönlichkeit zu haben scheint (weil Pessers keine sehen will, nicht weil keine vorhanden wäre), und der einzige Freund des Protagonisten, ein Belgier, der Experte für Japan zu sein scheint. Es ist alles Teil des Konstrukts des Werkes, würde ich argumentieren, aber ich weiß genau, dass es andere stören könnte.

Was mich aus dem Lesefluss gebracht hat und was höchstens mit dem Alter des Werkes (veröffentlicht 1982) zu entschuldigen ist, war die Bar-Szene, in der Japaner mit Blackface bedienten, um einen aus japanischer Sicht exotischen Eindruck zu erwecken. In dem Zusammenhang fällt das N-Wort. Es geht um Klischees, also passte die Szene ins Buch, aber heutzutage ist sie noch unangenehmer zu lesen als damals.

Mein Fazit zu Mokusei!:

Kann man lesen, muss man aber nicht. Wer noch nie Bücher von Cees Nooteboom gelesen hat, sollte nicht mit diesem anfangen. Es macht wenig Lust auf mehr von ihm. Das wäre schade, denn der Autor hat einiges zu bieten.

Du willst mehr von Matthias lesen? Hier gelangst du zu seinen Rezensionen.

Mokusei!

Cees Nooteboom

Gegenwartsliteratur Liebesroman
Softcover, 74 Seiten

erschienen bei Suhrkamp

21. Juni 1993

ISBN 978-3-518387092


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