Meine buddhistische Kur für ein leichteres Leben – Stille [Rezension]

Meine buddhistische Kur für ein leichteres Leben – Stille [Rezension]

Stille – allein das Wort löst Sehnsüchte aus. Wir halten inne, die Sinne werden wach und wir können die zauberhaften kleinen Momente des Alltags wieder genießen. Kankyo Tannier ist eine französische Zen-Nonne – jung, lebendig, authentisch. Ohne Zwang und Dogma erzählt sie leichtfüßig und charmant, wie die Stille ihren Alltag erst lebenswert macht. Sei es, wenn sie die wortlose Sprache ihres Pferdes Efstur studiert. Oder sei es in der therapeutischen Arbeit mit Menschen, in der sie immer wieder erfährt, dass Stille eine große Heilkraft besitzt. Wie nebenbei gibt sie uns dabei viele kleine Tricks an die Hand, wie wir die Stille in unser Leben einladen können. Mit 21-Tage-Stille-Kur, um heilsame Einfachheit und tiefe Freude zu erfahren.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Zurückgeblättert und alle Stellen mit Übungen markiert
  2. Die Türen leiser zugemacht
  3. Versucht, ohne Ablenkung zu essen

Mein Eindruck zu “Stille”:

Das Wort „Stille” mag ich sehr gerne, dennoch hätte ich das Buch vom Titel her nicht ausgewählt.  „Meine buddhistische Kur für ein leichteres Leben* reicht nicht als Untertitel. Ich hab das Buch gekauft, weil ich ein Interview der Autorin gelesen habe. „Meine buddhistische Kur für ein leichteres Leben im Trubel” wäre etwa passend. Ich fand Meditation und Achtsamkeit immer spannend, aber konnte es nicht mit meiner Freude am positiven Stress vereinen. In diesem Buch geht es genau darum, Ruhe finden in einem lebendigen Alltag. Und das kommt nicht im Titel durch.

Stärken des Buchs:

Tannier macht kein schlechtes Gewissen, weil man nicht achtsam genug oder ruhig genug oder meditierend genug ist. Sie erzählt von ihrer eigenen rastlosen Seele und wie sie lernte, dass gerade für diese Menschen Meditation (und weitere tolle Übungen) perfekt sind. Sie beschreibt praktische Übungen für Normalos. Für die man nicht ins Kloster muss oder die man jeden Tag in sein volles Programm stopfen muss. Das Buch beschreibt, wie man Ruhe in seinen alltäglichen Lärm bekommt. Und wenn unsere Leben eins sind, dann doch laut. Und zwar gerne! Das ist nicht schlimm, habe ich nun begriffen. Dazu hat Tannier Humor und schreibt auf lockere Art, ohne mich für dumm zu verkaufen oder ins fachsimpeln zu kommen. Die Einsichten in ihre Erfahrung – etwa verbrachte sie mal einige Zeit in einem japanischen Kloster oder ein Pferd verliebte sich in sie – sind liebreizend sowie lehrreich.

Schwächen des Buchs:

„Stille” ist keine Step-for-Step-Liste. Tannier gibt dem Leser Vorschläge, was man ausprobieren könnte. Diese sind konstruktiv und leicht umzusetzen. Dennoch muss der Leser offen sein und viel von sich geben. Sonst funktioniert gar nichts. Das ist bei dem Thema für mich selbstverständlich, aber ich kann mir vorstellen, dass manche Leute nicht gewillt sind, ihren eigenen Weg zu finden. Was ich störend fand: Im Buch tummeln sich die Übungen, die man natürlich nicht alle gleich ausprobiert. Leider sind nicht alle als Übung gekennzeichnet, sondern sind mitten in einem Textblock versteckt. Daher bin ich dazu übergegangen, mir die Stellen mit einem Buntstift zu markieren, um sie später wiederzufinden.

Mein Fazit:

Bei Buddhismus und Zen-Nonnen denke ich immer an ultra ruhige Menschen, die ein Leben leben, für das ich weder Zeit noch Nerv habe. So sehr ich es auch bewundere. Tannier und ihr Buch “Stille* sind anders. Sie nennt sich selbst Nonne 2.0. Sie ist berufstätig (sie hat zig verschiedene Jobs, denen sie alle leidenschaftlich nachgeht). Sie ist verheiratet. Sprich: Sie ist eine von uns. Damit sind ihre Lehren für mich stressliebenden, arbeitsliebenden, sprudeligen Menschen umsetzbarer und ich glaube, ich kann endlich lernen, Ruhe zu finden, ohne etwas aufgeben zu müssen. Was ich früher immer irgendwie dachte …

Stille

Kankyo Tannier

Sachbuch
Hardcover, 192 Seiten
erschienen bei Arkana
10. April 2018
ISBN
978-3-442342358
18,00 € bei Amazon*

 

Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.