Masken, Rätsel und mehr Geheimnisse – Maskenmacht

Masken, Rätsel und mehr Geheimnisse – Maskenmacht

Maskenmacht: Die Verschwörung – Vaara wächst als jüngste Tochter in einem kleinen, verschlafenen Fischerdorf auf. Weit weg von den Machtzentren Ghodrias und ihren geheimnisvollen Herrschern. Eines Tages fällt Vaara ein magisches Schwert in die Hände und übernimmt vorerst den Lauf ihres Schicksals. Vaara entkommt ihrer ersten Begegnung mit einem der maskierten Herrscher nur knapp mit dem Leben, allerdings ist es fortan ein ganz anderes Leben.

Zielstrebig verfolgt sie ein neues Ziel, widmet sich ihrer Ausbildung und unterdrückt den brodelnden Hass gegen die Maskierten. Als ihr Leben erneut von diesen scheinbar übermächtigen Gestalten zerstört wird, fasst sie zusammen mit ihrer treuen Freundin Yalani einen tollkühnen Plan. Bald muss Vaara erkennen, dass sie nur die Spitze eines Eisbergs aus Rätseln und Verschwörungen rund um die Maskierten und die Machtverhältnisse Ghodrias kennt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Nach weiteren Seiten im Buch gesucht – vergeblich.
  2. Ganz Vaara-mäßig elende Cliffhanger verflucht
  3. Mich auf Instagram über den Cliffhanger beschwert und um baldige Fortsetzung gebeten

Mein Eindruck zu Maskenmacht:

Ich wollte Maskenmacht lesen und wartete bereits auf die Veröffentlichung. Doch spätestens als ich das Cover sah, wollte ich dieses Buch erst recht haben. Ich bin eine geständige Cover-Käuferin und war hin und weg. Es ist düster, verheißungsvoll und reißerisch, aber nicht übertrieben. Eben ein sehr gutes Dark-Fantasy-Cover.

Bereits auf den ersten Seiten bestätigt sich dieser Eindruck auch im Text. Lily Wildfire macht schnell deutlich, dass die Welt, in der Vaara lebt, zahlreiche Grausamkeiten bereithält und auch Kinder, Familien und unschuldige Dörfer nicht schont. Trotzdem gelingt es der Autorin, nicht in einem Blutrausch zu verfallen und die Szenen nicht expliziter als notwendig zu gestalten.
Trotz des düsteren Settings bietet die Geschichte eine passende Dosis Humor, der nicht zuletzt durch die zynische Ader der Protagonistin transposrtiert wird. Zwischen Blut und Geheimnissen finden sich liebevoll gestaltete Figuren, die sich trotz gewisser Eigenheiten schnell ins Herz schleichen.

Stärken des Buchs:

Maskenmacht liefert einen steilen Einstieg. Lesende treten mit Vollgas in die Handlung ein und geraten auf den ersten hundert Seiten in einen Sog, dem nicht so leicht zu entkommen ist. Die Protagonistin zeigt ihren Charakter schnell und entwickelt sich im Laufe der Handlung nachvollziehbar und passend. Die stimmige Figurengestaltung ist mir im gesamten Buch positiv aufgefallen. Nicht nur Vaara, sondern auch ihre Freundin Yalani sowie weitere Nebenfiguren verfügen über Eigenschaften, die über reine Äußerlichkeiten hinausgehen und die Welt in Maskenmacht dadurch sehr dicht erscheinen lassen.
Durch die einzelnen Handlungspassagen ziehen sich konsequent gute, humorvolle und teils sarkastische Dialoge. Ich mag das! Denn der Sarkasmus ist gut dosiert und zerstört damit nicht die tiefen Gespräche, die vor allem Vaara und Yalani zuweilen führen. Die Autorin schafft es, Vaara trotz ihres schwarzen Humors glaubwürdig und ernst wirken zu lassen.

Jede Figur, jeder Brauch, Ort oder Hintergrundgeschichte haben den richtigen Platz, sodass nichts konstruiert oder erzwungen wirkt. Gleichzeitig führt der gut lesbare, flüssige Schreibstil dazu, dass sich Leser*innen praktisch an Vaaras Seite durch Era und die Wälder begleiten und gefühlt jeden Atemzug ihres Abenteuers mit ihr gemeinsam tun. Besonders positiv ist mir eine Marktszene relativ am Anfang der Geschichte in Erinnerung geblieben. Vaara hat es eilig – das kommt öfter vor – und rennt über einen überfüllten Marktplatz zur Hochbetriebszeit. Es sind nur wenige Zeilen, die die Autorin braucht, um eine stimmige Atmosphäre zu schaffen und zugleich mehrere Aspekte über Vaara, die Stadt in der sie lebt, die Menschen, die sich dort aufhalten und ihren Alltag zu verraten. Als Autorin kann ich da nur neidvoll staunen, als Leserin versinke ich in solchen Passagen.

Plot und Weltenbau

Lily Wildfire merkte im Vorfeld der Veröffentlichung an, dass die reine Schreibzeit für Maskenmacht zwar recht überschaubar war, sie aber dafür einige Jahre in den Plot und Weltenbau investiert hat – und das rechnet sich. Maskenmacht bietet an den verschiedenen Handlungsorten, jeweils passende Lebens- und Glaubensformen der dort lebenden Menschen, die sich Puzzleteilartig in das Gesamtbild fügen. Gespickt werden die Elemente mit gut recherchierten Details bezüglich Kleidung, Waffen und allgemeiner Alltagsgegenstände und Abläufe. Das zusammengenommen verlangt der Geschichte einiges an Raum ab, da sind wir noch nicht in dem (vermutlich) gut durchdachten und weitverzweigten Netz aus Verschwörungen und Geheimnissen aller Art angelangt, aber dazu später mehr.

Neben der allgemeinen Spannung der Geschichte, sind es eben jene nebulösen Verstrickungen, die den Spannungsbogen dominieren … sollen. Oder zumindest vermute ich das. Die Geschichte ist so aufgebaut, dass Vaara mit jedem Schritt den sie vornimmt eine weitere Karte im Mächtespiel Ghodrias aufdeckt. Nur scheint dieses Spiel weniger wie ein Puzzle oder ein Quartett zu funktionieren, sondern wie Memorie. Vaara deckt Karten auf, doch manchmal klappt dafür eine bereits gesehene wieder um und nicht immer bleibt das Bild im Gedächtnis. An dieser Stelle gilt meine Bewunderung dem Konzept dahinter, denn es ist fraglos vorhanden und gut durchdacht, aber es bleibt eben sehr verborgen.

Das Figurenensemble

Eine letzte kleine Lobeshymne gilt es noch an das Figurenensemble zu richten. Die Frauen dominieren. Nicht nur in ihrer Zahl, auch in ihrer Stärke und Überzeugungskraft. In Ghodria und vor allem bei den vorwiegend männlichen Machthabern ist das zwar noch nicht vollständig angekommen, aber die vorgestellten Frauen arbeiten zumindest glaubwürdig und überzeugend daran, mit gewissen Vorurteilen zu brechen.

Vor allem Yalani. Ich traue ihr keinen Schritt um die nächste Straßenecke und ohne spoilern zu wollen: ich kaufe Lily Wildfire die letzte Yalaniszene nicht ab. Keine Ahnung, was hinter Yalani, ihrer Geschichte und der fast besessenen Freundschaft zu Vaara steckt, aber ich denke, da kommt noch was. (Wehe, wenn nicht!)

Schwächen des Buchs:

Wie ich oben bereits erwähnte, gehen mir bei den Verschwörungen und Ränkespielen in Ghodria stellenweise die Karten flöten. Es sind viele, viele Geheimnisse und Informationen, die mir aber an einigen Stellen zu lange aufgeschoben werden. Ich mag Rätsel und moralisch verzwickte Geheimisse, aber ich möchte ansatzweise mitspekulieren können. Mir fehlte ein wenig der hingeworfene Brotkrumen, der mich auf die richtige Spur führt. Selbst wenn er sich später als Kieselstein herausstellt, bliebe zumindest die Motivation, mitzufiebern. Ich denke, das Geflecht aus Geheimnissen, sollte ein maßgeblicher Handlungs- und Spannungsträger sein, aber für mich waren die Figuren weitaus interessanter.

Ein weiterer klitzekleiner Wehmutstropfen, der aber vermutlich persönlicher Natur ist: Mir war die Geschichte etwas zu langatmig. Und damit meine ich nicht langweilig! Ich glaube allerdings, die Handlung hätte auch auf etwas weniger Seiten gepasst. Wie bereits erwähnt, steckt in Maskenmacht eine sehr dichte, gut recherchierte Welt und da ich auch Fantasy schreibe, verstehe ich den Wunsch, jedes erdachte Detail, der Welt mitteilen zu wollen. Für mich waren es einfach ein paar zu viele. Das ist eine Macke von mir, da ich zwar gerne Fantasy lese, aber nicht davon erschlagen werden möchte. Mit ein paar Wald-, Rast- und Shoppingszenen weniger hätte ich Maskenmacht wahrscheinlich noch mehr gemocht.

Mein Fazit zu Maskenmacht – Die Verschwörung:

Maskenmacht ist ein hervorragendes Dark Fantasy Werk, in dem es sich für einige regnerische oder meinetwegen auch sonnige Tage verkriechen lässt. Es ist Fanatsy zum abtauchen. Weltenbaufans kommen hier auf ihre Kosten ebenso alle, für die Humor auch mal trocken daherkommen darf. Lily Wilfire führt Leser*innen in den epischen Auftakt einer Saga, die mit weit verzweigten Verschwörungen und starken Figuren aufwartet. Allerdings bleibt abzuwarten, wie viele dieser Figuren am Ende übrigbleiben …

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Maskenmacht: Die Verschwörung

Lily Wildfire

Fantasy
Softcover, 532 Seiten

erschienen bei Books on Demand

10. März 2020

ISBN 978-3-750440340

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