Das Leseverhalten: Zeig mir, wie du liest

Das Leseverhalten: Zeig mir, wie du liest

Zeig mir, wie du liest und ich sag‘ dir, wer du bist. Wie schnell oder langsam lesen wir? Wie viel oder wenig lesen wir? Muss unser Leseverhalten immer getrackt werden, und was stellen wir mit diesen Infos an? Das Buchensemble liest: Mal viel, mal wenig. Täglich, unregelmäßig – und wir, die Autoren vom Buchensemble, haben unser Leseverhalten beobachtet.

Gelegenheits- oder Vielleser*in

Sind wir Gelegenheitsleser*in oder Vielleser*in – und was macht das aus? Gibt es eine angemessene Anzahl an Büchern, die man in einem Monat, Jahr, Jahrzehnt gelesen haben muss? Vermutlich nicht. Es ist nicht immer nur eine Zeit-Frage, sondern auch eine Frage danach, mit wie viel gedanklichem Story-Input wir uns in einem Zeitraum beschäftigen wollen. Manche Bücher erfordern Wochen und bieten wenige Seiten zum Lesen. Dafür bieten sie viel Stoff zum Nachdenken.

Wie viel liest das Buchensemble pro Jahr?

Wiebke über Trilogien

Wiebke sagt: „20 Bücher.“

S. M Gruber über Frauenfiguren

S.M. Gruber sagt: „Im Schnitt lese ich etwa 20-25 Bücher pro Jahr.“

M. D. Grand

M.D. Grand sagt: „Irgendwas zwischen 5und 50, schätze ich.“

Kia über Kurzgeschichten

Kia sagt: „Im Jahr lese ich ziemlich genau 50 Bücher.“

Wie sehr schwankt unser Leseverhalten? Warum lesen wir manchmal mehr, manchmal weniger?

M. D. Grand

M.D. Grand sagt: „Mein Leseverhalten ist eine einzige Besonderheit. Ich habe Phasen da lese ich wirklich viel, dann wieder eine Zeit lang gar nicht. Das hängt zwar von Uni und Co ab, aber auch von meiner Laune. Manchmal bin ich geistig einfach übersättigt, da brauche ich dann nicht auch noch ein Buch dazu.“

Dean Wilkens

Dean sagt: „Ich lese mehr in Zeiten, wo es mir schlechter geht und ich der Welt entfliehen möchte.“

Magret sagt: „Es gab auch Jahre, in denen ich kaum etwas las. Und dann wieder ungewöhnlich viel. Ich brauche eine gewisse Ruhe im Leben, um lesen zu können. Unbeständige Zeiten sorgen dafür, dass ich gar nicht lesen kann. Von der Jahreszeit oder sowas ist mein Leseverhalten aber gar nicht abhängig.“

S. M Gruber über Frauenfiguren

S.M. Gruber sagt: „Ich mag es, ganz unterschiedliche Eindrücke zu sammeln und bemühe mich daher um viel Abwechslung. Meist lese ich ein bis drei dickere Wälzer pro Jahr und halte mich sonst eher an dünnere Werke, um mich durch mehr verschiedene Genres und Themen lesen zu können.“

 

Lesetempo – (K)eine Frage der Zeit

Gebe ich „Lesegeschwindigkeit“ in eine Suchmaschine ein, stoße ich zunächst auf mehrere Lesegeschwindigkeitstests. Danach folgen die „ultimativen Tipps und Tricks“, das eigene Lesetempo zu erhöhen. Es wird getrackt, optimiert und beschleunigt. Die Frage ist: Möchte ich das überhaupt?

Ich bin versucht, den Test zu machen – aber warum? Was sagt es aus, zweihundert Worte statt dreihundertvierzig Wortepro Minute zu lesen? Ich habe mich gefragt, warum ich einen Kulturtheoretisch-wissenschaftliches oder literarisch anspruchsvolles Buch innerhalb kurzer Zeit lesen soll, wenn ich mehr Spaß daran habe, mir Zeit zu lassen. Der Selbstoptimierungswahn begegnet uns in vielen Lebensbereichen und ich denke, dass es uns auch mal guttäte, ihn nicht überall als das Nonplusultra anzuerkennen.

Magret sagt: „Grundsätzlich bin ich ein schneller Leser, wenn ich mich mit anderen vergleiche. Allerdings glaube ich, dass ich dadurch auch mehr Details verpasse. Manchmal zwinge ich mich dazu, langsamer und dadurch aufmerksamer zu lesen, aber na ja, die innere Hektik will nicht.“

Ich teile Magrets Meinung, dass es auch erstrebenswert sein kann, das Lesetempo zu entschleunigen. Auch M.D. Grand sieht das ähnlich:

M. D. Grand

M.D. Grand sagt: „Wenn ich lese, lese ich und dann sehe ich nicht auf die Uhr. Von anderen Leuten weiß ich aber, dass ich im Vergleich sehr schnell lese – dafür aber manchmal ein wenig ungenau.“

S.M. Gruber liest auch mal langsam, dafür aber aufmerksam:

S. M Gruber über Frauenfiguren

S.M. Gruber sagt: „Das kommt ganz auf das Buch an – und zwar sowohl auf das Format als auch auf den Inhalt und die Sprache. […] Ich bin grundsätzlich eine langsame Leserin, da ich immer auf jedes einzelne Wort in einem Satz achte, anstatt nur inhaltserfassend zu lesen.“

 

Das Internet und das Leseverhalten

Das Internet verführt nicht nur dazu, mehr auf dem Bildschirm unseres PCs zu lesen, sondern auch mehr auf dem Display unseres Handys oder unseres Tablets zu lesen. Was macht das mit uns und unserer Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne? Die Nutzung von Internet-Lektüre hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, laut der Studie Lesen in Deutschland 2008. Schon damals schienen sich viele beim Lesen am Bildschirm wohlzufühlen.

Digitales Lesen hat seitdem noch mehr an Bedeutung gewonnen. Lesen wir auf dem Bildschirm oder mit einem Buch in der Hand aufmerksamer?Das nächste Thema ist nur einen Klick weit entfernt. Die Gefahr ist, dass wir uns daher durch das Lesen im Internet abtrainieren, uns in Themen hineinzustürzen. Wissenschaftler Jakob Nielsen sagt, dass Leser*innen im Internet nicht Wort für Wort lesen, sondern die Seiten scannen (Quelle).

Lesen im Internet bieten der Nutzerin oder dem Nutzer Ablenkung, und die Aufmerksamkeit wird gestört.Der Vorteil dabei ist, dass Leser*innen relevante Informationen in kurzer Zeit herausfiltern und abspeichern können. Wenn ich am Sonntagnachmittag mit einem Buch entspannen will, ist dies nicht ideal. Wenn icheinen wissenschaftlichen Text überfliegen muss, ist das schnelle Herausfiltern von Informationenvorteilhaft.

So individuell schnell liest das Buchensemble

Wiebke findet, dass dies von der Spannung des Buches abhängen kann:

Wiebke über Trilogien

Wiebke sagt: „Manchmal überfliege ich die Seiten nur, wenn die Handlung mich langweilt oder im Gegenteil, wenn sie besonders spannend ist, dann kann ich schätzungsweise mehr als hundert Seiten pro Stunde schaffen.“

Auch Magret findet, dass es auf das jeweils gelesene Buch ankommt:

Magret sagt: „Eine Seite von ,Die Tribute Panem‘ geht fix, eine aus ,Also sprach Zarathustra‘ dauert ewig.“

Kia über Kurzgeschichten

Kia sagt: „Ich komme pro Stunde auf 40 – 50 Buchseiten. Das kann manchmal etwas mehr, so bis zu 60 Seiten sein, wenn ich angefixt bin oder ein Jugendbuch lese, aber 40 schaffe ich immer, auch wenn mich ein Text nicht begeistert.“

Vielleicht ist es auch nicht nötig, das Lesetempo zu tracken. M.D. Grand und Dean haben es noch nicht gemessen. Muss auch nicht sein, oder?

M. D. Grand

M.D. Grand sagt: „Also das habe ich noch nie mitgemessen!“

Dean Wilkens

Dean sagt: „Das habe ich nie gemessen. Ich weiß aber, dass das sehr stark auf mein Interesse am Buch ankommt. Die meisten Bücher interessieren mich nur mäßig und die lese ich dann meist in Vorlese-Tempo. Aber ich habe auch schon Wälzer in einer Woche verschlungen.“

Zeig uns dein Leseverhalten

Hörst du beim lesen Musik? Hast du bestimmte Leseroutinen, ohne die du im Alltag nicht auskommst? Ist das Lesen vielleicht sogar Teil deines Berufs und unterliegt deswegen ganz eigenen, spannenden Routinen, von denen du uns erzählen möchtest? Hat ein bestimmtes, besonderes Buch dein Leseverhalten verändert und umgekrempelt?

Erzähl‘ uns davon. Wir freuen uns, von dir zu hören und lassen uns von deinem Input für weitere Buchensemble-Artikel inspirieren.

Curly über Antagonisten

Curly liest und hört Romane fürs Herz; Bücher, die sich nicht weglegen lassen, und Zeilen, die neue Perspektiven eröffnen. Grundsätzlich: Literatur, die zum Nachdenken verführt. Wenn sie kein Buch in der Hand hat, hat sie die Schreibmaschine (oder: das Notebook) vor sich und schreibt – als Journalistin, Autorin, Kulturanthropologin und im Marketing.

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