Lange laut lachen & kurz üppig lesen – Lange laut lachen

Lange laut lachen & kurz üppig lesen – Lange laut lachen

Anne ist tot und wie verarbeitet man so etwas? Die Ich-Erzählerin beginnt auf der Beerdigung wieder mit dem Rauchen, erst einmal muss man sich ja irgendwie auf den Beinen halten. Vor allem vermisst sie aber eins: endlich mal wieder so lange laut lachen können, wie sie es mit Anne konnte.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Stehengeblieben.
  2. Die Kapitelüberschriften gelesen, als wären sie zusammen ein Gedicht.
  3. Weitergegangen.

Mein Eindruck zu Lange laut lachen:

Ich wollte es unbedingt lesen, „Lange laut lachen“ war schon so lange (und so laut) auf meiner Liste, aber es erschien einfach nicht als E-Book. Also habe ich es nicht mehr ausgehalten und nun las ich es doch als Taschenbuch. Ist auch nicht schlecht, denn der Inhalt passt du meinen Kunstbüchern, die einzigen Bücher, die meiner Meinung nach gar nicht digital gehen.

Stärken des Buchs:

Es ist poetische Prosa. Mit wenigen Worten war mir die Protagonistin schnell wichtig, ich wollte sie beschützen, denn sie hätte nicht echter sein können, wenn sie in meinem Türrahmen gestanden hätte. Ich liebe die kleinen Details, die beweisen, dass Figuren nicht nur Schaufensterpuppen sind. Das können nur sehr, sehr wenige Autor*innen und ich möchte diese hier, Jess Tartas, bitte fressen. Also ihre Werke, aber manchmal verschwimmt das ja.

Die Message des Buches ist wichtig. Sie hat Tiefgang, sie hat Beständigkeit, aber vor allem kann sie Leben retten. Es geht nicht nur um das Wiederaufstehen, das Retten der eigenen Person, sondern darum, das Schlechte zu nehmen und andere davor zu bewahren. Das Buch ist ein Manifest, aber auch eine schützende Hand.

Tartas achtet übrigens darauf, Frauen und Diverse nicht zu benachteiligen, daher ist ihr Buch komplett gegendert. Begegnet mir ja leider sehr selten in der Buchszene, aber anhand dieses Beispiels kann ich nur sagen: Es hat funktioniert und mich auch im literarischen Rahmen gar nicht gestört.

Lange laut lachen. Foto: Magret Kindermann

Schwächen des Buchs:

Das Manifest wird gegen Ende hin alles andere als subtil. Das war mir ein wenig zu gewaltsam, aber gleichzeitig frage ich mich, ob das vielleicht nötig ist. Denn wann fangen wir eigentlich an, auf uns zu achten? Vielleicht brauchen wir das heftige Schulterrütteln, das hier passiert. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Message auch zum Ende hin ein wenig mehr in der Literatur versteckt wird.

Mein Fazit zu Lange Laut Lachen:

Das Buch hat nur 19 Seiten und ist besser als die meisten Schinken, die ich sonst kenne. Wer sich dafür interessiert, wer momentan die deutsche Literaturszene erobert, sollte es sich nicht entgehen lassen. Es ist intelligent und besitzt mehr Sprachgefühl als ich mit einem Glas Rotwein in der Hand. Ihr wollt mehr Kunst? Da habt ihr Kunst.

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Lange laut lachen

Jess Tartas

Gegenwartsliteratur
Softcover, 19 Seiten

erschienen bei SUKULTUR

Oktober 2019

ISBN 978-3-955661113


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