Schlecht oder Ungewöhnlich? – In Gesellschaft kleiner Bomben

Schlecht oder Ungewöhnlich? – In Gesellschaft kleiner Bomben

Eine kleine Bombe geht auf einem indischen Markt hoch und verändert damit das Leben der Protagonisten für immer. Terroristen, Opfer, Angehörige und die Bombe selbst – mit wechselnden Perspektiven verfolgt der Roman die Lebensläufe verschiedener Figuren und versucht dabei laut Klappentext, folgende Fragen zu beantworten: Was macht Terrorismus mit uns? Und wie werden Menschen zu Terroristen?

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Erleichtert das Buch zur Seite gelegt.
  2. Mir endlich was anderes zum Lesen geholt.
  3. Mich gefragt, was zum Teufel ich euch über dieses Buch erzählen soll.

Mein Eindruck zu In Gesellschaft kleiner Bomben:

Versteht mich nicht falsch. In Gesellschaft kleiner Bomben ist durchaus ein Buch, das man mal lesen kann. Aber so richtig gut oder wohldurchdacht finde ich es nicht gerade. Es  ist weder unterhaltsam, noch gut geschrieben, hat blasse Charaktere, die nur dazu dienen, den Ideen des Autors zu transportieren und ist – zumindest meiner Ansicht nach – meilenweit entfernt davon, die Fragen zu beantworten, die der Klappentext verspricht.

Was macht Terrorismus mit uns? Offensichtlich macht er uns schlicht und einfach verrückt, unausstehlich und absolut unnachvollziehbar in Handeln und denken.

Und wie werden Menschen zu Terroristen? Offenbar indem sie undankbare, unglückliche Typen werden, die so lange an der Vergangenheit festhalten, bis ihre Meinungen sich um hundertachzig Grad dreht, und sie mit mangelnder Bergründung andere Menschen für Dinge bestrafen, die gefühlte hundert Jahre zurückliegen.

Tja. Well done.

Immerhin ist das Cover schön.

Schlecht oder einfach nur ungewöhnlich?

Ich hatte mir ein Buch mit interessanten Gedankenspielen erwartet, eines, das mir die Augen öffnet. Und es beginnt ja auch vielversprechend. Auf einem Markt in Indien explodiert eine Bombe, Menschen schreien, zeigen ihre schlimmste Seite und lassen jene zurück, die sich nicht selbst helfen können. Soweit so gut. Und dann?

Mit schwierigem – indischen? – Schreibstil und jeder Menge seltsamer Metaphern rollt sich das (absolut langweilige) Leben der Protagonisten vor uns aus. Offensichtlich hat ihnen die Bombe zugesetzt, ja, aber selbst in Anbetracht dessen, was sie erlebt haben, kommen sie einfach nur unsympathisch und unausstehlich weg – mal im Ernst: Es gibt glaube ich nicht eine Stelle, an der nicht alle Charaktere gleichzeitig jammern und in ihrem eigenen Schwachsinn versinken.

Wirkliche Tiefe und Nachvollziehbarkei fehlt und so bekommt man als Leser schnell den Eindruck, als würden sie einfach nur dazu dienen, Gedanken des Autors zu transportieren – und das nicht gut. Random Einwürfe über die indische Geschichte zieren das Werk (immerhin weiß ich jetzt, warum Moslems in Indien verfolgt werden), es folgt ein langes Hin und Her zwischen Opfern, Terroristen und Angehörigen, wobei sie ihre Rollen nach und nach wechseln. Nachvollziehbare Erklärungen für das, was passiert, sucht man vergebens, dafür kriegt man einen riesen Haufen Emotionen ins Gesicht, von denen man nicht weiß, wie man mit ihnen umgehen soll.

Das einzig gute bleibt dabei die Grundidee und die Message, dass auch jene “kleinen Anschläge” schlimm sind und jedes Opfer – egal ob tot oder “nur” verletzt – eine Geschichte und eine Familie hat, die unter den Folgen leidet. Dennoch vermag der Text kein Mitleid bei mir zu erregen und auch sonst keine Emotionen, außer, dass ich immer wieder gehofft habe, dass das Buch dann endlich bald mal zu einem Ende kommt.

In Gesellschaft kleiner Bomben. Foto: M. D. Grand

Mein Fazit:

Ist In Gesellschaft kleiner Bomben nun ein schlechtes Buch? Nein, nicht unbedingt. Es ist ein … sagen wir interessantes Buch, das bestimmt manchen Menschen gefällt – mir persönlich war es zu eintönig, zu jammrig und bei weitem zu unnachvollziehbar. Bis zum Ende frage ich mich, was der Autor jetzt genau bezwecken wollte und gebe diese Frage auch gerne an die anderen Leser weiter. Vielleicht habe ich das Buch einfach nicht verstanden oder hatte zu wenig Lust, über dieses tatsächlich sehr wichtige Thema nachzudenken – aber ganz ehrlich: Mansoor und seine Kumpanen machen es einem auch nicht gerade leicht, auch nur eine Sekunde mehr als nötig an sie zu verschwenden.

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In Gesellschaft kleiner Bomben

Karan Mahajan

Gegenwartsliteratur
Hardcover, 376 Seiten

erschienen bei btb

08. April 2019

ISBN 978-3-959880220


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