Im Stroboskoplicht – Wollen wir tanzen?

Im Stroboskoplicht – Wollen wir tanzen?

Verena tanzt. Im Drogenrausch tanzt sie, sie hat ein Geheimnis. Eines, das ihr unter die Haut geht, tief in den Bauch, und dort langsam, aber stetig seine Wurzeln schlägt …

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Mir das Konzept von eDition näher angeschaut
  2. Die Geschichte noch einmal gelesen.
  3. Aufgeräumt.

Mein Eindruck zu “Wollen wir tanzen”:

Ich weiß gar nicht, ob wir das dürfen – eine einzelne Kurzgeschichte rezensieren? Was aber, wenn die Kurzgeschichte intensiver ist als so mancher Roman? Außerdem steckt in dem Wort “E-Book” ja auch Buch, also nehme ich an, es ist legitim und sowieso: Es geht ja eigentlich nur darum, euch etwas über meine Lektüre zu erzählen und da gehört Daniel Klaus nunmal dazu.

“Wollen wir tanzen” ist also eine Kurzgeschichte. Sie ist als E-Book erhältlich (ja, ich weiß, ich wiederhole mich), und zwar über eDition, eine Art Online-Portal, bei dem man kurze Storys online lesen, als Epub oder als PDF runterladen kann. “Die Literatur-Mediathek für Kurztexte” – so beschreibt es der VHV-Verlag selbst. Und sie ist von Daniel Klaus (genau, bisher hab ich euch nichts anderes erzählt als im ersten Absatz, ich merke es ja selbst).

Jetzt zum Neuen: Daniel Klaus kenne ich von den Berlin Authors als einfühlsamen Autor und als ich von seiner Neuerscheinung erfahren habe, dachte ich mir: Warum nicht? Als ich aber die Leseprobe (also den Anfang) gelesen hatte, wurde daraus ein “Bitte unbedingt” – denn wer schon mal was von Daniel Klaus gelesen hat, der weiß: Schreiben kann er definitiv.

Stärken der Kurzgeschichte:

“Wollen wir tanzen” ist keine besonders lange Kurzgeschichte. In ein paar Minuten ist man damit durch, aber – und das ist das Wesentliche – sie gibt einem etwas, das bleibt. Einen leichten Nachgeschmack nach Erbrochenem und Schweiß, ein ungutes Gefühl im Bauch, aber gleichzeitig auch ein Gefühl der Hoffnung und des hereinbrechenden Morgens: So dicht ist die Atmosphäre, die Daniel Klaus malt. In wenigen Sätzen schafft er es, Charaktere heraufzubeschwören, die in die Tiefe gehen. Behutsam kreiert er Emotionen und selbst, wenn man wie ich als behütetes österreichisches Stadtkind (also für Berlin-Verhältnisse “Provinz”) keinen Tau von der Berliner Drogenszene hat und damit auch eigentlich nix anfangen kann, packt einen die Story und zieht einen mit hinein in den Club.

Auch stilistisch und von der Wortwahl her überzeugt die Kurzgeschichte, baut Spannung auf und lässt einen die Worte mehr fühlen als lesen. Sie gibt genau so viel preis, wie sie preisgeben muss … allerdings ganz im Gegensatz zu ihrem Klappentext.

Schwächen der Kurzgeschichte:

Den Klappentext nämlich, den darf man nicht lesen. Vielleicht zum Schluss, okay, aber bestimmt nicht davor, weil er einfach alles, was Daniel Klaus so behutsam aufbaut, in einem sehr direkten, plumpen Satz vorgibt und damit die gesamte Spannung der Story zerstört. In anderen Worten: Falls ihr die Kurzgeschichte nach meiner Rezi lesen wollt, kauft das E-Book einfach ohne irgendwas zu lesen, was eDition zur Story schreibt. Sonst ist der ganze Zauber hin.

Mein Fazit zu “Wollen wir tanzen”:

“Wollen wir tanzen” bleibt also eine sehr gute Story, deren einziger Makel meiner Ansicht nach ihr Klappentext ist. Nachdem der nicht unbedingt Teil der Geschichte ist, mir aber das Lesevergnügen trotzdem dezent gedämpft hat, verbleibe ich mit 4,5 Sternen und einer klaren Empfehlung für die Geschichten von Daniel Klaus. Ich bin sehr gespannt, womit er uns als nächstes überrascht!

Du willst mehr von M. D. Grand lesen? Hier gelangst du zu ihren Rezensionen.



Wollen wir tanzen?

Daniel Klaus

Kurzgeschichte
E-Book, 17 Seiten

erschienen bei VHV-Literatur und Kultur Verlag

2021

ohne ISBN veröffentlicht

Jetzt für 1,50 € kaufen

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