Erotik, wie sie sein soll – Hautfreundin

Erotik, wie sie sein soll – Hautfreundin

Ein erotisches Buch, das die Worte in den Mund nimmt. Ein Aufbrechen von Tabus. Ein Porno mit Handlung, mit Charakteren und einer Message. Eine Ode an die Weiblichkeit. Eine Ode an den weiblichen Orgasmus. Eine poetische Erzählung. Eine sexuelle Biographie – das alles und noch viel mehr ist Hautfreundin. Ein Buch, das die Erotikliteratur bitte, bitte nachhaltig prägen sollte.

 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Mich gefragt, ob es noch mehr solcher Erotik-Bücher gibt oder ob 50-Shades den Markt nachhaltig verwüstet hat.
  2. Das Buch diversen Freundinnen empfohlen.
  3. Dieses Buch euch empfohlen.

Mein Eindruck zu Hautfreundin:

Die Landschaft der Erotik- und Pornoindustrie gilt als nachhaltig verwüstet und von Männern geprägt, als schmutzig und billig. Dieses Buch ist nichts davon. “Hautfreundin” ist von einer Frau für Frauen, eine “sexuelle Biographie”, wie es heißt. Vielleicht sogar ein Manifest, das nachhaltig mit diesem Genre aufräumt und alles zur Sprache bringt, worum es beim Sex und bei Weiblichkeit wirklich geht und gleichzeitig der Literatur treu bleibt. Poetisch, ergreifend, einzigartig. Bitte lest dieses Buch!

Stärken des Buchs:

Ich glaube ich habe in der Einleitung eigentlich schon alles wichtige erwähnt, aber damit der Eindruck vollständig ist, gehe ich doch nochmal ins Detail. In “Hautfreundin” erzählt Doris Anselm die sexuelle Biographie der Erzählerin in verschiedenen kurzen Geschichten. Sie sind explizit, anzüglich, erotisch, brechen ein Tabu nach dem anderen, reden ungeniert über Körpersäfte, Körperlichkeiten, Bedürfnisse (auch die “seltsamen”) – alles, was eigentlich normal sein sollte.

Fast schon pornographisch wird das Sexleben der Protagonistin aufgerollt, erlaubt sich, frech zu sein, intelligent und vielleicht auch manchmal ein bisschen verstörend, bringt Geheimnisse zum Vorschein, die wir (Frauen?) alle in uns tragen. Dabei geht es weder um Liebe noch um Verständnis, es geht um die Freiheit der Sexualität, die Freiheit, über Sexualität zu sprechen und sie auch auszuleben, ungeniert. Dabei wird nicht kategorisiert, es ist kein Genderkampf, keine Debatte. Es ist, was vorne oben steht: Eine offene, sexuelle Biographie, wie wir sie alle haben. Ein Leben, nur eben dass der Fokus auf allem liegt, was sonst gerne als schmutzige Details im Hinterkopf verschwindet.

Schwächen des Buchs:

Die einzige Schwäche dieses Buches ist, dass es nicht mehr davon gibt. Und, falls jemand 50 Shades oder einen Porno erwartet mit brettharten Bauchmuskel-Typen, in die man sich sofort verliebt: Vorsicht, die gibt’s hier nicht. Hier geht’s um sexuelle Identität.

Hautfreundin. Foto: M. D. Grand

Mein Fazit:

Wenn ich eine Lieblingsgeschichte in “Hautfreundin” nominieren müsste, dann wäre es wahrscheinlich “Report aus der Zukunft”, weil es doch nochmal ein bisschen anders war. Aber eigentlich mochte ich alle, jede war für sich gut und zusammen war das Bild einfach nur harmonisch. Ich hoffe sehr darauf, in Zukunft mehr von und so ähnlich wie Doris Anselm lesen zu dürfen. Die Welt braucht einfach mehr davon! Danke!

Dir gefällt diese Rezension von M. D. Grand? Hier findest du mehr davon!

Hautfreundin. Eine sexuelle Biographie

Doris Anselm

Genre
Hardcover, 256 Seiten

erschienen bei Luchterhand

27.05.2019

ISBN 978-3630876030


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