I feel you – Halt die Klappe, Kopf! [Rezension]

I feel you – Halt die Klappe, Kopf! [Rezension]

“Halt die Klappte, Kopf!”: Wir alle wissen, was ein Burn-Out ist, und wir alle wissen, wie wichtig Selfcare ist. Trotzdem verhalten wir uns oft ziemlich dämlich; Und so dämlich habe ich mich in letzter Zeit verhalten, so dämlich hat sich Lisa Sophie Laurent verhalten, und so dämlich verhält sich irgendwie jeder.

Mit ihrem biografischen Ratgeber will Lisa Sophie Laurent einen entscheidenen Schritt gegen Erwartungerfüllen, Stressanziehen, Kramzerdenken und Sichüberfordern gehen. Dafür adressiert sie die Jugendlichen und stellt hoffentlich einige Stellschrauben, die auch mir im Alter von 17 Jahren gefehlt haben.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich habe das Kapitel über #Friendshipgoals noch einmal gelesen
  2. Meine Freundes- und Abschussliste kam zum Einsatz
  3. Ich habe mich an einen Freund gewendet, um nicht allein zu sein

Mein Eindruck zu “Halt die Klappe, Kopf!”:

Was ich erwartet habe, hat “Halt die Klappe, Kopf” total erfüllt. Ein Buch für Jugendliche, das Lisa Sophie Laurent authentisch zeigt und Wege aus der Abwärtsspirale kurz vor oder nach dem Burn-Out zeigt, ohne dabei altklug oder belehrend zu wirken. Dieses Buch ist locker geschrieben, enthält ausschließlich persönliche Erfahrungen der Autorin und der Gastautorinnen, enthält Tipps und immer diesen Ton einer großen Schwester, der zwischen den Zeilen sagt: “Alles kann, nichts muss, schalt mal einen Gang runter, und wenn diese Übung bei dir nicht wirkt, ist das kein Drama!”.

Die Jugend braucht dieses Buch!

Lisa Sophie Laurent erzählt in “Halt die Klappe, Kopf!” wie es dazu kam, dass sie als gestrandeter Wal auf ihrem Sofa landete. Plötzlich ging nämlich gar nichts mehr. Die Journalistin und YouTuberin hat sich überfordert, nicht auf sich gehört und war schließlich zu nichts mehr in der Lage. Mit Panikattacken, unangenehmen Situtationen und allem drum und dran. Das erzählt sie einerseits sehr authentisch, andererseits auch für jüngere Leser*innen gut nachvollziehbar. Das finde ich stark.

A propos stark: Ich habe noch gar nicht erzählt, worum es in diesem Buch geht! Die allergrößte Stärke von “Halt die Klappe, Kopf!” ist klar die Thematik:

  • Selbstfindung
  • Werte, Visionen, Stärken
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Selbstfürsorge
  • Freundschaften (pflegen und auch beenden)
  • mentale Gesundheit
  • Zeitmanagement, Routinen, Organisation
  • soziale Angst, Umgang mit psychischen Erkrankungen und “Nicht-Normal-Fühlen”

Absolut genial. Hut ab. Genau dieses Buch hat die Welt gebraucht. Genau dieses Buch hätte ich vor zehn Jahren gerne gelesen. Und genau diese Themen sollen Jugendliche spätestens mit Beginn der Pubertät in ihr Leben lassen.

(Weitere) Stärken des Buchs:

Zwischen den von der Autorin verfassten Kapiteln gibt es ein paar Gastbeiträge, etwa von Jana Kaspar (JANAKlar) oder von Maria Popov. Aufgelockert wird das ohnehin schmale und kurzweilige Buch durch Community-Seiten, auf denen durch die Instagram-Community von Lisa Sophie Laurent Ideensammlungen entstanden sind.

Außerdem gefällt mir gut, wie die Autorin konsequent mit Sternchen gendert und an jeder erdenklichen Stelle die Samthandschuhe auspackt: Nichts, was sie sagt, ist eine goldene Regel, nichts funktioniert für jede*n, und wer auch immer gerade dieses Buch in der Hand hält: “Du bist okay!”. Das kommt zumindest permanent beim Lesen rüber, was mir sehr gefallen hat.

Was ist noch zu nennen? Das Layout ist verspielt und ansprechend, vermutlich der oft als “aufmerksamschwach” bezeichneten Zielgruppe der 14 – 17 Jährigen angepasst. Ich bin ein bisschen “zu alt” für das Buch, fühle mich aber nicht durch das flippige Innendesign aus dem Konzept gebracht.

Schwächen des Buchs:

Was mich richtig genervt hat, ist dieses “ihr”. Ich weiß, in YouTube-Videos spricht man so mit den Zuschauer*innen, aber können wir uns darauf einigen, dass ein Buch meist von einer Person gehalten wird? Ein Bildschirm, mehrere Zuschauer. Ein Buch, eine Person. Ich will nicht in der Mehrzahl angesprochen werden. Es kommt viel besser an, wenn es ein “du” ist. Das ist es übrigens auch: Im Gastbeitrag von Jana Kaspar, aber nur in ein paar Absätzen, da wird einfach mal das “du” und “ihr” wahllos abgewechselt. Nerv!

Auch gestört hat mich, dass die Themen alle eher oberflächlich vorkommen. Klar, es geht um Lisas Erfahrungen, das Ding ist autobiografisch und sehr authentisch, aber ein paar Hintergründe wären auch für Jugendliche toll. Ich habe das Gefühl, dass die Leser*innen bei diesem Werk ein wenig unterschätzt worden sind.

Unterschätzt wurden auch meine Nervenbahnen: Ich mag Lisa Sophie Laurent, ich höre beim Lesen ständig ihre Stimme, aber das Buch ist (übrigesn serifenlos, aaaaahhh!!!) geschrieben, wie die Autorin spricht. Ständig mit “allerbeste” oder “super viel” in den Superlativ zu hüpfen ist ein wenig anstrengend auf Dauer.

Übrigens: Wie bei Großverlagstiteln üblich, gibt es natürlich auch in “Halt die Klappe, Kopf” den obligatorischen Das-Dass-Fehler. In diesem Werk findet ihr ihn auf Seite 117. Dort heißt es: “Dankbarkeit ist etwas, dass ihr immer mit euch tragen könnt […]”.

Mein Fazit zu “Halt die Klappe, Kopf!”:

Ich halte dieses Buch für sehr angenehm zu lesen und sehr wertvoll für die Jugendlichen von heute. Als 17-jährige, die ihr erstes Burn-Out herangezüchtet hat, hätte ich es gut gebrauchen können. Allgemein sind die Themen Selfcare, Selbstliebe, Selbstwert und die Fähigkeit, überhaupt mal allein zu sein, ohne wahnsinnig zu werden, total wichtig. Warum lest ihr sowas nicht in der Schule, liebe Lehrer? Das ist für die Zielgruppe viel wertvoller als was ich damals so lesen musste.

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Halt die Klappe, Kopf!

Lisa Sophie Laurent

Ratgeber Biografisch Für Jugendliche
Softcover, 192 Seiten

erschienen bei FISCHER New Media

25. September 2019

ISBN 978-3-733505752


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Kia über Kurzgeschichten

Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Beim Buchensemble gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.

3 Replies to “I feel you – Halt die Klappe, Kopf! [Rezension]”

  1. Hallöchen,
    eine tolle Rezension hast du da geschrieben! Ich bin schon ein paar mal an dem Buch vorbeigegangen. Ich kenne die Youtuberin auch und finde sie ganz nett. Thematisch klingt dieser Ratgeber sehr, sehr toll, aber was du über Gestaltung und Wortlaut geschrieben hast, schreckt mich eher ab. Schade, dass das Buch so explizit für diese eine Zielgruppe gehalten wurde und nicht etwas größer gefächert.
    Liebste Grüße, Kate

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