Kelly ist die Beste – George

Kelly ist die Beste – George

George ist ein Grundschulmädchen, das eigentlich ganz normale Träume und Hobbies hat. Sie schaut sich die tollen Mädchen in den Zeitschriften an und träumt davon, einmal so schön zu sein wie sie, sie hat eine beste Freundin, mit der man Pferde stehlen kann, und sie möchte im Schultheater die Hauptrolle spielen. Also nimmt sich George vor, für das Theaterstück vorzusprechen und beginnt allmählich, sich zu trauen, ihren Mitmenschen die Wahrheit zu sagen: George ist ein Mädchen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich war total glücklich
  2. Entschieden, dass diese Rezension eine 5-Sterne-Rezension wird
  3. Mir gewünscht, dass dieses Buch Pflichtlektüre in der Grundschule wird

Mein Eindruck zu George von Alex Gino:

George von Alex Gino ist ein rührendes, süßes, einfaches, wahrhaftiges und einzigartiges Jugendbuch ab 10 Jahren. Doch auch ältere Leser*innen sollten dieses Buch lesen. Ich habe das Hörbuch gehört und kann es jedem empfehlen.

Stärken des Buchs:

George ist ein unheimlich niedliches Mädchen. Sie lebt in einer ganz “normalen” Familie. Und damit meine ich: Sie lebt in einer bilderbuchartigen, klassischen Familie, in der alle Klischees bedient werden. Der Vater ist mir jetzt, nachdem das Lesen des Buches eine Woche her ist, gar nicht präsent und ich weiß nicht so recht, ob es überhaupt einen Vater gab (Klischee!). Die Mutter achtet darauf, was andere denken und wie die Familie nach außen wirkt (Klischee!), und der ältere Bruder redet gern über Kotze und Ekelhaftes, spielt Mario Kart und neckt seinen kleinen Bruder (Klischee!).

Und als George allmählich beginnt, mit der Sprache rauszurücken, glaubt die Mutter natürlich, dass George sie veräppelt oder eine komische Phase hat (Klischee!) und der große Bruder vermutet, dass George schwul ist oder heimlich mit den Zeitschriften masturbiert – jedenfalls nicht, dass George ein Mädchen ist. Dieses Klischee-Umfeld wäre in jedem anderen Buch nervig gewesen, aber gerade in dieser Geschichte über ein junges Transmädchen hat es hervorragend gepasst. Das Buch gibt Lesenden, die in einer ähnlichen Situation stecken, sehr viel Mut und zeigt, dass auch die engstirnigsten und verbissensten Leute akzeptieren lernen können, dass jemand “anders” ist.

Besonders stark fand ich an diesem schönen Jugendbuch, wie reduziert die Geschichte auf das Thema ist. Ich habe vor einigen Wochen “Girl running, boy falling” rezensiert und dabei bemängelt, dass die Geschichte erst nach 50 % des Buches losgeht. Bei George ist das anders: Alles, was passiert, hat mit der direkten Charakterentwicklung des Mädchens zu tun. Alles, was passiert, treibt die Handlung voran. Alles ist relevant und spannend. Das hat mir sehr gut gefallen.

Außerdem hat mir Kelly gefallen. Kelly ist Georges beste Freundin und einfach mega cool. Sie ist realistisch gezeichnet, hat Ecken und Kanten, aber trotzdem hat sie irgendwie etwas… ja, etwas Leuchtendes. Jeder sollte eine Kelly haben.

Das Hörbuch “George”:

Ich habe George als Hörbuch, gelesen von Julian Greis, gehört. Julian Greis macht einen fantastischen Job: Er verstellt die Stimme je nach Charakter, der spricht, und wenn jemand lacht, zögert oder schreit, kommt auch das sehr authentisch und unterhaltsam rüber. Das Hörbuch ist wirklich toll und nicht nur für Erwachsene als “Lese-Snack zwischendurch” mit seinen 3:33 Stunden Laufzeit, sondern auch für Kinder bestimmt ein sehr gutes Hörbuch, vor allem, wenn das Kind eigentlich noch Hörspiele gewohnt ist.

Schwächen des Buchs:

Etwas nervig und daher auch schwach fand ich den klassischen Antagonisten. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß, aber er hatte im Grunde nichts zu melden, war nur an einer Stelle wirklich relevant und sein Charakter ein Klischee der Dunkelheit: Ein übler Schlägertyp (in der Grundschule?!), will cool sein, unterdrückt andere, akzeptiert nicht, wenn etwas nicht nach seiner Nase läuft und ist im Grunde einfach nur in das Buch eingebaut worden, um George zu unterdrücken. Mir fehlt hier ganz klar die Tiefe und eine gewisse Individualität. Vielleicht hätte man hier mehr rausholen können, aber dem Buch tut diese Schwäche tatsächlich kein Abbruch. Und wer weiß, vielleicht gibt es solche Personen ja im echten Leben wirklich?

Mein Fazit zu George von Alex Gino:

Ich finde, dass George ein Buch für jung und alt ist und eine hervorragende Pflichtlektüre in der Schule abgeben würde. Im Ernst: Statt Vorstadtkrokodile, Im Schatten der Wächter, das Buch mit dem Guhl, Mathilde Möhring und Faserland hätte ich in meiner Schulzeit viel lieber etwas über Transsexualität, Depressionen, soziales Miteinander und “Die Sklavin” gelesen. Ich glaube, ich schreibe mal einen Artikel über die besten Schullektüren – also darüber, welche Bücher Schullektüren werden sollten. “George” wäre jedenfalls die erste Schullektüre, die in der vierten oder fünften Klasse gelesen werden sollte.

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George

Alex Gino

Jugendbuch ab 10 Entwicklungsroman
Hardcover, 208 Seiten

erschienen bei Fischer

25. August 2016

ISBN 978-3-737340328


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