Ach wie gut, dass niemand weiß – Die Telefonistin

Ach wie gut, dass niemand weiß – Die Telefonistin

Mrs. Dalton hört mit. Sie ist nämlich Telefonistin, da gehört das quasi zum guten Ton. Ein paar Informationen dort, ein paar Gerüchte da – bis sie eines Abends ein Gerücht belauscht, in dem es um sie geht. Die Information, die sie erhält, verändert ihr ganzes Leben und auch ihre Stellung in der Kleinstadt der 50er-Jahre steht plötzlich auf dem Spiel. Doch Vivian Dalton lässt sich nicht unterkriegen. Sie setzt alles daran, ihren Ruf zu wahren und ihre Ehre wiederherzustellen – und Rache zu üben, an den Personen, die ihr idyllisches Leben auf so unangenehme Weise auf den Kopf gestellt haben.

 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Mir einen Tee gemacht.
  2. Mir ein Bad eingelassen.
  3. Schlafen gegangen.

Mein Eindruck zu “Die Telefonistin”:

Gretchen Bergs “Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit” ist eine satirische Kleinstadtgeschichte mit intelligentem, unterschwelligen Humor. Die Handlung rückt zwar zugunsten eines Sittenbildes der 50er-Jahre in den Hintergrund, zeigt damit aber auf amüsante Weise verschiedene Sichten verschiedener Bürger und unterhält, ohne jemals all zu spannend zu werden. Trotzdem ist das Buch alles andere als Langweilig, sondern besticht durch seinen charmanten Erzählstil.

 

Stärken des Buchs:

Diesen Erzählstil würde ich tatsächlich als die große Stärke des Buches bezeichnen. Der bzw. die allwissende ErzählerIn begleitet einen durch das gesamte Buch,  deckt mit süffisantem Lächeln große und kleine Sünden der Charaktere auf, und lässt sie dadurch zwar nicht immer sympathisch, aber sehr lebendig und real wirken. Die amüsanten Innensichten einer Kleinstadt in den 50er-Jahren sind gut recherchiert, hervorragend miteinander verwoben und mit Rezepten und Gedichten aus der Zeit liebevoll aufbereitet.

Schwächen des Buchs:

Die Art, wie die Geschichte aufgezogen ist, bewirkt natürlich auch, dass die Charaktere oft nicht wirklich sympathisch rüberkommen. Vivian Dalton geht einem mehr als ein Mal so richtig auf die Nerven, genau wie ihre Erzfeindin Betty. Ich glaube im gesamten Buch gibt es nicht einen Protagonisten, den ich so richtig mag, aber andererseits … wie viele Menschen würde man wohl wirklich noch mögen, wenn man alle ihre Gedanken und geheimen Abgründe kennen würde? 😀

Den Mangel an Handlung hingegen kann ich ein bisschen weniger leicht verzeihen, denn auch, wenn es irgendwie eine Haupthandlung gibt, ist diese tatsächlich nicht besonders spannend und gerät so in den Hintergrund, dass ich bis zum Schreiben der Rezension abgesehen von DEM GEHEIMNIS vergessen habe, was genau jetzt eigentlich passiert.

Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit. Foto: M. D. Grand

Mein Fazit:

Trotzdem bietet “Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit” eine unterhaltsame Lektüre. Wer krimiähnliche Spannung erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein, wer sich gerne gut recherchierten Sittenbildern und amüsanten Charakterzeichnungen hingibt, für den ist das Buch genau das Richtige. Für die aus meiner Sicht ein bisschen magere Handlung im eigentlichen Sinne gibt es einen Stern Abzug, damit bleiben für Gretchen Bergs Debütroman solide 4 von 5 Sternen.

Ihr mögt M. D. Grand’s Schreibe? Hier findet ihr mehr Rezensionen!



Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit

Gretchen Berg

historischer Roman Satire
Softcover, 398 Seiten

erschienen bei Diana

11. Mai 2020

ISBN 978-3-453292352


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