Bringt Licht in die Trilogie – Die Beschwörung des Lichts

Bringt Licht in die Trilogie – Die Beschwörung des Lichts

Die Welt oder vielmehr die Welten geraten aus den Fugen, als der einstige König des schwarzen Londons seine Finger ins Rote London streckt. Der königliche Palast ist der letzte Ort, an den Osaron noch nicht vorgerdrungen ist. Während Rhy sich um die verlorenen Bürger in der Stadt sorgt, gehen Kell und Lila auf eine Reise, um ein geeignetes Mittel gegen Osaron zu finden. Leider müssen die beiden sich ausgerechnet mit Holland binden, der eigentlich erst für den Aufstieg Osarons verantwortlich ist.

Gemeinsam treten die drei letzten Antari gegen Osaron. Ein Kampf zwischen, Misstrauen, Vertrauen und dem Wissen über die eigenen Stärken steht ihnen bevor.

Kell stellt sich der größten Herausforderung seines bisherigen Lebens, Osaron ist dabei vielleicht das geringere Problem. Am Ende scheint das Machtverhältnis zwischen den Welten wieder hergestellt zu sein, obwohl nichts mehr so ist, wie es einmal war.

 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Einige Szenen erneut gelesen.
  2. Licht aus.
  3. Schlafen.

Mein Eindruck zu “Die Beschwörung des Lichts“:

Ich stelle für gewöhnlich recht hohe Anforderungen an das Finale einer Trilogie. Wenn sich eine Geschichte über drei Bücher streckt, sollte jedes davon eine Funktion erfüllen, den Figuren oder der Handlung eine neue Facette bieten. Der dritte Band muss die Handlung rund erscheinen lassen. Dabei ist mir gleich, ob es ein offenes Ende oder ein eindeutiger Abschluss ist, es sollte sich allgemein rund anfühlen. “Die Beschwörung des Lichts” gelingt genau das. Die Geschichte greift aufgezeigte Handlungsfäden auf, verleiht der Welt Tiefe und führt alle Figuren einem würdigen Ende zu.

Obwohl es der umfangreichste von allen drei Bänden ist, wirkt er nicht aufgebläht, es entstehen keine Längen und die Geschichte entpuppt sich zum Ende hin wieder als richtiger Pageturner.

 

Stärken des Buchs:

Das Buch schafft es, die Auswirkungen einer scheinbar einfachen Handlung vielschichtig darzustellen. Wie bereits in den vorangegangenen Bänden erwähnt, sind die Figuren facettenreich und glaubwürdig geschrieben. Kell bleibt sich in seiner brummeligen Art treu und mutiert nicht zum strahlenden fehlerfreien Helden. Er macht Fehler, steht dazu und lebt mit ihnen. Sein Bruder Rhy hingegen schwingt sich in diesem Band zum stillen Helden auf. Wenn ich die Charakterentwicklungen vergleiche, macht er die tiefgreifendste Veränderung durch.
Besonders lobenswert scheint mir die Darstellung Hollands, der bis zum Schluss schwer durchschaubar bleibt und sich dennoch zum tragischen Helden entwickelt. Und last but not least: Delilah Bard. Ich bin Fan von ihr, seit sie erstmals genannt wurde. Sie ist weiterhin unvernüftig, stur, mutig und vorlaut und (ungewollt) unfassbar herzlich. Ich verliebe mich selten in Buchfiguren – aber Lila ist es absolut wert.

Wie viele andere, erhält auch Delilahs Hintergrundgeschichte an Tiefe. Das Finale der Trilogie holt auf, was es in den vorigen Bänden etwas vernachlässigt hat. Viele dunkle, vergessene und verdrängte Vergangenheiten wurden angedeutet, aber nie ganz ausgeleuchtet. “Die Beschwörung des Lichts” fängt dies auf. Damit füllt die Autorin nicht nur lästige Leerstellen, sondernverleiht den Figuren zusätzliche Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Zwiespältige Figuren sind ohnehin eine Stärke der Autorin. Nicht nur Holland ist ein gelungenes Beispiel, sondern auch die Kapiänin Jasta, König Maxim, die Zwillinge Col und Cora und der ewig weise Tieren. Es wird deutlich, dass die Figuren bis ins Deteil durchdacht sind und über kleinere Schwächen in der Handlung hinwegtrösten.

Achtung Spoiler!
Wirklich wirklich gefeiert habe ich die Entwicklung zwischen Rhy und Alucard. Ihre Beziehung zueinander und vor allem die Abneigung zwischen Alucard und Kell sorgen wiederholt für Situationen, die unheimlich gut geschrieben, unterhaltsam und gleichzeitig tiefgehend sind. Überflüssig zu erwähnen, dass mir ihr Ende besonders am Herzen gelegen hat und ich sehr zufrieden mit er Umsetzung war.

Was mir weiterhin sehr gute gefallen hat, dass Lesende mehr Informationen zur Welt rund um das Rote London herum erhalten. Was im zweiten Teil durch den magischen Wettkampf bereits angedeutet wurde, wird hier weiter ausgebaut. Die politischen Beziehungen des Hauses Maresh spielen eine nicht unbedeutende Rolle im Kapf gegen Osaron und zaubern den ein oder anderen überraschenden Plottwist herbei. Durch Kells und Lilas Reise “sehen” wir auch mehr von dieser Welt und erfahren einzelne Details über Orte jenseits der Hautstadt. Also auch hier wieder ein besonders starker Weltenbau.

Schwächen des Buchs:

Eine große Schwäche stellt für mich der eigentliche Antagonist dar. Osaron ist böse. Weil er eben böse ist. Und mächtig sein will. Mehr erfahren die Lesenden leider nicht über ihn. Der Bösewicht wirkt wie das Mittel zum Zweck, um das sich die Handlung spannen kann. Er wurde schlichtweg vernachlässigt. Zählt man ihn zum Teil der Handlung, ist das verzeihlich, da die Geschichte eher figurenbasiert ist. Betrachtet man ihn als Figur, bleibt er eine leere Hülle.

Außerdem fällt auf, dass das graue London zunehmend an Bedeutung verliert. Da die Magie in dieser Stadt ohnehin ausgestorben zu sein scheint, ist das konsequent. Allerdings liest es sich stellenweise so, als würde der Handlungsstrang dort auf Zwang weitergesponnnen. Er wirkt inhaltslos und überflüssig. Auch wenn der überforderte Barbesitzer Ned durchaus Unterhaltungswert hat.

Mein Fazit zu “Die Beschwörung des Lichts“:

Die Beschwörung des Lichts” bildet einen mehr als würdigen Abschluss dieser großartigen Reihe, die sich von Buch zu Buch gesteigert hat. Das empfinde ich bei Trilogien eher selten, da habe ich oft das Bedürfnis, mindestens einen Teil herauszukürzen. Hier ist es eher so, dass ich mir rückblickend wünschte, der erste Teil hätte bereits mit ähnlicher Tiefe bestechen können.  Mein Magie-Piraten-und-irgendwie-auch-Romantik-Leserinnenherz ist sehr glücklich.

Du willst mehr von Wiebke lesen? Hier gelangst du zu ihren Rezensionen.

 



Die Beschwörung des Lichts

V. E. Schwab

Fantasy
Softcover, 720 Seiten

erschienen bei Fischer TOR

25. April 2018

ISBN 978-3-596296347

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