Führt die Spuren zu einem würdigen Schluss – Der Pakt der Bücher [Rezension]

Führt die Spuren zu einem würdigen Schluss – Der Pakt der Bücher [Rezension]

Mercy wird weiterhin von ihrer Vergangenheit verfolgt, von den jüngeren ebenso wie von den weiterzurückliegenden Ereignissen. Sie hat ein Versprechen gegeben, noch vielmehr einen Pakt geschlossen, den es einzulösen gilt. Überraschend offenbart sich ihr eine schnelle, scheinbar einfache Lösung der Probleme, doch gefällt ihr weder der Überbringer dieser Botschaft, noch die daran geknöpfte Bedingung. Die zahllosen Gefahren und Widersacher, denen sich die junge Frau erneut stellen muss sind das geringere Übel, viel schwieriger erscheint ihr der Kampf gegen die eigene Moral. Als dann zwei ihrer Freunde gefangengenommen und als Druckmittel genutzt werden, bleibt für Mercy scheinbar keine Wahl.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. bedauert, dass es das (vorläufige?) Ende der Bibliomatik ist
  2. auf die Uhr gesehen
  3. im Dauerlauf die Kinder abgeholt
Der Pakt der Bücher, Foto: Wiebke Tillenburg
Der Pakt der Bücher, Foto: Wiebke Tillenburg

Mein Eindruck zu Der Pakt der Bücher:

Der Pakt der Bücher ist eine gelungene Weiterführung von Die Spur der Bücher. Das Cover ist wieder eine wahre Schönheit und lädt den Leser förlich dazu ein, die abgegbildete Bibiliothek und die darin verborgenen Welten zu betreten. Es verspricht ein Buch, das tiefer in die Geheimnisse der Bibliomantik hineinführt. Die Geschichte wird dieser Erwartung gerecht, indem sie lose Handlungsfäden aus dem Vorgängerband aufnimmt und weiterspinnt. Stellenweise werden die Lesenden förmlich durch die Handlungsstränge gejagt, was den Spaß, den das Buch beim Lesen bereitet jedoch nicht mindert.

Stärken des Buchs:

In “Der Pakt der Bücher” ist nicht nur die Welt der Bibliomantik bekannt, sondern auch die Figuren sind größtenteils vorgestellt und leichter zu begleiten. Mercy, die mir im ersten Band noch teilweise auf die Nerven ging, hat eine Entwicklung durchgemacht und handelt für mein Verständnis wesentlich nachvollziehbarer. Nicht zwingend vernüfntig, aber nachvollziehbar. Auch Tempest und Philander schaffen es, sich weiter in den Vordergrund zu kämpfen. Vor allem Tempest schaffte es, mich von sich zu überzeugen.

Dass Cedric de Astarac wieder eine Rolle spielt hat mich sehr gefreut, ich mag diese ruhige, überzeugende Figur (aus wenn klar ist, dass er nicht so dunkel ist, wie er gerne tut). In diesem Zusammenhang ist es besonders erfreulich, dass seine selbstauferlegte Mission hier etwas mehr Raum bekommt und zum Schluss ein sehr wichtiger Baustein in der Handlung ist. Noch besser gefiel mir, dass diese Figur bis zuletzt konsequent gestaltet bleibt und weiterhin seinen Geistern folgt, auch wenn scheinbar alles geklärt ist.

Der Pakt der Bücher im Dunkeln, Foto: Wiebke Tillenburg
Der Pakt der Bücher im Dunkeln, Foto: Wiebke Tillenburg

Handlungsmotivation

Den bereits bekannten Figuren werden neue Akteure zur Seite gestellt, einige davon begeistern auf Anhieb, so wie Fiona Faerfaex, die zwar undurchsichtig und rästelhaft daherkommt, aber trotzdem eine erkennbare Handlungsmotivation mitbringt. Bei der neuen Widersacherin hat mir das leider gefehlt, aber dazu später mehr.

Eine weitere Stärke ist die Spannung, die sich konstant durch die Handlung zieht. Das Buch liest sich sehr dicht, es gibt keine Seiten, die man einfach so überfliegen könnte, ohne etwas wichtiges zu verpassen. Das hat den Vorteil, dass die Geschichte auf ihren gut zu lesenden 395 Seiten eine ganze Menge zu erzählen hat. Der Pakt, auf den sich der Titel bezieht, bietet die Grundlage für weitere Verstrickungen, auf die Mercy vermutlich gerne verzichtet hätte und beweist, dass es in der Welt der Bibliomantik niemals nur um gut gegen böse geht. Es ist an diesem Punkt auch nahezu gleichgültig, ob man die vorangegangene Trilogie “Die Seiten der Welt” gelesen hat oder nicht, auf jeder Seite gibt es neue Geheimnisse, Details und Intrigen rund um die Bibliomantik.

Ein Punkt, der mir gerade in der Bibliomatik-Reihe immer wieder verstärkt auffällt, ist die Liebe zum Detail mit der Kai Meyer seine Welten gestaltet. Ich erwähnte es bereits in der Rezension zu “Die Spur der Bücher“, wie großartig die Erfindungen und durch Bibliomantik erschaffenen oder beeinflussten Alltagsgegenstände sind. Im zweiten Band werden selbst vor dem großen Showdown, noch botanische Besonderheiten vorgestellt, die mich trotz aller Spannung zum lächeln brachten.

Schwächen des Buchs:

Wie oben bereits angedeutet hat mich die oberflächliche Gestltung der neuen Widersacherin Egyptienne ein wenig gestört. Sie ist böse, geht allen tierisch auf die Nerven und macht alles kaputt. Das ist leider die Kindergartendefinition eines Bösewichtes und mir erschließt sich rückblickend nicht ganz, warum darauf zurückgegriffen wurde. Eine Handlungsmotivation wird für diese Figur zwar angekratzt, aber nicht wirklich dargelegt, sie ist eben die Auftraggeberin. Als solche hätte sie aber auch im Hintergrund funktioniert und die Geschichte verfügt längst über ausreichend Widersacher, die wesentlich interessanter und glaubwürdiger sind.

Unglaubwürdigkeit

Eine zweite Sache gibt es noch, die mich störte, vielleicht auch wirklich nur mich. Ich fand es sehr positiv, dass viele der losen Fäden aus “Die Spur der Bücher” weiterverfolgt wurden und mir erschließt sich auch, warum nicht alle aufgegriffen werden konnten. Doch das Ignorieren von Mercys Mutter kam mir sehr abrupt vor. Während es Mercy zuletzt noch völlig umgehauen hat, zu erfahren, dass ihre Mutter lebt und wer sie ist, stört sie jetzt eigentlich nur noch ein bisschen, dass sie beinahe ihre Freunde umgebracht hat und dann spurlos verschwunden ist. Das nimmt sie hin und damit ist die Sache auch eigentlich erledigt. Kurz vor Schluss erwähnt sie dann zwar noch, dass sie keinem Gespenst nachjagen möchte und geht dann doch lieber den letzten Spuren ihres möglichen Vaters nach.

Was vermutlich der Versuch war, innerhalb von zwei Bänden sämtliche Akten zu schließen, kam mir etwas überhastet vor. Als Leserin hätte ich mir lieber einige Leerstellen mehr gewünscht und dafür etwas weniger oberflächliches Figuren-Hopping.

Die Spur der Bücher und der Pakt der Bücher, Foto: Wiebke Tillenburg
Die Spur der Bücher und der Pakt der Bücher, Foto: Wiebke Tillenburg

Mein Fazit:

Der Pakt der Bücher* bildet einen würdigen Schluss der Bibliomatik-Reihe, auch wenn das Buch die Lesenden etwas wehmütig zurücklässt. Denn der Eindruck, dass diese Welt noch so viel mehr zu bieten hat, bleibt bestehen. Mit der gewohnten Spannung schafft es Kai Mayer eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, die dabei jedoch nicht oberflächlich bleibt. Der Gedanke, was Menschen antreibt, begeistert und in den Wahn treibt ist allgegenwärtig. Ebenso das Spiel mit der Wirklichkeit, das sich bei einem Buch über eine Welt zwischen den Seiten anbietet, sorgt für Tiefe, die dazu anregt, über die eigene Wirklichkeit nachzudenken (und mich als Autorin über meine eigenen Figuren sowie das, was ich ihnen antue).

Von meiner Seite aus gibt es eine ganz klare Leseempfehlung und den dringenden Wunsch nach mehr Bibliomantik in dieser und jeder anderen Welt.

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Der Pakt der Bücher

Kai Meyer

FantasyJugendbuch
Hardcover, 400 Seiten
erschienen bei Fischer FJB
26. September 2018
ISBN 978-3-841440068

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Wiebke über Frauenfiguren

Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

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