Eine klassische Vampirgeschichte – Das Rot der Nacht

Eine klassische Vampirgeschichte – Das Rot der Nacht

Belanca lebt in einem gottesfürchtigen Dorf, dessen Bürger sich seit Jahren erfolgreich gegen Hexen und andere dunkle Vertreter behaupten. Doch Belanca sucht Hilfe in einem Turm, der einsam im Wald steht und von allen gemieden wird.

Darin trifft Belanca auf das Böse und ihre Zeit in dem friedlichen Dorf zerrinnt ihr zwischen den Fingern.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Schon zu Ende?
  2. Fortsetzung?
  3. Keine Fortsetzung …

Mein Eindruck zu “Das Rot der Nacht”:

“Das Rot der Nacht” ist ein rundum wohlfühl Vampirroman. Niemand glitzert oder schmachtet und der Vampir verfügt auch sonst über eher wenig Special-Effects. Das abgelegene Dorf im Wintermatsch Setting passt hervorragend zur Geschichte, ist liebevoll beschrieben und weitgehend frei von übertriebenen Klischees. Belanca ist als Protagonistin zunächst nicht übermäßig sympathisch, aber glaubhaft und führt die Lesenden würdevoll in ihren Untergang.

Stärken des Buchs:

Wie wir es von Katrin Ils gewohnt sind, bevölkert sie auch diese Geschichte mit gut durchdachten und glaubwürdigen Figuren. Das Dorf, in dem Belanca lebt, liegt einsam im Wald, seine Bewohner*innen sind streng gläubig und flüchten sich mit der Angst vor Hexen und Wandlern in die Kirche. Obwohl Belanca Teil dieser Gemeinschaft ist, wird schnell deutlich, dass sie eine Außenseiterin ist. Das Paar, bei dem sie zunächst lebt, akzeptiert sie und bietet ihr ein sicheres Heim. Es wird deutlich, dass die beiden zwar verheiratet sind und einander achten, aber ihre Herzen teilweise anderen gehören. Hier gefällt mir, dass dieser Umstand als Gewissheit existiert, das Paar jedoch nicht verbittert wirkt.

Ähnlich liegt der Fall bei Belancas Geliebtem, der eine andere Frau heiraten muss. Der Autorin gelingt es, funktionale Ehen zu beschreiben, ohne die Beteiligten als willenlose Opfer darzustellen. Simon, der für Belanca den Ausgangspunkt der Handlung darstellt, ist sich seiner Pflicht als zukünftiger Gutsherr bewusst und akzeptiert sie. Wie er dabei mit Belanca umgeht, steht auf einem anderen Blatt.

Wie oben bereits angedeutet, ist Belanca nicht gerade eine Sympathieträgerin, aber sie durchläuft eine enorme Entwicklung und ist am Ende eine andere Person, die ich persönlich wesentlich besser ausstehen konnte. Die Protagonistin geht buchstäblich durch die Hölle. Wirken ihre Schritte zunächst unbedacht und naiv, so übernimmt sie zunehmend Verantwortung und beginnt, die Welt um sie herum zu hinterfragen.

Kommen wir zu den “Bösewichten”. Er glitzert zwar nicht, aber der Vampir ist zum dahinschmelzen gut geschrieben. Nicht, weil er besonders charmant oder gutaussehend ist, er ist zwiespältig, wie er es in seiner Position nur sein kann. Er handelt böse und Lesende kommen nicht umhin, ihn dafür zu verurteilen. Dennoch ist er irgendwann gezwungen, Belanca ernstzunehmen. Achtung Spoiler: Der Übergang vom naiven Opfer über eine ernstzunehmende Gefahr bis hin zur Ebenbürtigen ist schön beschrieben. Letztlich ist der Herr Vampir derjenige, der Belanca aus ihrer Situation heraus hilft.
Über den weiteren Bösewicht möchte ich nichts allzu viel verraten, aber auch hier ist eine glaubwürdige, klischeefreie Figur gelungen.

Das Magiesystem der Geschichte ist an sich klassisch gestaltet. Es gibt Hexen, Wandler, Dämonen und viele streng gläubige Dörfler, ein bekanntes Gefüge, das auch hier sehr gut funktioniert und an vielen Stellen für kleine Überraschungen sorgt.

Schwächen des Buchs:

Es ist eine rundum gute Vampirgeschichte, ich habe einfach nichts zu meckern.

Mein Fazit zu “Das Rot der Nacht”:

“Das Rot der Nacht” ist ein klassicher Wohlfühlroman für alle Vampirfans. Die Geschichte bringt eine angenehme Dosis Grusel für regnerische Herbst- und Wintertage und hält trotz seiner klassischen Gestaltung ausreichend Überraschungen und spannende Details bereit.

Ich kann hier einfach keine Sterne abziehen.



Das Rot der Nacht

Katrin Ils

Fantasy (Dark Fantasy)
Softcover, 348 Seiten

erschienen im Selbstverlag

23. November 2020

ISBN 978-8-569735587

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