Durch Abgründe und Höhenflüge – Das Lied der Krähen

Durch Abgründe und Höhenflüge – Das Lied der Krähen

Sechs Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, begeben sich auf eine aussichtlose und lebensgefährliche Misson. Am Ende winkt ihnen unvorstellbarer Wohlstand und für einige von ihnen damit das Versprechen von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Jedes Mitglied der außergewöhnlichen Truppe verfügt über ein Talent, das für das Erreichen ihres Ziels vorteilhaft ist. Über verschiedene Etappen ihres, oder viel mehr Kaz Brekkers, Plans nähern sie sich der Erfüllung ihrer Mission.
Doch lässt sich nicht jede Wendung vorausplanen und die Lesenden dürfen verfolgen wie die sechs Krähen immer weiter in eine Katastrophe schlittern.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Nach weiteren Seiten im Buch gesucht
  2. Die Autorin gegoogelt
  3. Den zweiten Band bestellt

Mein Eindruck zu Das Lied der Krähen:

Ich habe “Das Lied der Krähen” schon einige Zeit im Regal stehen gehabt, bevor ich es endlich las. Das Buch wurde längst gehyped als ich es kaufte, Leigh Bardugo hatte den zweiten Teil schon veröffentlicht, der auf ein ebenso positives Echo stieß. Trotzdem war ich skeptisch, bin ich immer bei Büchern, die allgemeine Begeisterung auslösen. Ich hatte wohl Angst, enttäuscht zu werden. Wurde ich nicht. Es brauchte etwa dreißig Seiten und ich war der Geschichte erlegen. Meine Lesezeit betrug für das 585 Seiten starke Buch etwa eine Woche. Das ist extrem wenig für meine Verhältnisse.

Stärken des Buchs:

Die herausragenden Stärken von “Das Lied der Krähen” sind meiner Meinung nach die Figuren und die Atmosphäre. Leigh Bardugo gelingt es, den Lesenden sechs Individuen zu präsentieren, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede hat ihre ganz persönliche Geschichte, die sie dorthin geführt hat, genauer gesagt, in die Abhängigkeit von Kaz Brekker. Dessen herausragende Talente sind mannigfaltig, am wichtigsten sind jedoch die Fähigkeit unter den aussichtslosesten Bedinungen zu überleben und Pläne zu schmieden, die keiner außer ihm überblicken kann.

Besonders gut hat mir gefallen, dass jede Figur eine Bürde mit sich trägt, mit der sie jeweils zu kämpfen hat und die sie innerhalb des ohnehin gefährlichen Auftrags vor Herausforderungen stellt. Hier ist es der Autorin sehr gut gelungen, das Maß zu halten. Kaz und Ineji leiden nachhaltig an ihren jeweiligen Erfahrungen, die vor allem durch Gewalt und Misshandlung geprägt sind. Umso erwähnenswerter ist hier, dass sie diese Folgen auch nicht mit einem magischen Fingerschnipsen überwinden, sondern einen Weg finden damit umzugehen. Mal gelingt es, mal nicht. Diese Schwächen und auch das vorkommende Versagen der individuellen Strategien macht die Figuren umso glaubhafter.

Bei Jesper, Nina und Wylan habe ich etwas gebraucht, bis ich diese persönlichen Hürden in Das Lied der Krähen erkannt, bzw. herausgelesen habe. Aber auch sie sind jeweils wichtig für die Charakterbildung und wurden hervorragend inszeniert. Matthias war die Figur, mit der ich während des Lesens am wenigsten Sympathien verband, dennoch denke ich inzwischen, dass sein Weg, eine lebenslange Indoktrination zu überwinden und die damit verbundene innere Zerrissenheit ganz wunderbar dargestellt wurden.

Neben den Figuren gefällt mir die welt in der sie sich bewegen ausgesprochen gut. Es ist eine übersichtliche Welt, die von unterschiedlichen Völkern bewohnt wird. In Ketterdam, dem Ausgangspunkt der Handlung, kommen diese Völker auf unterschiedlichsten Wegen zusammen. Hier gelingt es der Autorin ohne klassische gut-böse Zeichnerei, Konflikte aufzuzeigen, die sich auf der Ebene der Regierungen sowie der einzelnen Menschen abspielen.

Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass die Geschichte unfassbar spannend ist. Ja, es stellt sich zügig ein Muster heraus (Plan wird geschmidet, Chaos bricht los, Kaz rettet die Lage), aber es wird nicht langweilig, das “wie” zu verfolgen.

Schwächen des Buchs:

Besonders negativ ist mir an Das Lied der Krähen vor allem das unpassende Alter einiger Protagonisten aufgefallen. Allen voran Jesper und Kaz. Während des Lesens hatte ich ständig eine Gruppe von Menschen, die etwa Mitte zwanzig sind vor Augen. Ausgenommen Matthias, den ich noch älter schätzen würde. Aber Kaz Brekker ist siebzehn und dafür ist er mir bereits zu abgebrüht. Seine Hintergrundgeschichte und die damit verbundene Verbitterung sind glaubhaft, aber meiner Meinung nach braucht es einige Jahre mehr, um derart zu verhärten. Es wird gesagt, dass er mit etwa vierzehn nach Ketterdam kam, dann blieben ihm gerade mal drei Jahre, um innerlich beinahe vollkommen abzustumpfen und zum kaltblütigen Mörder zu werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das reicht.

Die Schiffsreise nach Fjerda zog sich inhaltlich etwas. Da hatte ich das Gefühl, dass die Reise gestreckt wurde, um die Rückblicke der jeweiligen Figuren aufzuholen, die sonst zu kurz gekommen wären. Das ist an dieser Stelle auch das einzige, was vom Überschlagen der Passage abhält, denn sonst verläuft die Schiffsreise weitgehend ereignislos.

Mein Fazit zu Das Lied der Krähen:

“Das Lied der Krähen” ist ein weiteres Lesehighlight für mich (die begegnen mir in letzter Zeit öfter). Ich habe es sehr genossen in die düsteren Gassen von Ketterdam abzutauchen und an der Seite dieser einzigartigen Figuren ihr Abenteuer zu erleben. Ich kann es allen empfehlen die düstere Fantasy-Pageturner mögen. Allerdings sollten Lesende nicht allzu zimperlich sein, was Gewaltdarstellungen angeht.

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo

Fantasy
Softcover, 592Seiten

erschienen bei Knaur

02. Oktober 2017

ISBN 978-3-426654439
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