Trashfaktor 4 – Das Einhorn, der Zombie und ich [Rezension]

Trashfaktor 4 – Das Einhorn, der Zombie und ich [Rezension]

Mark hat eine millionenschwere Einhornzucht. Doch niemand kennt sein dunkles Geheimnis: bei seinem ersten Experiment wurde er gebissen. Seitdem lebt Chris, das erste Einhorn in seinem Kopf, und Mark ist in der Lage, Körperteile abzunehmen – zum Beispiel seinen Zombie-Penis. Mark glaubt deshalb nicht mehr daran, dass er die große Liebe findet, bis eines Tages Nicole an seine Tür klopft. Er verliebt sich sofort in sie, aber, wie es sich für eine echte Liebesgeschichte gehört, kann er natürlich nicht mit ihr zusammen sein, denn es gilt, sein Geheimnis um jeden Preis vor ihr zu verbergen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Der Autorin schreiben.
  2. Ein Bild des Buches auf Instagram posten.
  3. Darüber nachdenken, was ich von diesem Buch halten soll.

Mein Eindruck zu Das Einhorn, der Zombie und ich:

Also zu allererst möchte ich festhalten, dass ich dieses Buch von der Autorin auf der Leipziger Buchmesse geschenkt bekommen habe, da ich „so aussehe, als könnte es mir gefallen“ (was, als bekennende Liebhaberin von Sharkmovies und ähnlichem Trash, zwar vollkommen zutreffend ist, mich trotzdem zu der Frage führt, was an mir so aussieht). Weiters möchte ich festhalten, dass ich im Rahmen von Trash ganz besonders Trash-Zombies liebe (Kennt jemand den Trash-Film Scouts vs. Zombies? Der ist super! Ansonsten auch Zombiber – sehr empfehlenswert.). Dementsprechend muss ich nun zugeben, dass ich einigermaßen enttäuscht war, dass in dem Buch nicht wirklich ein Zombie im eigentlichen Sinne vorkommt. Der Titel “Das Einhorn, der Zombie und ich* ist daher für mich ein bisschen irreführend gewählt, was einen gewissen Punkteabzug nach sich zieht, da die treffende Benennung eines Buches meiner Meinung nach auch in die Bewertung einfließen kann und darf. Aber sehen wir mal davon ab, haben wir tatsächlich eine Art verschriftlichtes Sharkmovie vor uns, nur eben mit Einhörnern, (keinem richtigen) Zombie und einer Liebesgeschichte, die richtig schön klischeehaft ist. Achtung: In genau diesem Rahmen sollte das Buch gelesen und – natürlich – auch bewertet werden.

Stärken des Buchs:

Üblicherweise würde ich jetzt an dieser Stelle über den poetischen Schreibstil oder die wunderbar düstere Atmosphäre schwärmen (ihr kennt mich ja, sowas liebe ich) oder über die Charaktere, die einem so ans Herz gewachsen sind. Das geht bei diesem Buch natürlich nicht, immerhin soll es ja all das NICHT sein. Insofern schwärme ich heute einfach mal davon, wie großartig liebevoll schlecht der Inhalt gestaltet wurde. Die Charaktere sind aus dem Handbuch für Charakterentwicklung Seite 1 abgeschrieben. Er: groß, gutaussehend, mit einer ständigen glänzenden Schweißschicht, die seinen zahllosen Muskeln schmeichelt.

Sie: langhaarig, langbeinig und sowieso sehr wunderschön. Oder wie Hermine (Harry Potter) es so schön ausgedrückt hat: Die beiden sind „vom Wesen eher körperlich“. Mit einem bewundernswerten Mangel an Charaktereigenschaften, einer absolut sinnfreien Handlung, die natürlich die obligatorische Liebe auf den ersten Blick und das bedingungslose Akzeptieren jeglicher abstruser Monstrositäten beinhaltet, und einem geschulten Auge für inhaltslose Dialoge, trifft Michaela Harich genau ins Schwarze. Das Buch ist so entsetzlich schlecht, dass man richtig Freude daran hat. Ganz nach den großen Vorbildern wie 50 Shades, Twilight und ca. allem anderen, was in den letzten Jahren so den Markt überschwemmt hat, wird man mit einem Klischee nach dem anderen durch den Kakao gezogen und erhält damit einen guten Querschnitt durch etwa 95% des aktuellen Literaturmarktes. Gespickt natürlich – wie könnte es anders sein – mit Einhörnern (Yey!), Zombies (naja, eigentlich nicht) und explodierenden Raketenpenissen. Was will man mehr?

Das Einhorn, der Zombie und ich, Foto: M. D. Grand
Das Einhorn, der Zombie und ich, Foto: M. D. Grand

Schwächen des Buchs:

Brüche! Also ich hätte gerne Brüche. Denn so gut (schlecht) das Buch auch gemacht ist, so fehlt mir doch der Bruch mit den Klischees, damit die Satire so richtig rund wirkt. Ein alleiniges Aufzeigen aller Absurditäten ist zwar gut, aber irgendwie nicht befriedigend, denn wenn man nicht wüsste, dass das Buch eine Satire ist, so könnte man es – Gott bewahre! – doch auch irgendwie noch ernst nehmen. Denn auch, wenn ich ein Grundvertrauen in die Menschheit habe, so vertraue ich ihr doch nicht so weit, dass es nicht irgendwo auch einen Autor oder eine Autorin geben würde, der oder die absichtlich und in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte ein unabsichtlich schlechtes Buch über Einhörner, Zombies und eine etwas abartige Art von Erotik schreiben würde. Für ein ganz richtiges Trash-Buch ist mir “Das Einhorn, der Zombie und ich* daher an manchen Stellen doch noch eine Spur zu wenig schlecht umgesetzt.

Mein Fazit zu Das Einhorn, der Zombie und ich:

Für eine sanfte, unterhaltsame Satire reicht das Buch auf jeden Fall aus, für ein richtiges Trash-Buch (aufgrund der hohen Zerstückelungsrate übriges schon eher Splatter-Trash) hat es für mich allerdings noch nicht ganz gereicht. Entweder gezielte Brüche mit den Klischees oder eine noch überspitzere Darstellung mancher Situationen und demensprechend eine kräftigere, pseudo-ernstgemeintere Erzählstimme hätten mich mehr gefreut als der durchaus lobenswerte Ideenreichtum, der für das wenige an Handlung meines Erachtens nach teilweise schon fast zu viel war. Der Grand’sche Trashometer zeigt also insgesamt Trash-Faktor 4 (wegen zu hoher Qualität), mit Abzügen für den nicht ganz treffsicheren Titel ergeben sich daraus (sehr streng bemessene, ich geb’s ja zu) *Trommelwirbel* 3,5 Punkte. Unterhaltsam ist es aber allemal!

Mehr von M. D. Grand gefällig? Hier findest du alle Rezensionen der Autorin 🙂

Das Einhorn, der Zombie und ich

Michaela Harich

Satire Fantasy
Softcover, 112 Seiten

erschienen bei Amrûn Verlag

25. März 2018

ISBN 978-3958693364

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M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

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