Schauer ohne Knall – Das Archiv [Rezension]

Schauer ohne Knall – Das Archiv [Rezension]

Im Archiv einer Hochschule wird eine vergessene Kammer wiederentdeckt. Johannes Meerbusch erhält den Auftrag, die dort gelagerten Akten zu sichten. Bei der Arbeit in dem Kellerraum, den seit Jahrzehnten niemand betreten hat, stößt er auf eine unbekannte Gefahr, die schnell seinen Verstand zu vergiften beginnt…

 

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  • Geschlafen, und zwar ohne Schiss vor Monstern unter dem Bett
  • Mir das Romandebüt des Autors auf die Merkliste gepackt
  • Mir die Amazon-Rezensionen durchgelesen und festgestellt, dass andere es auch zu kurz fanden

Mein Eindruck zu Das Archiv:

„Das Archiv“ klingt schon gruselig. Keine Ahnung, was Archive so an sich haben, aber die wirken schon so furchteinflößend. Stundenlanges Arbeiten in irgendwelchen einsamen Räumen, in denen Regale die Sicht versperren, sodass sich ohne Probleme etwas oder jemand in den Raum schleichen könnte. Furchtbarer Gedanke, also ist der Gruseleffekt von Anfang an da.

Stärken des Buchs:

Michael Leuchtenberger kann schreiben. Jap, er hat ein Talent, seine Geschichte leichtfüßig wirken zu lassen. Seine Sprache ist mühelos und natürlich, was sehr angenehm ist. Er versucht nicht, besonders intelligent oder gewieft rüberzukommen. Er will einfach unterhalten und weiß, wie.

Genauso weiß er, wie er den Leser so richtig Angst macht. Von Anfang an dachte ich, dass es eine sehr, sehr, sehr schlechte Idee war, die  Kurzgeschichte nachts zum Einschlafen zu lesen. Er schafft es, diesen unaufgeregten Grusel auszulösen, bei dem man die ganze Zeit denkt, gleich muss alles um einen herum in grünen, widerlichen Schleim explodieren, der einen in den Abgrund zieht.

Das E-Book “Das Archiv”, Foto: Magret Kindermann

Schwächen des Buchs:

In „Das Archiv“ fehlte mir etwas. Denn während er diese anbahnende Furcht sehr gut beherrscht, war das Finale dann lasch. Ich will hier nichts verraten, jedoch dachte ich am Ende enttäscht: Wie, das war’s schon? Da hätte ein gigantischer Höhepunkt gut hingepasst, der dem Leser die Fingernägel hochrollt. Stattdessen verlief das herrliche Gruselkribbeln im Sande.

Das hätte man lösen können, indem man die 15-Seitige Kurzgeschichte auf das Doppelte verlängert. Denn selbst für was Kurzes war es mir zu kurz.

Mein Fazit:

„Das Archiv“ gibt es nur als E-Book und ist ein wunderbarer Einstieg, um den Autor kennenzulernen. Obwohl die Geschichte unterhaltsam war, legt man sie am Ende enttäuscht weg – weil der Knall fehlt.

Das Archiv (Kurzgeschichte)

Michael Leuchtenberger

Kurzgeschichte Horror
E-Book, 15 Seiten

erschienen bei Books on Demand

14. Januar 2019

keine ISBN.


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Magret liest nie, ohne dabei zu schimpfen. Am wenigsten mag sie wiedergekäute Ideen, leere Worthülsen oder Floskeln. Dafür steht sie auf Experimente, selbst wenn sie schiefgehen. Die Figuren sind ihr wichtiger als der Plot. Daher liest sie vor allem Entwicklungsromane, klassische und welche der Gegenwartsliteratur.

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