Kategorie: Novelle

Geglücktes Verwirrspiel – Irrgast [Rezension]

Geglücktes Verwirrspiel – Irrgast [Rezension]

Eli wird Zeugin, wie ihr Freund vor ihrer Haustüre brutal ermordet wird. Doch sie erinnert sich nicht an den Täter und auch sonst fehlt auf den Mörder jede Spur. Während Eli sich immer mehr isoliert und versucht, zu vergessen, was geschehen ist, nähert sich ihr Anna. Anna wohnt gegenüber, sie ist gesellig – fast schon aufdringlich – und weigert sich, Eli in Ruhe zu lassen. Immer wieder sucht sie Kontakt und zwingt Eli so, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Doch irgendetwas stimmt nicht mit Anna. Und je besser Eli die Fremde kennenlernt, desto weniger scheint sie von ihr zu wissen…

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Sehen ohne Augenlicht – Hanover’s Blind [Rezension]

Sehen ohne Augenlicht – Hanover’s Blind [Rezension]

Adam möchte ein normales Leben leben. Also immigriert der Studienabbrecher in seine Traumstadt Hannover – mit dem festen Plan, endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Wäre da nicht diese Sache:

Adam ist fast blind. Wie kompliziert es sein kann, mit einer Schwerbehinderung einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu ergattern, erfährt er schnell am eigenen Leib. Dabei möchte er nicht länger den Weg des geringeren Übels gehen, sich anpassen müssen und sich den Meinungen der Gesellschaft beugen. Doch die Möglichkeiten mit Handicap wie jeder andere durchs Leben zu gehen, sind begrenzt. Also verheimlicht er seine Einschränkung und baut sich damit selbst einen Weg aus Stolpersteinen.

Hanover’s Blind ist eine Geschichte über Neuanfänge, Freundschaften, Liebe aber auch Veränderung. Sie erzählt von Mut und Ängsten, von den Erwartungen (sowohl denen der Gesellschaft als auch denen, die man an sich selbst stellt) sowie von dem oft noch viel zu wenig gelebten Miteinander. Und natürlich vom Tanzen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Gelächelt.
  2. Eine Packung Pralinen geöffnet und hineingegriffen, ohne hinzusehen.
  3. Die letzten drei Kapitel noch einmal über die Audioausgabe angehört.

Mein Eindruck zu Hanover’s Blind:

Die Novelle erzählt aus dem Leben. Direkt und ohne Umschweife. Ich gehöre selbst zur Gruppe der Blindfische, lebe seit meiner Geburt mit nur einem funktionierenden Auge und einer fortschreitenden Seheinschränkung. Was Kia Kahawa in ihrem Buch beschreibt trifft, um es in einem altbekannten Klischee zu formulieren, den Nagel auf den Kopf. Allein die erste Szene (sie spielt an einem Bahnhof, so viel sei verraten), ist mit zwei Worten zu unterschreiben. Genau das. So geht es mir über sämtliche Kapitel hinweg.

Hanover’s Blind ist eine wundervolle Geschichte über Individualität. Besonders mit einer Einschränkungen kann das ein sehr kompliziertes Thema sein und Kia schafft es, Kernprobleme auf den Punkt zu bringen, die eine Vielzahl von Menschen mit ähnlichen Lebensverläufen beschäftigt.

Aufgepasst! Crowdfunding!

Social Media ist eine famose Sache. Sonst wäre ich vielleicht nie über dieses Projekt gestolpert. Genau genommen ist Twitter schuld, dass ich Hanover’s Blind als Alphaleserin lesen durfte. Nun steht das Hörbuch kurz vor der Veröffentlichung. Die Autorin hat sich bewusst für den Weg des Selfpublishing entschieden und eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, die 2018 erfolgreich war. So gingdas Buch seinen eigenen, individuellen Weg, genau wie sein Protagonist es tut. Jetzt geschieht dasselbe mit dem Hörbuch.

Wenn ihr Kia unterstützen wollt, geht es dierekt [hier] zum Crowdfunding. Und nicht vergessen: Den Link fleißig für eure Freunde und Follower teilen!

 

Stärken des Buchs:

Ich habe es schon erwähnt. In diesem Buch steht die ungeschönte Wahrheit. In allen Facetten, mit Ecken und Kanten, mit Hochs und Tiefs. Nicht nur über das Thema Behinderung, sondern auch über ganz alltägliche Dinge, wie Freundschaften, Beziehungen oder Niederlagen. Mir ist die Geschichte gerade so besonders sympathisch, weil sie mitten aus dem Leben gegriffen scheint. Außerdem übt sie Kritik daran, wo es in unserer Gemeinschaft bezüglich Barrierefreiheit und Gleichberechtigung noch immer hakt.

Schon allein der Schreibstil sorgt dafür, dass man sich beim Lesen vorkommt, als sitze man mit Adam in einem Café in Hannover und er erzähle gerade seine Geschichte. Locker, mit Humor und man vergisst schnell, dass man sich eigentlich zwischen Papier und Buchstaben befindet. Die Charaktere sind vom Schlag »ja, so jemanden kenne ich auch!«. Vielfältig, individuell und nah.

Dasselbe gilt für Adams Weise, die Welt zu sehen. Beziehungsweise genau das eben nicht zu tun. Denn wie nimmt jemand seine Umgebung wahr, der sie nicht sehen kann? Unsere Augen prägen unsere Eindrücke immens, auch beim (Be)schreiben, und (so gut wie) ohne diese Gewohnheit auszukommen, ist eine starke Leistung der Autorin. Dadurch, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, bleibt einem gar keine andere Wahl, als sich genau darauf einzulassen.

Schwächen des Buchs:

Ganz ehrlich, ich habe Tage an diesem Abschnitt gegrübelt. Tatsächlich habe ich nur einen einzigen Punkt, den ich an dieser Stelle anmerken möchte. Dazu sei gesagt, dass ich ein absoluter Detail-Freak bin. Soll heißen, ich sauge Hintergrundwissen schlicht auf wie ein Schwamm. Genau das kam mir an manchen Stellen des Buchs ein Stück zu kurz.

So kommt zwar Adams Schulzeit zur Sprache, aber tatsächlich hätte ich gerne mehr über seine Kindheit gelesen. Oder seine Eltern. Das gilt genauso für seine beiden WG-Mitbewohnerinnen Muriel und Johanna oder für Herrn Sandelholz-Karamell. All diese Menschen machen mich neugierig und die ein oder andere retrospektive Anekdote hätte dem Buch meiner Meinung nach nicht geschadet.

Mein Fazit zu Hanover’s Blind:

Kia Kahawa nimmt sich in Hanover’s Blind einem Thema an, das wesentlich mehr Beachtung finden sollte: Die Möglichkeiten den eigenen Weg zu wählen und wie schwer es ist, ihn zu gehen. Völlig egal, ob man nun blind ist, im Rollstuhl sitzt, mit einer anderen Einschränkung lebt oder nicht. Vorgefertigte Wege und die Erwartungen anderer drücken uns in Systeme, über die wir dann auch noch froh sein sollen, dass wir überhaupt diese und jene Möglichkeit bekommen.

Wie es einem damit geht, beachten sowohl Außenstehende als auch Betroffene selbst oft viel zu wenig. Dein eigenen Weg zu finden ist nie leicht. Welche Hürden mit einer Behinderung hinzukommen können, ist den meisten Leuten außerdem nicht einmal bewusst. Es ist einerseits der Umgang mit dem Handicap an sich, andererseits aber auch die Reaktion der Umwelt. Denn Barrierefreiheit auf Augenhöhe ist noch lange kein Standard. Auch in Deutschland nicht. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und die Unterstützung beim Hörbuch-Crowdfunding. Wenn ihr auch zu dem Projekt beitragen möchtet, klickt einfach [hier].


Hanover’s Blind

Kia Kahawa

Entwicklungsroman Novelle
Softcover, 188 Seiten

erschienen bei TWENTYSIX

27. September 2018

ISBN 978-3-740735555

Jetzt für 9,99 € kaufen
 

 

 

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Der Frauenmörder: Der Polizist Krause wird auf einen Fall angesetzt, der die Medien erschüttert. Fünf Frauen sind verschwunden. Jede von ihnen hatte sich ein Zimmer gemietet, hatte keine Angehörigen, etwas Vermögen und war drauf und dran einen mysteriösen Blonden mit Kneifer zu heiraten. Keine von ihnen kam von einem Ausflug zurück und die Mieterinnen zeigten die Fälle bei der Polizei an. Leichen wurden allerdings nicht gefunden.

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Ich habe die Tulpologie gelesen und kann gar nicht so recht in kurze Worte fassen, worum es bei der 128-Seitigen Novelle geht. Es geht irgendwie um alles, aber ein bisschen auch um nichts. In erster Linie aber um einen Blumenladen, in dem Mister Huang seiner Lieblingskundin Marlene Tulpen verkauft. Marlene beginnt irgendwann, ihm, ihren schrecklichen Freundinnen und der Welt zu erzählen, ihr Mann sei gestorben. Mit dieser Lüge verstrickt sich Marlene in eine Geschichte, die sich immer wieder um die Tulpen dreht.

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