Skurrile Traumwelten – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Skurrile Traumwelten – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Was denkt sich Walter Moers, wenn er die Bilder des Malers Gustave Doré betrachtet? Offensichtlich eine ganze Menge! Auf 217 Seiten erfindet Moers die Geschichte des zwölfjährigen Künstlers, der in der Nacht in ein Phantasiereich gerät und sich dort jeder Menge skurrilen Abenteuern stellen muss. Eine Jungfrau retten? Den Wald der Gespenster durchqueren? Das schlimmste alles Monster besiegen? Kinderbuch und Erwachsenenbuch, dieses Buch ist alles in einem und irgendwie doch keins davon.

 

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M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Hinterlässt einen kleinen Stich – Splitter der Nacht [Rezension]

Hinterlässt einen kleinen Stich – Splitter der Nacht [Rezension]

In Madat bekriegen sich die freien Zirkel offen. Ohne Rücksicht auf Verluste liefern sich Magier ihre Kämpfe, mittendrin die machtlos wirkende Stadtwache. Die Schattenmagierin Jara versucht sich mit ihrem Zirkel an einem gewagten, wenn auch zunächst belanglos wirkenden Diebstahl. Sie werden verraten, der Zirkel bis auf wenige Mitglieder ausgelöscht und Jara muss in Gefangenschaft entscheiden, ob sie sich einem grausamen Schicksal opfert oder ihren Meister verrät. (Und dann vielleicht ein bisschen später, anders grausam stirbt.)

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Mich bei der Autorin erkundigt, wann es weiter geht
  2. Kaffee getrunken
  3. Die Rezension begonnen

Mein Eindruck zu “Splitter der Nacht”:

“Splitter der Nacht” war das erste Buch von Katrin Ils außerhalb der bisher gelesenen Reihe und ich hatte mir davon etwas Neues versprochen. In diesem Punkt wurde ich leider enttäuscht, aber auch nur in diesem.

Die Autorin führt die Lesenden erstmals aus Alat, dem Handlungsort ihrer vorangegangenen Romane, heraus. Madat unterscheidet sich auf den ersten Blick nur durch noch mehr Dreck, Korruption und das offene Vorgehen der freien Magierzirkel von den Verhältnissen in den vorigen Romanen. Die Geschichte verspricht, was wir/ich von Katrin Ils erwarte: düstere Spannung, Figuren in ausweglosen Situationen und menschliche Abgründe. Die Handlung hat mich gefesselt und mitgerissen, doch der große Knall am Ende erschien mir leider etwas dumpf.

Stärken des Buchs:

“Splitter der Nacht” punktet mit der starken Atmosphäre, die Katrin Ils ihren Geschichten verleiht. Leseri*innen fühlen sich augenblicklich in die wenig angenehmen Handlungsorte versetzt und fühlen mit der Protagonistin, die emotional wie auch körperlich durch die Hölle geht. Der Einstieg in die Geschichte gelingt hier besonders stark. Die Leser*innen werden schonungslos in Jaras Verzweiflung hineinkatapultiert und mit dem fein gewählten Maß an Rätseln konfrontiert. Die Verstrickungen scheinen undurchdringlich, aber genauso, dass es die Neugierde anfeuert.

Jara stolpert aus diesem überragend guten Buchanfang in die folgende Handlung. Hier gelingt es Katrin Ils wiederholt, eine innerlich zerrissene, teils überforderte und dennoch minimal menschliche Protagonistin zu schaffen. Sie hat den Glauben an das Gute, rettungswürdige in sich selbst längst aufgegeben, ist jedoch noch nicht so weit, alle Menschen aufzugeben. Jara wirkt authentisch. Sie handelt grausam, doch nur, weil sie keine Wahl hat. Zugleich wird Jara mit der nötigen Prise Mitgefühl ausgestattet, die es braucht, um sie sympathisch zu machen.

Ihre Umgebung zwingt sie praktisch, so zu sein, wie Jara ist. Das Leben in Madat ist geprägt von Gewalt, Korruption und Willkür, daraus folgt, dass Tod und Folter einen gewissen Raum innerhalb der Geschichte erhalten. An dieser Stelle kann ich Katrin Ils erneut ein, vieleicht etwas zweifelhaftes, Kompliment aussprechen: Sie schreibt die großartigsten Gewaltszenen. Die Autorin zeigt die Grausamkeit, ohne sie zu feiern. Schmerz und Qual gehören zum Setting und der Geschichte, werden jedoch nicht zum Selbstzweck. Sie deutet an, beschreibt einzelne Aspekte, ergözt sich nicht daran.
An diesem Punkt möchte ich eine kleine Warnung für alle Katzenliebhaber aussprechen: Katrin Ils schafft es, diese überaus bezaubernden, liebenswerten, teils tollpatschigen Tiere grausam wirken zu lassen.

Schwächen des Buchs:

Die oben genannten Stärken sind in gewissen Teilen auch die Schwächen des Buches. Denn wenn ich die angesprochenen Punkte betrachte, so sind es die gleichen wie in der Unstern-Reihe.

In “Splitter der Nacht” gibt es eine neue Protagonistin in neuer Umgebung und dennoch kommt mir alles bekannt vor. Jara ist brutal, innerlich zerbrochen und lebt in Abhängigkeit, dabei ist sie gerade noch so empathisch, dass sie kein Monster ist. Sich selbst hat sie aufegegeben, die Menschen, die sie liebt, stellt sie über sich selbst und unternimmt alles, um sie zu schützen/retten. Und das erinnert in den groben Zügen an Kerra, die Heldin der Unstern-Reihe.

Auch die Handlung baut sich nach dem bekannten Muster auf: Die Protagonsitin gerät in eine ausweglose Situtation, hat die Wahl zwischen Verrat und Tod und stellt zunehmend fest, dass sie selbst von allen Seiten verraten und benutzt wird, um schließlich ihr eigenes Ding durchzuziehen. Leider war die große Überraschung am Ende aus diesem Grund vorhersehbar.

Es ist ein kleiner Wehmutstropfen, denn unterhaltsam und spannend bleibt das Buch allemal, ich persönlich lasse mich nur gerne überraschen.

Mein Fazit zu Splitter der Nacht:

Ich war von “Splitter der Nacht” gleichermaßen begeistert wie enttäuscht. Katrin Ils gelingt es mit den bekannten Elementen Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Als Leserin erwarte ich das natürlich, nur hätte ich mir bei der Handlung und der Figurengestaltung etwas mehr Neues gewünscht. Deshalb knausere ich bei diesem Roman ein wenig mit den Sternen.

Trotzdem ist “Splitter der Nacht” eine Empfehlung für Dark Fantasy Fans, die sich mehr wirklich starke Frauenfiguren, auch jenseits der Protagonistin, wünschen. Ein Leseerlebnis, das alle Sinne anspricht, so intensiv wie Katrin Ils die Umgebung und Erlebisse ihrer Figuren beschreibt.
Und ich warte gespannt auf eine Fortsetzung von “Splitter der Nacht” in der festen Überzeugung, dass Jara mich noch überraschen wird.

Splitter der Nacht

Katrin Ils

Fantasy
Softcover, 210 Seiten

erschienen bei Sprohar

24. Oktober 2018

ISBN 978-3-950446135

Jetzt für 9,00 € kaufen

 

Wiebke über Trilogien

Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

Düstergoldene Abschreibübung – Ravinia [Rezension]

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Lara McLane bekommt zu ihrem sechzehnten Geburtstag einen Schlüssel, der sie in die Victoria Street in Edinburgh führt, egal, in welches Schloss sie ihn steckt. Sie beginnt eine Ausbildung im dortigen Schlüsselmacherladen und gerät schon bald in die Stadt Ravinia. Diese liegt zwischen den Welten und ist das Zuhause der magischen Handwerker, wie es auch Laras Eltern waren, bevor sie bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Schon bald merkt Lara allerdings, dass Ravinia nicht nur wunderschön ist, sondern auch so einige Geheimnisse bereit hält. Ein Tyrann Namens Roland Winter ist plötzlich wieder in aller Munde, schreckliche Morde geschehen und Freund und Feind sind nicht mehr auseinanderzuhalten. Bald schon merkt Lara, dass sie selbst eine besondere Rolle in all dem spielt – und dass sie nicht die ganze Wahrheit über ihre Eltern kennt…

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Schauermärchen für Erwachsene – Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

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Führt die Spuren zu einem würdigen Schluss – Der Pakt der Bücher [Rezension]

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Mercy wird weiterhin von ihrer Vergangenheit verfolgt, von den jüngeren ebenso wie von den weiterzurückliegenden Ereignissen. Sie hat ein Versprechen gegeben, noch vielmehr einen Pakt geschlossen, den es einzulösen gilt. Überraschend offenbart sich ihr eine schnelle, scheinbar einfache Lösung der Probleme, doch gefällt ihr weder der Überbringer dieser Botschaft, noch die daran geknöpfte Bedingung. Die zahllosen Gefahren und Widersacher, denen sich die junge Frau erneut stellen muss sind das geringere Übel, viel schwieriger erscheint ihr der Kampf gegen die eigene Moral. Als dann zwei ihrer Freunde gefangengenommen und als Druckmittel genutzt werden, bleibt für Mercy scheinbar keine Wahl.

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Eure Langatmigkeit, Herrscherin der ewigen Fragerei – Die Königliche [Rezension]

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Ich liebe ja eigentlich Bücher, wo man alle Teile unabhängig voneinander lesen kann. So auch die Reihe „Die sieben Königreiche“: Die Protagonisten begegnen sich immer wieder, im Grunde genommen versteht man aber jeden Band auch, ohne die vorherigen gelesen zu haben. Nach „Die Beschenkte“ und „Die Flammende“ geht es in Band 3 nun um die junge Königin Bitterblue  – „Die Königliche“. Ihr Vater, ein angsteinflößender Tyrann, hat das Land im Chaos zurückgelassen. Niemand will sich erinnern, niemand will darüber sprechen, was in der Zeit von Lecks Herrschaft geschah. Sogar Bitterblues Berater enthalten ihr Informationen vor und so muss die Königin selbst handeln. Getarnt schleicht sie sich Nachts in die Stadt und wird prompt in dubiose Verfolgungsjagden und gefährliche Angriffe verstrickt. Fragen über Fragen häufen sich und alle führen sie in die Zeit vor ihrer Herrschaft. Was ist damals wirklich geschehen?

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M. D. Grand

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Badass Girlpower – Aria, die Dämonenjägerin [Rezension]

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Aria ist Dämonenjägerin aus Leidenschaft. Ob Iradämon, Ghul oder Gelbäugler, keine Höllenbrut ist vor ihr sicher. Vor allem auf Schattendämonen hat sie es abgesehen, denn diese haben vor Jahren ihren geliebten Bruder entführt. Doch ihre Arbeit ist nicht ganz legal: sie hat keine offizielle Ausbildung. Als sie deshalb wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt gerät, findet sie sich plötzlich dem gutaussehenden Officer Dan Howard gegenüber.

Er unterbreitet ihr ein verführerisches Angebot: wenn sie ihm bei verdeckten Ermittlungen mit möglicher dämonischer Beteiligung hilft, sorgt er dafür, dass ihre Ausbildung endlich offiziell anerkannt wird. Blöd nur, dass Dan Howard ein arroganter, eingebildeter Schönling ist, der Aria für eine reiche Partygöre ohne Hirn hält. Und auch blöd, dass die beiden schon bald enger zusammenarbeiten müssen, als ihnen beiden lieb ist, denn eine Verschwörung ist im Gange. Um herauszufinden, was vor sich geht und wer dahinter steckt, riskieren die beiden bald alles – allen voran ihr Leben.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Endlich gefrühstückt, obwohl die Brötchen inzwischen ausgekühlt waren („Nur eine Seite noch“)
  2. Endlich zum Lernen begonnen, was ich am Vorabend statt zu lesen eigentlich auch schon hätte machen sollen („Die Prüfung ist eh erst am Freitag“)
  3. Mir einen grünen Tee gemacht, um den Schlafmangel vom Vortag auszugleichen („Was? Mitternacht ist doch keine Zeit zum Schlafengehen. Nur ein Kapitel…“)

Mein Eindruck zu Aria, die Dämonenjägerin:

Badass, spannend, unterhaltsam: Aria, die Dämonenjägerin* ist definitiv ein Buch, mit dem man Langeweile vertreiben kann. Obwohl er am Anfang noch ein bisschen holprig ist, fesselt einen der Schreibstil der Autorin Alena Coal und entführt uns in eine Welt, in der Dämonenangriffe zum täglichen Leben gehören. Eine Geschichte ohne Kitsch, dafür mit bissigen Kommentaren, einem Haufen Fluchwörtern und gelungenen Kampfszenen – genau das richtige für jene unter uns, die nicht ganz so zart besaitet sind.

Stärken des Buchs:

Beginnen wir mit der Welt. Das Buch spielt in einer Welt ähnlich der unseren, in der Dämonenangriffe allgegenwärtig sind. Das Gute ist irgendwo zwischen Schmutz und Trümmern vergraben, überall herrscht Verfall und Korruption. Es wird nicht viel erklärt (In welchem Land sind wir überhaupt? Ist es die Zukunft? Oder eine Parallelwelt? Wie ist es dazu gekommen, dass Satans Horden durch die Straßen ziehen?), doch das macht nichts. Alles, was wir über die Welt erfahren, erfahren wir aus der Sicht von Aria Wenfield oder Dan Howard. Deren Gedankengänge binden den Leser subtil in die Welt ein und verraten ihm zwar nicht alles, aber auf jeden Fall alles Relevante, und das sehr gekonnt und unauffällig.

Das Setting wirkt sehr lebendig und regt zum Nachdenken an, genauso wie die beiden Hauptcharaktere. Vor allem Aria Wenfield ist ein sehr intensiver Charakter, wenn auch nicht immer ganz sympathisch (was aber gut ist, denn warum müssen die Helden immer strahlend und ohne Makel sein?). Sie und Dan sind als Charaktere gut gewählt und die Liebesgeschichte zwischen ihnen fällt nicht all zu kitschig aus, was ich sehr schätze. Schön ausgestaltet sind auch die Nebencharaktere, die nicht nur sinnlos immer mal wieder vorkommen, sondern essentiell an der Handlung und dem Ausgang derselben beteiligt sind. Vor allem ab der zweiten Hälfte wurde das Buch sehr spannend und hat mich schließlich sogar so gefesselt, dass ich schlafen, lernen und sogar Frühstück dafür hinausgezögert hab.

Aria die Dämonenjägerin, Foto: M. D. Grand
Aria die Dämonenjägerin, Foto: M. D. Grand

Schwächen des Buchs:

An Schwächen sind mir vor allem zwei Dinge aufgefallen. Zuerst das Unwichtigere: manche Formulierungen in diesem Buch haben mich mit Fragen zurückgelassen. Warum knackt der Kiefer, wenn man fest zusammen beißt? Das würde ich mal mit einem Kieferorthopäden abklären lassen. Und seit wann flackert die Iris? Aus medizinischer Sicht auch eher bedenklich. Normalerweise zeigen sich Reaktionen an der Pupille, nicht an der Iris. Aber ja, ihr seht, das fällt eher unter „Jammern auf hohem Niveau“.

Nun zum wichtigeren Teil: die Charaktere. Aria und Dan sind zwar ansich gut ausgearbeitet, aber in ihrem Zusammenspiel doch ein wenig klischeebehaftet. Vielleicht habe ich einfach zu viele dieser Bücher gelesen, aber das ständige Anmeckern und Streiten geht mir inzwischen richtig auf die Nerven. Man kann sich ja auch mal nicht leiden, aber normalerweise kriegt man sich doch wieder ein, wenn man merkt, dass man nicht recht hat, oder? Wie wäre es denn mal, wenn Charaktere einfach miteinander reden, statt sich gegenseitig anzuschreien und dann sehr nahtlos von Hass zu Kuss zu wechseln? Soll das die intensive Leidenschaft reflektieren oder das Buch spannender machen?

Aria und Dan wirken so auf jeden Fall nicht anziehender, sondern nervig und auch unreif, was zugegebenermaßen dazu passt, dass die beiden erst achtzehn und einundzwanzig sind. Das allerdings passt wiederum nicht mit ihrem ansonsten sehr erwachsenen, abgeklärten Verhalten zusammen, denn so, wie die Charaktere sonst beschrieben werden, würde ich sie mindestens für Mitte zwanzig halten. Zur Verteidigung von Autorin und Charakteren stelle ich an dieser Stelle die These auf, dass diese korrupte, sterbende Welt für diesen Bruch verantwortlich ist, da die Charaktere zwar schnell erwachsen werden müssen, aber gleichzeitig keine Gelegenheit haben, emotional mit ihren Aufgaben mitzureifen. Falls diese These stimmt, hätte ich dafür gerne eine Erklärung im Buch gelesen, so bleibt es als Minuspunkt für Aria, die Dämonenjägerin anzumerken.

Mein Fazit:

Alles in allem hat mir das Buch aber trotzdem sehr gut gefallen. Aria und Dan kriegen sich im letzten Drittel ganz gut wieder ein und auch die Handlung nimmt noch einmal rasant Fahrt auf, was Aria, die Dämonenjägerin* vor allem gegen Ende hin zu einem richtigen Page-Turner macht. Mit dem spannenden Erzählstil, der gut ausgearbeiteten Welt und der gut durchdachten Handlung vergebe ich daher guten Gewissens 4 von 5 Sternen an Aria und Dan. Ich bin gespannt auf weitere Werke der Autorin!

Marlens Rezension hat dir gefallen? Hier findest du eine Übersicht über all ihre Beiträge!

Aria, die Dämonenjägerin

Alena Coal

Fantasy Romantasy
Softcover, 368 Seiten
erschienen bei Forever by Ullstein
17.November 2017
ISBN 978-3-958189324
16,00 € bei Amazon*

 

M. D. Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Legt eigentlich ganz viele Spuren – Die Spur der Bücher [Rezension]

Legt eigentlich ganz viele Spuren – Die Spur der Bücher [Rezension]

Mercy Amberdale wächst zwischen Büchern auf, sie ist Bibliomantin und der Liebe zu Büchern verpflichtet, wie alle, die ihr Talent teilen. Doch ein schlimmer Vorfall, für den Mercy sich ganz allein die Schuld gibt, bringt sie dazu, sich von ihrem kranken Ziehvater, den Freunden und sogar der Bibliomatik abzuwenden.

Sie erledigt bezahlte Diebstähle für gierige Buchsammler und finanziert sich so ihr Leben. So baut sie sich einen Ruf unter hochrangigen Bibliomanten auf. Als der Nachbar und Konkurrent ihres inzwischen verstorbenen Ziehvaters auf grausame Weise ermordet wird, nimmt sie die Ermittlungen auf und verstrickt sich immer tiefer in uralte Verschwörungen und Fehden, bis sie zuletzt auf die Geheimnisse ihrer eigenen Herkunft stößt, die nicht gefährlicher sein könnten.

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Wiebke über Trilogien

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Wie Dexter mit magischen Kräften – Der Fluch des Wandlers [Rezension]

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In „Der Fluch des Wandlers*, dem dritten Band einer Reihe, geht es um Nicolas’ Geschichte. Wir kennen ihn bereits aus den ersten beiden Teilen der Wandler-Tetralogie, in denen es um die Geschichte der jungen Kiara geht. Nicolas wird in den ersten beiden Bänden als Agent von ihrem Clan geschickt, um sie zu schützen. Er bewegt sich stets in anderer Gestalt und zeigt ihr nie sein wahres Gesicht. „Der Fluch des Wandlers“ erzählt nun von Nicolas’ Vergangenheit als ursprüngliche Geheimwaffe des Clans lange bevor Kiara auf der Bildfläche erscheint.
Wer ist er wirklich? Wo kommt er her? Welche Fähigkeiten besitzt er noch? Und wie ist er zu dem geworden, der er heute ist?

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S. M Gruber über Frauenfiguren

Bücherphie, das bin ich, wenn ich mich auf Instagram und meinem Blog herumtreibe. Und S. M. Gruber, das bin auch ich, aber wenn ich Bücher schreibe.