Bleisatz

Bleisatz

Bettina Schnerrs Blog Bleisatz gibt es seit inzwischen über 20 Jahren. Im Jahr 2017 erschien ihr Blogbeitrag „Warum ich lese“ in der gleichnamigen Anthologie, herausgegeben von Sandro Abbate. 2018 gehörte Bleisatz zu den fünf besten deutschsprachigen Literaturblogs. In dieser Blogvorstellung kannst du Bettina und den Bleisatz näher kennenlernen!

Bildquelle: Ulrike Sommer

Ohne Bücher ging es bei Bettina Schnerr noch nie – lesebegeistert praktisch ab der ersten Stunde und das ist wirklich nur ein kleines bisschen übertrieben. Seit jeher ist sie Bibliothekskind und schätzt die Überraschungsfunde in den langen Regalen. „Poweruserin“ würde man heute wohl dazu sagen und eine, die mit drei Leihausweisen jongliert. Vielleicht deshalb ist sie auch eine der wenigen Vielleserinnen, die sich recht gut von gelesenen Büchern trennen kann?

Als freischaffende Journalistin schreibt Bettina Reportagen, Interviews und Berichte für die Tagespresse und Kulturnachrichten und kümmert sich um ganz unterschiedliche Texte für Firmenschriften. Inzwischen liegen tatsächlich neue Buchprojekte bei Verlagen und in Schubladen (eher Sachbücher, falls ihr fragt).

Warum betreibst du deinen Buchblog?

Ich hatte vor Jahren damit angefangen, als eigene Websites noch ziemlich neu waren. Damals konnte ich mich in meinem Umfeld über Bücher kaum austauschen und die Berichterstattung über Literatur in der Zeitung war für mich seinerzeit ziemlich uninteressant, denn sie deckte meinen Lesegeschmack überhaupt nicht ab. Im Netz aber fand ich Menschen, die ähnliche Sachen lasen. Also begann ich, meine eigenen Lektüren im Austausch zu rekapitulieren.

Was magst du an Büchern?

Je nachdem, was ich lese, kann ich mich amüsieren, in fremde Lebensrealitäten schlüpfen oder in Gegenden reisen, die ich persönlich nie sehen würde. Büchern können Perspektiven verschieben und neue Blickwinkel eröffnen. Wer meint, das Lesen sei eine Flucht aus der Realität, erlebt nur einen Bruchteil der Möglichkeiten.

Welche sind deine liebsten Genres und warum?

Das verschob sich in den letzten Jahren: Einst war ich absolut auf Krimis aus und mittlerweile teilen die Krimis sich den Part mit zeitgenössischer Belletristik. Bei Krimis schätze ich seit jeher die Spannung und ab einem gewissen Alter ging mir auch auf, wie stark gute Krimis die Gesellschaft beleuchten und Schwachstellen offenbaren. Da passiert meist viel mehr als die reine Suche nach einem Täter. Es gibt Hintergründe, Probleme, Weggucken, Möglichmacher, Mauscheleien, so lange, bis jemandem in seiner Verzweiflung die Sicherung durchbrennt. Ist der Täter gefunden, sind die ursächlichen Probleme natürlich noch lange nicht weg.

Wie wichtig sind Buchblogger*innen deiner Meinung nach für die Buchbranche?

Mir ist es bei Blogs und den angeschlossenen Social Media-Kanälen wichtig, dass sich Menschen über ihre Lektüre austauschen bzw. informieren können. Blogs haben das ins Internet verlegt, was in der Zeit davor ausschließlich in persönlichem und kleinem Rahmen stattfinden konnte: Buchempfehlungen austauschen, Perspektiven diskutieren, Meinungen entwickeln. Die Buchbranche als Wirtschaftszweig folgt an zweiter Stelle. Darin haben Blogs natürlich eine Funktion und sie sind definitiv Multiplikatoren. Das funktioniert auf Grund der persönlichen Art und der Kommunikation auf Augenhöhe, mit der zumindest die meisten Blogs arbeiten — womit wir wieder bei Punkt 1 der Antwort stehen.

Was wünscht du dir für die Zukunft im Umgang zwischen Verlagen und Bloggenden?

Ich stehe mit nur wenigen Verlagen regelmäsig in Kontakt, weil ich für die meisten Anfragen die Zeit gar nicht habe. In dem Rahmen, in dem ich den Austausch pflege, ist die Zusammenarbeit sehr gut und sympathisch.

Was sind deine Top 10 Bücher aller Zeiten?

Eine der schlimmsten Fragen überhaupt, weil sich die Antwort darauf im Quartalsrhythmus ändern kann 😉 Ich picke mal vier heraus, weil die Gründe dafür so unterschiedlich sind:

Keigo Higashino – Ich habe ihn getötet: weil der Autor die typische Krimistruktur auf eine Art aushebelt, die ich bisher noch nie gesehen habe.

Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98306-7
Originaltitel: Watashi ga Kare o Koroshita / 私が彼を殺した
Erstveröffentlichung: 1999
Deutsche Erstveröffentlichung: 2016
Übersetzung: Ursula Gräfe

Friederike Otto – Wütendes Wetter: weil die Autorin sehr anschaulich erklärt, wie Klimaforschung in Echtzeit funktioniert und welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen kann

Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-550-05092-3
Erstveröffentlichung: 2019

John Higgs – Alles ist relativ und anything goes: weil der Autor eine Antwort darauf zu finden versucht, warum dieses Jahrhundert so irre schnell und irre anders ist als die Zeit davor

Verlag: Insel
ISBN: 978-3-45817-663-3
Erstveröffentlichung: 2015
Deutsche Erstveröffentlichung: 2016
Übersetzung: Michael Bischoff

Gila Lustiger – Die Schuld der anderen: weil die Autorin ein Gesellschaftsportrait zeichnet, das so viele Fallstricke und Lücken offenbart, die bekannt sind und doch nicht entfernt werden

Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-82701-227-2
Erstveröffentlichung: 2015

Wenn du mehr von Bettina und ihren Rezensionen lesen möchtest, besuche Bleisatz und hinterlasse liebe Grüße vom Buchensemble!

 

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